Winnenden

Tumult am Winnender Klinikum: 15 Familienmitglieder sorgen für Polizei-Einsatz

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Das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden. © Benjamin Büttner

Sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden, der im Sterben liegt, ist ein sehr verständliches menschliches Bedürfnis. Und Trauer wird von jedem anders gelebt und bekundet. Am Montagabend (25. Mai) gegen 19.30 Uhr begehrten rund 15 Mitglieder einer kurdischen Familie danach, sich von einem auf der Sterbestation des Klinikums in Winnenden liegenden weiblichen Familienmitglied zu verabschieden. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen konnte der Sicherheitsdienst die Gruppe jedoch nicht einlassen. Woraufhin es zu „hoch emotionalen“ Szenen gekommen sei, weshalb sich der Sicherheitsdienst veranlasst sah, die Polizei zu rufen, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen.

Die Polizei kam mit mehreren Streifenbesatzungen, um die tumultartige Situation zu klären. Tatsächlich sei es der Polizei gelungen, die Lage zu beruhigen und zu schlichten. Letztlich durften drei Personen, enge Verwandte, hinein, um die Sterbende zu sehen. Die anderen der Gruppe hätten die Lokalität „friedlich“ verlassen. Für die Polizei ist das Ereignis damit abgeschlossen. „Es kam weder zu Gewalt noch zu Beleidigungen. Es wird also auch keine Strafanzeigen geben“, so der Polizeisprecher.

Warum durften die Leute nicht hinein zur Sterbenden?

Landesregierungen und Bundeskanzlerin hatten zwar grundsätzlich grünes Licht gegeben, dass wiederkehrende Besuche in Krankenhäusern seit 18. Mai wieder ermöglicht werden dürfen. Den Vorschlag, den Besucherstopp zu lockern, sehen die Rems-Murr-Kliniken jedoch mit Sorge und ziehen aus Infektionsschutzgründen in Corona-Zeiten nicht mit. Allerdings gibt es in den Krankenhäusern in Schorndorf und Winnenden Ausnahme-Reglungen, so etwa beim Abschied von einer sterbenden oder verstorbenen Person.

„Wir bekommen grundsätzlich viel Zustimmung für die Aufrechterhaltung der Besuchsbeschränkungen, weil dadurch unsere Patienten, darunter auch schwerkranke und zur Corona-Risikogruppe gehörende, geschützt werden“, sagt Monique Michaelis, Sprecherin der Rems-Murr-Kliniken. „Natürlich muss aber der Abschied von einem sterbenden Familienmitglied weiter möglich sein.“ Dass sich 15 Personen verabschieden wollen, sei aber sicherlich nicht die Regel, auch nicht in normalen Zeiten ohne Pandemie. „Das wären im Moment aber natürlich leider zu viele. Deshalb durften auch nur drei hinein.“

Warum lockern die Rems-Murr-Kliniken den Besucherstopp nicht?

Der Besucherstopp sei eine wichtige Maßnahme, um die Patienten, die oft ein hohes Risiko für schwerste Krankheitsverläufe haben, aber auch die Mitarbeiter, vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen und dadurch die Funktionsfähigkeit der Kliniken weiterhin zu gewährleisten, so Monique Michaelis. Ein steigender Publikumsverkehr berge vor allem die Gefahr, das Ansteckungsrisiko zu erhöhen.

„Bevor wir über die Umsetzung von Lockerungen sprechen können, müssen wir zunächst ein umsichtiges Konzept entwickeln, wie die vorgeschlagene Besucherregelung mit dem bestmöglichen Schutz unserer Patienten und Mitarbeiter zu vereinbaren ist“, sagt Dr. Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken.

„In der öffentlichen Diskussion findet zurzeit kaum die Debatte statt, dass es viele symptomlose Träger gibt. Darüber hinaus gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, wie lange solche Träger noch infektiös sind für die Umgebung. So lange halten wir am grundsätzlichen Besuchsstopp fest“, so Nickel. Die Entscheidung sei mit dem Landratsamt abgestimmt worden und werde „vollumfänglich“ mitgetragen.

Gleichwohl wisse man auch, dass die Kontaktbeschränkungen für einige Patienten und deren Angehörigen sehr belastend sein können, weshalb Ausnahmen von der bestehenden Regelung zugelassen würden.

Welche Ausnahmeregelungen für Besucher gibt es?

In folgenden Fällen dürfen Patienten in den Rems-Murr-Kliniken Schorndorf und Winnenden Besuch empfangen:

  • Bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung des Patienten; bei Abschied von einer sterbenden oder verstorbenen Person.
  • Ein besuchendes Elternteil zum Kind oder ein werdendes Elternteil (Familienzimmer kann für diese Person bei freien Kapazitäten genutzt werden). Schwangere können von einer (gesunden) Person bei der Geburt begleitet werden.
  • Betreuer oder gesetzlicher Bevollmächtigter, wenn notwendig.
  • Besucher mit Ausnahmegenehmigung werden gebeten, verstärkt auf die strengen Hygienemaßnahmen und die Abstandsregelung von mindestens 1,5 Meter zu achten.

Wie lauten die Empfehlungen der Landesregierung?

„Die Zahl der Besucher in Krankenhäusern soll in der Regel auf einen Besucher pro Tag und Patient beschränkt sein. Damit sollen Menschenansammlungen in der Klinik vermieden werden, bei denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann“, so lautet der Grundtenor der Erlaubnis der Landesregierung für eine Lockerung des Besuchsverbots in Krankenhäusern. „Die in vielen Bereichen üblichen Schutzmaßnahmen wie Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, das Einhalten des Mindestabstands sowie die hygienische Händedesinfektion sind auch im Krankenhaus einzuhalten. Die Einrichtungsleitung kann Ausnahmen zulassen, insbesondere im Rahmen der Sterbebegleitung oder zur Unterstützung der Patienten bei der Nahrungsaufnahme.“

Sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden, der im Sterben liegt, ist ein sehr verständliches menschliches Bedürfnis. Und Trauer wird von jedem anders gelebt und bekundet. Am Montagabend (25. Mai) gegen 19.30 Uhr begehrten rund 15 Mitglieder einer kurdischen Familie danach, sich von einem auf der Sterbestation des Klinikums in Winnenden liegenden weiblichen Familienmitglied zu verabschieden. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen konnte der Sicherheitsdienst die Gruppe jedoch

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