Winnenden

Traktorfahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt

Waiblingen im Amtsgericht 3
Die Kontrahenten hätten keine Gerichtsverhandlung gebraucht – aber bei schwerer Körperverletzung schreibt das Gesetz eine Strafe vor. Und die setzt das Amtsgericht fest. © Habermann / ZVW

Winnenden/Waiblingen. Im vergangenen Juli waren ein Traktor und ein Motorrad in Höfen zusammengestoßen. Die Beifahrerin des Motorradfahrers war dabei erheblich verletzt worden. Nach dem Motorradfahrer ist mittlerweile auch der Traktorfahrer in erster Instanz, vom Amtsgericht Waiblingen, wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt worden.

Der 30-Jährige, der in Berglen wohnt, wollte damals kurz vor 21 Uhr mit seiner landwirtschaftlichen Zugmaschine und Anhänger von der Winnender Straße nach links in den Seehaldenweg Richtung Friedhof abbiegen. Laut Anklage blinkte er dabei aber nicht. Der Motorradfahrer habe überholen wollen, dabei sei es zum Zusammenstoß gekommen.

Widerspruch gegen den Strafbefehl

Die Beifahrerin wurde eingeklemmt, brach sich dabei das Wadenbein und erlitt einen Bänderriss im Fußgelenk. Gegen den Strafbefehl, den der Traktorfahrer erhielt, legte er Widerspruch ein, weshalb das Ganze vor Gericht ging.

Er habe „ganz sicher“ geblinkt, nachdem er in den Rückspiegel in der Kabine des Traktors und über die Schulter geschaut, niemanden gesehen und das Tempo verringert habe, „um ganz normal abzubiegen“, widersprach der Traktorfahrer der Anklage. Mitten beim Abbiegen habe es plötzlich einen Schlag getan, woraufhin er sofort abgebremst und stehengeblieben sei. Er habe also zunächst gar nicht mitbekommen, dass da ein Motorrad war und erst recht nicht, dass es überholen wollte, sonst wäre er ja gar nicht abgebogen.

Der Traktorfahrer habe nicht geblinkt

Das Paar auf dem Motorrad war auf dem Rückweg von einem Ausflug an den Ebnisee gewesen. Es widersprach als Zeugen dem Traktorfahrer. Dieser habe, nachdem die Ampel an der Kreuzung auf Grün schaltete und er angefahren sei, ohne Grund plötzlich erneut angehalten und er habe nicht geblinkt, so die Beifahrerin, eine 48-jährige Korberin.

Daraufhin seien sie langsam, in Schrittgeschwindigkeit, am Traktor entlang nach vorne gefahren, um zu erfahren, warum der eigentlich angehalten habe, beziehungsweise nicht weiterfuhr. In dem Moment habe es keinen Gegenverkehr gegeben. Sie hätten gar nicht vorgehabt, den Traktor zu überholen, hätten es auch nicht eilig gehabt. Ebenso unvermittelt sei dieser auf einmal aber wieder angefahren, um abzubiegen, und habe dabei das Motorrad mitgeschleift.

"Was da hätte passieren können“

Der Motorradfahrer, ein 54-jähriger Schwaikheimer, wiederholte, bis auf geringfügige Details, diese Darstellung. Sie hätten viel Glück gehabt, dass der Traktor sie nicht wirklich erfasst habe, sie nicht unter die Räder gekommen seien, das Motorrad nicht umkippte.

Der Traktorfahrer habe „100-prozentig nicht geblinkt, sonst wäre ich doch nicht vorgefahren. Das würde ich nie machen, da geht es als Motorradfahrer schließlich um mein Leben. Vielleicht sitzen wir nur deshalb hier, weil wir ja damals so vorsichtig waren. Was da hätte passieren können.“

Aussage gegen Aussage

Aussage also gegen Aussage der unmittelbar Beteiligten. In seinem Gutachten hat der Sachverständiger, der den Unfall untersuchte, bestätigt, dass dieser bei niedrigsten Geschwindigkeiten geschehen sein muss. „Das erklärt auch, warum das Motorrad nicht umstürzte.“

Es sei davon auszugehen, dass der Traktorfahrer nicht, wie vorgeschrieben, noch mal über die Schulter nach hinten geschaut habe, ehe er abbog. Der Traktor hat keine Außenspiegel. Beides zusammen erkläre, warum dessen Fahrer das Motorrad übersehen beziehungsweise nicht gesehen hatte.

30 Tagessätzen à 40 Euro

Der Traktorfahrer habe es also an der gebotenen Sorgfalt fehlen lassen, unabhängig davon, ob er geblinkt habe oder nicht, so die Schlussfolgerung des Anklägers. Es gebe eine Sorgfaltspflichtwidrigkeit, aber in einem minder schweren Fall, räumte der Verteidiger ein.

Der Traktorfahrer wurde schließlich vom Gericht zu 30 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt, das dabei auch auf die Schwere der Verletzungen der Motorradbeifahrerin verwies.

Verfahren gegen Motorradfahrer eingestellt

  • Der Motorradfahrer, der in erster Instanz ebenfalls verurteilt worden war, war dagegen in Revision gegangen. Laut seinem Anwalt hat mittlerweile das Landgericht Stuttgart das Verfahren gegen ihn eingestellt.
  • Das Amtsgericht hatte ihm vorgeworfen, er hätte damals warten müssen, bis die Situation eindeutig gewesen wäre, hätte also vorher nicht vorfahren dürfen.
  • Das Landgericht dagegen habe bezweifelt, ob ihm ein strafbares Verhalten zur Last gelegt werden könne, ob es, wie vom Amtsgericht angenommen, überhaupt einen Überholvorgang gegeben habe, so der Anwalt auf Nachfrage.
  • Der Rechtsanwalt und sein Mandant seien mit der Einstellung einverstanden gewesen, hätten also nicht auf einen Freispruch gedrängt, weil sonst zu befürchten gewesen wäre, dass die Staatsanwaltschaft wiederum Einspruch einlegt. „Für meinen Mandanten kommen eine Einstellung oder ein Freispruch aufs Gleiche raus.“