Winnenden

Unfallflucht vor dem Zahnarztbesuch in Winnenden: 1000 Euro Geldbuße

Rathausgarage
Tiefgarage in Winnenden: Es geht eng zu, und wenn man’s eilig hat, passiert schnell ein Unfall mit Blechschaden. © Gabriel Habermann

Ein Zahnarztbesuch in Winnenden kann auch nach einem halben Jahr noch recht schmerzhafte Spätfolgen nach sich ziehen. Diese Erkenntnis gewann ein 20-jähriger Student und Jungunternehmer im Waiblinger Amtsgericht. „Dein Verhalten war falsch, du hast einen Fehler gemacht. Hoffentlich hast du was für die Zukunft gelernt“, gab ihm Richter Armin Blattner mit auf den Weg, und unterstrich seine Mahnung mit einer Geldbuße wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort in Höhe von 1000 Euro. „In Zukunft verhältst du dich hundert Prozent richtig, dann bekommst du auch keine weiteren Probleme“, so Blattners Empfehlung.

Schon etwas gemerkt

Er sei an einem Septembermorgen im vergangenen Jahr knapp dran gewesen und habe es eilig gehabt, um rechtzeitig zu seinem Zahnarzttermin zu kommen, versuchte der Angeklagte sein Verhalten zu rechtfertigen. Als er sein Auto in einer Tiefgarage in der Innenstadt abstellte, habe er schon bemerkt, dass da beim Einparken irgendetwas passiert sein musste. Er habe ein Geräusch gehört, aber als er nach dem Aussteigen vorn um seinen Citroën herumgegangen sei, habe er nichts feststellen können. Also sei er schnurstracks zum Zahnarzt, den habe er nicht warten lassen wollen.

Über 2000 Euro Schaden

Dass er an seinem Fahrzeug vorn nichts feststellen konnte, hielt ihm der Richter entgegen, sei wohl normal gewesen. Schließlich habe er mit dem hinteren linken Fahrzeugteil ein anderes Auto erwischt und an diesem einen beachtlichen Schaden in Höhe von 2147 Euro verursacht. Er hätte auf alle Fälle eine angemessene Zeit auf den Führer des geschädigten Pkws warten müssen, belehrten sowohl Richter wie auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, um diesem die notwendigen Feststellungen zur Schadensregulierung zu ermöglichen. Da er diesen nicht antraf, hätte er die Polizei verständigen müssen. Den Zahnarzt anzurufen und diesem mitzuteilen, dass er sich verspätet, hätte weit weniger Ärger mit sich gebracht, als den, dem er sich nun gegenübersehe, so Blattner. „Natürlich ruft niemand gern bei der Polizei an und vermeldet einen Unfall. Aber versetz dich einmal in die Lage des Geschädigten und stell dir vor, du kommst zu deinem geparkten Auto und bemerkst, dass es beschädigt wurde. Das möchte doch auch niemand!“

Sein Verhalten sei falsch gewesen, zeigte sich der junge Mann reumütig. Es sei ihm bewusst, dass er hätte warten müssen. Aber als er dann von seinem Zahnarzttermin zu seinem Auto zurückkam, sei das beschädigte Fahrzeug bereits verschwunden gewesen. Zudem habe dessen Halter gewusst, an wen er sich wenden musste, und der Schaden sei mittlerweile ja auch vollständig beglichen worden. Dies, waren sich Richter und Staatsanwältin wieder einig, spreche für den Angeklagten.

Woher kommt sein Geld?

Sein Auto, erzählte der, habe ihm seine Mutter geschenkt, sie bezahle auch Steuer und Versicherung. „Das Benzin bezahle ich.“ Bei der Mutter im Haushalt habe er auch gewohnt, bis er sein Studium an der Stuttgarter Hochschule für Medien begann. Mittlerweile lebe er in Vaihingen in einer WG. Von der Mutter erhalte er 400 Euro im Monat, von diesen bezahle er seine 250 Euro Miete. Was er sonst noch zum Leben benötige, verdiene er mit seinem Kleinstgewerbe als Designer digitaler Objekte. 2020 habe der Verdienst zwischen 10 000 und 20 000 Euro betragen. Woher die 400 Euro der Mutter stammten, wisse er nicht, erklärte er, aber wahrscheinlich beziehe sie Kindergeld für ihn, und sein Vater, der von der Mutter geschieden ist, zu dem er aber guten Kontakt pflege, bezahle Unterhalt. Alles, was bei ihm mit dem Finanzamt zu tun habe, erledige der Vater eines Freundes, der sei Steuerberater, erklärte der junge Mann auf Rückfrage des Richters.

Als Jugendlicher eingestuft

Dass der Angeklagte „keinen Plan“ davon habe, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, woher das Geld stamme, mit dem ihn seine Mutter unterstütze, waren neben der Tatsache, dass er bis zu seinem Auszug in die WG ausschließlich bei der Mutter lebte, für Richter, Staatsanwältin wie auch die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe überzeugende Belege dafür, dass sein Verhalten nicht nach dem Erwachsenen- sondern dem Jugendstrafrecht zu beurteilen war.

Ein Zahnarztbesuch in Winnenden kann auch nach einem halben Jahr noch recht schmerzhafte Spätfolgen nach sich ziehen. Diese Erkenntnis gewann ein 20-jähriger Student und Jungunternehmer im Waiblinger Amtsgericht. „Dein Verhalten war falsch, du hast einen Fehler gemacht. Hoffentlich hast du was für die Zukunft gelernt“, gab ihm Richter Armin Blattner mit auf den Weg, und unterstrich seine Mahnung mit einer Geldbuße wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort in Höhe von 1000 Euro. „In Zukunft

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