Winnenden

Trotz dringendem Bedarf: Nur 17 neue Sozialwohnungen

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Auf diesem unbebauten Grundstück an der Ecke Forchenwaldstraße und Buchenhain sollen 17 Sozialwohnungen entstehen. © ZVW/Sarah Utz
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Erste Bodenproben wurden bereits im Januar 2017 entnommen. Bereits damals gab es Ärger unter den Bürgern.

Winnenden. 17 Wohnungen will der Gemeinderat an der Forchenwaldstraße im Schelmenholz bauen lassen. Zu den ursprünglich erhofften 20 bis 25 Wohnungen, für die es dringlichen Bedarf gäbe, fand sich keine Mehrheit im Gemeinderat.

Das Grundstück an der Forchenwaldstraße gehörte der katholischen Kirche und war ursprünglich für einen Kirchenbau reserviert. Den braucht die Kirche nicht mehr. Deshalb gab sie das Grundstück in Erbpacht zu einem vergünstigten Preis an die Stadt mit dem Wunsch, dass die Stadt dort Wohnraum für Bedürftige schaffen möge. Der Bedarf ist groß, die Wartelisten sind lang. Die städtischen Grundstückverwalter hofften auf 20 oder mehr Wohnungen auf diesem Platz.

Ein Gebiet im Schelmenholz, das sehr locker bebaut ist

Für die Stadt war die Brache an der Forchenwaldstraße eine einmalige Gelegenheit günstig Wohnungen in größerer Zahl zu bauen. Allerdings wussten die Stadtplaner auch, dass dieses Grundstück genau in jenem kleinen Teil des Schelmenholzes liegt, der am wenigsten dicht bebaut ist, in dem Bungalows mit großen Gärten stehen. Kaum war das Vorhaben bekannt, kamen Proteste in der Nachbarschaft auf. Die Stadt nahm Gebräche mit Protestierenden auf, hörte sie an, verzichtete aber nie auf das Bauvorhaben, nur über die Dichte der Bebauung ließen die Gemeinderäte mit sich reden. In einem ersten Planungsstadium legten sie fest, dass das Grundstück in der Breite ausgenützt werden soll, nicht in der Höhe.

Jetzt hatten sie die Wahl zwischen drei Varianten von breiter Bebauung: Mit 17, mit 20 oder mit 24 Wohnungen. Alle Varianten waren gleich breit, aber unterschiedlich hoch. Viel wurde offenbar schon nichtöffentlich vorberaten. In der öffentlichen Sitzung dieser Woche war von vorneherein angekündigt, dass Gemeinderäte die kleinste Variante wünschen.

Ali-Stadträte drängen auf mehr Wohnungen

Architekt Andreas Bloss hatte diesen Wunsch aufgegriffen und empfahl selbst diese Variante: „Natürlich ist es die Variante, die am wenigsten Wohneinheiten hat und die deshalb auch am wenigsten wirtschaftlich ist, aber es ist auch die Variante, die städtebaulich am verträglichsten ist.“ An Bloss’ Gesicht konnte man ablesen, dass eine dichtere Bebauung ihn geplagt hätte.

Trotzdem wollte eine Minderheit von Gemeinderäten mehr. Christoph Mohr (Ali) wusste, dass es auf die 17 Wohnungen hinausläuft und meinte: „Ich bin enttäuscht. Es ist die unwirtschaftlichste Variante, und es ist wieder die Stadtbau, die teuer baut. In der Nähe gibt es Grundstücke ähnlicher Größe, wo 20 Wohnungen realisiert sind. Ich plädiere für mehr Wohneinheiten.“ Auch Martin Oßwald-Parlow meinte: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir im unteren Teil höhere Gebäude zulassen.“ Damit könnte man dann 20 Wohnungen erreichen.

Widerstandskraft bei FDP-Stadtrat erlahmt

Dafür hatte der junge FDP-Stadtrat Robin Benz überhaupt kein Verständnis. Er bekannte, dass er ursprünglich ganz gegen dieses Wohnungsbauprojekt eingestellt war und dass nun durch den Vorschlag, 17 Wohnungen zu bauen seine Widerstandskraft erlahme und er dieser Variante zustimmen werde.

OB Hartmut Holzwarth verwies auf die Anwohner: „Sie haben sehr intensiv mit der Verwaltung gerungen ... wir können durch eine gute städtebauliche Integration nachher auch die menschliche Integration fördern.“ Hans Ilg (FWV) meint: „Die Häuser, die Herr Mohr angesprochen hat, sind alle unten an der Forststraße, nicht direkt im Wohngebiet.“ Die Anwohner hätten sich eingebracht, sie seien keine Totalverweigerer. Mit den 17 Wohnungen habe man einen Kompromiss gefunden, mit dem auch die Anwohner leben könnten, deswegen stimme er für diese Variante. Auch Frank Rommel (CDU) hofft, dass die kleinere Variante zur Akzeptanz bei der Nachbarschaft beiträgt. Ihm ist es aus städtebaulicher Sicht wichtig, dass die neuen Häuser nicht höher werden als das bestehende Maximlilian-Kolbe-Haus.

Hans-Dieter Baumgärtner (SPD) sieht in den 17 Wohnungen einen „goldenen Mittelweg zwischen Mohr und Benz“. Schließlich stimmte eine große Mehrheit für die kleinere Variante. Dagegen stimmten die drei Ali-Stadträte Maria Papavramidou, Martin Oßwald-Parlow und Christoph Mohr, sowie SPD-Stadtrat Andreas Herfurth.

Drei Varianten

Diese Woche hatten Stadträte noch drei Varianten zur Auswahl.

Variante 3a hätte zwei Mal drei Stockwerke gehabt und Platz für 24 Wohnungen geboten.

Variante 3b bot Platz für 20 Wohnungen hätte im oberen Teil des Grundstücks zwei Stockwerke und im unteren Teil drei gehabt.

Variante 3c hat durchgängig zwei Stockwerke und bringt 17 Wohnungen. Sie wurde gewählt.