Winnenden

Umstrittenes Millionenprojekt: 17 Wohnungen für Geflüchtete in Birkmannsweiler

Luftbild Festwiese, Hofkammerstr., Winnenden-Birkmannsweiler, 14.04.2022.
Luftbild Festwiese, Hofkammerstr., Winnenden-Birkmannsweiler, 14.04.2022. © Benjamin Beytekin

Zwei Wohnbauprojekte für Geflüchtete stehen in Birkmannsweiler an, beide sind umstritten. Gegen die Container, die bis Ende 2022 auf der Festwiese aufgestellt werden sollen, haben Nachbarn gar (erfolglos) geklagt. Die Vorplanung für ein schon lange angekündigtes Bauprojekt mit 17 Wohnungen weiter südlich an der Hofkammerstraße hat der Gemeinderat jetzt abgesegnet – allerdings „schweren Herzens“, wie es Stadtrat Hans Ilg ausdrückte.

Das Bauchweh der Räte liegt auch im finanziellen Aufwand begründet: Die Stadt rechnet mit 4,92 Millionen Euro für die beiden Gebäude am Buchenbach. Sie sollen so gebaut werden, dass sie als Flüchtlingsunterkunft und auch darüber hinaus als sozialer Wohnraum genutzt werden können, heißt es von Seiten der Stadt.

Insbesondere der schwierige Untergrund und die Topografie treiben die Kosten in die Höhe. Schätzungsweise rund eine halbe Million Euro werden laut Susanne Liebrich vom Winnender Hochbauamt für besondere Baumaßnahmen fällig. Der Baugrund sei durch Auffüllungen einer ortsansässigen Baufirma schadstoffbelastet. Er bestehe aus „inhomogenen Deckschichten auf tief anstehendem Keupertonstein“, heißt es in einer Vorlage der Verwaltung, weshalb „eine Flachgründung mittels Bodenverbesserung, Schottertragschicht, Frostschürzen und tragender Bodenplatte“ nötig sei.

Hinzu kommt, dass der Abwasseranschluss für die 17 Wohnungen an das öffentliche Kanalnetz in der Silcherstraße angeschlossen werden muss. Wegen des Höhenunterschieds wird der Einbau einer „Doppelhebeanlage mit Druckleitung“ erforderlich. Ein weiteres Problem: Überschreitungen bei den Schallschutzwerten: Gen Westen dürfen die Fenster nicht einmal geöffnet werden, es muss eine Lüftungsanlage eingebaut werden.

In der Vergangenheit ist das Grundstück nicht überflutet worden – bleibt das so?

Weil das Grundstück im Wasserschutzgebiet liegt, sind Schutzvorkehrungen zu treffen. OB Hartmut Holzwarth betonte in der Sitzung am Dienstag, bei Hochwasserereignissen in der Vergangenheit sei das Grundstück nicht überflutet worden, auch wenn der Buchenbach sein Flussbett verlassen habe. ALi-Rat Christoph Mohr hielt dagegen: Solche Naturereignisse fielen heutzutage mitunter deutlich schlimmer aus als früher. Sein genereller Appell: Das Thema Hochwasserschutz am Buchenbach drängt! Es ist freilich interkommunal und in Zusammenarbeit mit Landkreis und Regierungspräsidium bereits in Angriff genommen worden.

17 Wohnungen, 15 Autostellplätze, Fotovoltaikanlagen auf den Dächern

Ebenfalls keinen weiteren Aufschub duldet die Aufgabe der Kommune, sozialen Wohnraum zu schaffen, insbesondere für Geflüchtete. Deren Zahl hat – nicht nur, aber auch wegen des Kriegs in der Ukraine – wieder zugenommen.

Den Bebauungsplan für das Projekt am Buchenbach hat der Winnender Gemeinderat bereits 2016 auf den Weg gebracht. Den darin enthaltenen Vorgaben entsprechend sollen zwei längliche, zweigeschossige Baukörper ohne Keller in Nord-Süd-Ausrichtung zwischen Spielplatz und Hofkammerstraße errichtet werden. Vorgesehen sind fünf Einzimmerwohnungen, zwei Zweizimmerwohnungen, vier Vierzimmerwohnungen und drei Fünfzimmerwohnungen. Entlang der Hofkammerstraße sollen 15 Stellplätze sowie Unterstellplätze für Mülltonnen und Fahrräder entstehen.

In die Obergeschosse führen an den Gebäuden angebrachte einläufige Treppen. Im Erdgeschoss sind neben Wasch-, Abstell- und Technikräumen auch ein Sozialarbeiter- und Hausmeisterraum vorgesehen. Beheizt wird das Gebäude per Luft-Wasser-Wärmepumpen und Gas-Brennwert-Spitzenlastkessel. Das Gas stammt aus dem Netz der Stadtwerke. Für die Flachdächer sind Begrünung und Fotovoltaikanlagen vorgesehen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Traub sagte im Gemeinderat, die Planung sei grundsätzlich gelungen. „Das ist kein Wunschprojekt. Wir haben aber keine Alternative, um unsere Aufgabe zu erfüllen“, so Traub. Hans Ilg bedauerte: „Wir haben letztendlich keine Wahl. Wir brauchen dringend die Wohnungen, deshalb stimmen wir schweren Herzens zu.“ So sieht es auch SPD-Chef Andreas Herfurth: „Wir haben einen hohen Bedarf in diesem Bereich. Wir werden in den sauren Apfel beißen und zustimmen. Es ist inzwischen eine Frage der Alternativen.“ Die FDP-Vorsitzende Nicole Steiger hingegen machte bei der Abstimmung ihre Ankündigung wahr: „Ich werde dagegenstimmen. Nicht wegen des Projekts, sondern wegen des Standorts.“

Der nächste Schritt: Die Architekten gehen in die Entwurfsplanung

Nach dem positiven Votum mit 20 Pro-, vier Contra-Stimmen und zwei Enthaltungen wird das zuständige Architekturbüro Gebhard Kölz jetzt mit der Entwurfsplanung beauftragt. Über diese wird das Gremium dann voraussichtlich Ende Juni entscheiden.

Zwei Wohnbauprojekte für Geflüchtete stehen in Birkmannsweiler an, beide sind umstritten. Gegen die Container, die bis Ende 2022 auf der Festwiese aufgestellt werden sollen, haben Nachbarn gar (erfolglos) geklagt. Die Vorplanung für ein schon lange angekündigtes Bauprojekt mit 17 Wohnungen weiter südlich an der Hofkammerstraße hat der Gemeinderat jetzt abgesegnet – allerdings „schweren Herzens“, wie es Stadtrat Hans Ilg ausdrückte.

Das Bauchweh der Räte liegt auch im finanziellen

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