Winnenden

Trauer über den Tod des Winnender Bauamtsleiters Klaus Hägele

klaushaegele
Klaus Hägele am 7. August 2021 vor dem Anbau der Kastenschule. Die besuchte er selbst einst als Schüler. © Gaby Schneider

Damit hat Anfang August 2021 auf der Baustellentour zu vier wichtigen Bauprojekten der Stadt keiner gerechnet. Alle erlebten einen völlig entspannten, in sich ruhenden, körperlich fit wirkenden Klaus Hägele. Das war einerseits nicht verwunderlich, weil er seit Jahren im Radfahren seinen Ausgleich fand. Das war andererseits aber doch seltsam, weil das Stadtbauamt, das er seit fast 30 Jahren leitete, seit Jahren unter Volllast lief. Hägele berichtete an jenem 7. August von 30 Projekten, die er und seine 75 Mitarbeiter gleichzeitig betreuten. Und die Zuhörer aus dem Gemeinderat und der Bürgerschaft erfuhren en passant, wie schwierig das Bauen geworden ist. Nicht nur wegen Lieferengpässen, Corona-Ausfällen, gestiegenen Preisen. Auch, weil sich die Vertreter der Bauherrin Stadt mit schludernden Firmen und klageführenden Firmen gegen Vergaben rechtlich auseinandersetzen müssen.

Den Ruhestand hatte er selbst bereits ins Auge gefasst

Für Klaus Hägele hatte sich im Sommer nun aber eine neue Perspektive eröffnet. Er plante, in ein, zwei Jahren in den Ruhestand zu gehen. Und kurzfristig freute er sich auf die Alpenüberquerung mit dem Fahrrad, bei der er als ADFC-Tourenleiter eine Gruppe führen wollte. In seinem Urlaub im August jedoch, wenige Tage nach seinem 62. Geburtstag, riss ihn eine schwere Krankheit jäh nieder. Von den Folgen hat sich Klaus Hägele nicht mehr erholt. Er ist am Neujahrstag verstorben. Die Urnenbeisetzung findet am Montag, 17. Januar, um 13 Uhr auf dem Waldfriedhof in Winnenden-Schelmenholz statt.

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth hielt kurz darauf mit 60 Kolleginnen und Kollegen im Rathaus ein internes Gedenken ab. Aus Rücksicht auf Klaus Hägeles Familie erscheint der Nachruf der Stadt aber erst jetzt im Blickpunkt und auch unsere Zeitung hält sich an das ungeschriebene Gesetz, erst die offizielle Nachricht der Familie abzuwarten. „Wir fühlen mit seiner Familie und vermissen diesen wunderbaren Kollegen sehr“, schreiben Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und Bürgermeister Norbert Sailer in einer langen Würdigung.

Höchste Anerkennung

OB Holzwarth erinnert sich im Telefongespräch mit unserer Zeitung an seine Anfänge in Winnenden 2010 und die ersten gemeinsamen Projekte. Klaus Hägele, studierter Architekt, hatte ihm da schon 18 Jahre Erfahrung mit und Verantwortung für Hoch- und Tiefbau (und viele weitere Aufgaben) in der Stadt voraus. „Ich erlebte, wie Klaus Hägele mit dem Bau der Alfred-Kärcher-Halle und mit dem Umbau der Albertville-Realschule umging. Ich merkte, wie gut er diese komplexen Aufgaben verstand und anderen in Verwaltung und Gemeinderat erklärte.“ Das führte zu etwas, was Holzwarth selten in einem Mitarbeiterfeedback macht. „Ich sagte zu ihm: Sie sind der Beste.“

Kosten und Qualität im Blick

Seine fachlichen Kenntnisse und seine Persönlichkeit, sagt Holzwarth, „fehlen uns“. Klaus Hägele war weder ein Schwärmer noch ein Schwurbler. Auf Fragen zu Bauprojekten gab er immer denkbar knappe, nüchtern-faktische Antworten. Selbst wenn es auf Bürgerseite emotional wurde wie bei der Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule, deren Neubau die Stadt schließlich mitsamt der ganzen Schule aufgab, blickte er als kompetenter Planer auf die Sache, blieb der Steuermann, der Kosten und Qualität überblickte. Und er blieb der Kapitän, der seinen Anspruch an Funktionalität und Gestaltung an ein Bauprojekt nicht an die Forderungen nach Kostensenkung verraten würde.

Jahrzehntelang ergaben die Schlussrechnungen der Bauprojekte sogar oft ein beachtliches Geldpolster, Geld, das die Stadt vorsorglich bereitgestellt hatte, aber am Ende doch nicht ausgeben musste. Die Gemeindeprüfungsanstalt bescheinigte ihm regelmäßig, „vorbildlich“ zu arbeiten, schreibt die Stadt in ihrem Nachruf.

Kindergärten, Schulen, Feuerwachen prägen das Stadtbild 

So ist es zu erklären, dass Klaus Hägele immer auch zufrieden und stolz auf die Ergebnisse blickte, die er und seine Kollegen im Amt betreuten. Auf die Gebäude, die das Bild Winnendens, seiner Heimatstadt, prägten. Sie reichen von Schulen (unter anderem Neubau der Haselsteinschule, Sanierung des Georg-Büchner-Gymnasiums) über zwei neue Feuerwachen bis hin zu etlichen neuen Kindergärten. Auch bei Projekten anderer Träger brachte sich Klaus Hägele beratend ein, beim Markthaus, für die Schule beim Jakobsweg, beim Rems-Murr-Klinikum samt Parkhaus oder bei verschiedenen Projekten des Zentrums für Psychiatrie.

Für zehn Bereiche verantwortlich

Dabei war er, und das wurde gerne mal von Außenstehenden ausgeblendet, ja als Vorgesetzter nicht nur für Hochbau, sondern auch für die Sachgebiete Zentrale Vergabestelle, Tief- und Straßenbau, Bauhof, Gärtnerei, Vermessung und zentrale Dienste zuständig und hatte die technische Leitung des Abwasserzweckverbandes Buchenbachtal und die Leitung der Kläranlage Zipfelbachtal sowie der Stabstelle Technische Gebäudeausrüstung inne.

Damit hat Anfang August 2021 auf der Baustellentour zu vier wichtigen Bauprojekten der Stadt keiner gerechnet. Alle erlebten einen völlig entspannten, in sich ruhenden, körperlich fit wirkenden Klaus Hägele. Das war einerseits nicht verwunderlich, weil er seit Jahren im Radfahren seinen Ausgleich fand. Das war andererseits aber doch seltsam, weil das Stadtbauamt, das er seit fast 30 Jahren leitete, seit Jahren unter Volllast lief. Hägele berichtete an jenem 7. August von 30 Projekten, die er

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper