Winnenden

Unfallpatient? Ab nach Winnenden!

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Der neue Chefarzt Dr. Christoph Riepl (44) wirbt für die Rems-Murr-Kliniken. © Graefe/ ZVW

Winnenden. Schwerer Unfall auf der Waiblinger Südumfahrung. Das Unfallopfer wird „bodengebunden“ in ein Stuttgarter Krankenhaus gefahren. Passiert immer wieder. Und das, obwohl das verkehrstechnisch viel besser zu erreichende Winnender Klinikum die Ausstattung und Fachkompetenz für sich beansprucht, ein „Haus der Zentralversorgung“ zu sein. Der neue Chefarzt der Unfallchirurgie ist Experte in der Behandlung von Schwerverletzten.

„Der Rems-Murr-Kreis ist leider noch ein weißer Fleck auf der medizinischen Landkarte in der Polytrauma-Versorgung“, sagt Dr. Christoph Riepl. Dies zu ändern, mit diesem Anspruch hat der 44-Jährige am 1. April 2016 seine Stelle als Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie angetreten. „Ich möchte die Rems-Murr-Kliniken zu einem Polytrauma-Kompetenzzentrum aufbauen und zu einem Haus der Zentralversorgung, auch für Unfallopfer.“

Sein Team und seine Erfahrung werden ihm dabei helfen. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft hier in Winnenden. Und zum ersten Oktober können wir drei neue engagierte Assistenzärzte zu unserer Verstärkung in der Abteilung begrüßen.“

Riepls medizinische „Spezialgebiete“ sind die Traumatologie (Mehrfachschwerverletzten-Versorgung), insbesondere auch die Kinder- und Alterstraumatologie, Verletzungen des Achsskeletts, Arbeitsunfälle sowie Implantation und Austausch künstlicher Gelenke. Vor Winnenden wirkte er jahrelang als Leitender Oberarzt der Unfallchirurgie sowie Hand-, Plastischen und Wiederherstellungs-Chirurgie im Universitätsklinikum in Ulm.

„Vom Herz her bin ich Traumatologe“

„Ich habe in Ulm zwar die Endoprothetik (vor allem Gelenk-Prothesen, Anm. d. Red.) mit eingeführt und habe auch Erfahrung darin, aber vom Herz her bin ich Traumatologe“, sagt Riepl. Rund 1500 Mehrfachschwerverletzte hat Riepl in seiner Chirurgen-Laufbahn bereits behandelt und operiert. Er war in Ulm zudem Koordinator eines überregionalen Trauma-Netzwerks der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie mit zwölf teilnehmenden Kliniken und einem Einzugsbereich von über 200 Kilometern von Dinkelsbühl bis zum Bodensee.

Er freue sich darauf, dass Dr. Joachim Singer, ab Januar 2017, ein „ausgewiesener Spezialist der Endoprothetik“, als zweiter Chefarzt mit ihm zusammen die Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie in Winnenden leiten wird, sagt Riepl. Man kann sich dann auch vertreten, jeder hat aber seine eigenen Steckenpferde. „Zusammen mit dem erfahrenen Dr. Jürgen Nothwang in Schorndorf wird die Unfallchirurgie und Orthopädie der Rems-Murr-Kliniken damit ein Führungsdreieck haben, das alle chirurgischen Spezialfelder der medizinischen Notfallversorgung abdeckt.“

Einen positiven Trend könne er bereits verspüren. „Kranke und Verletzte, die durch Überweisung oder nach einem Unfall in den vergangenen Monaten bei uns behandelt wurden, zeigten sich zufrieden mit unseren Leistungen. Wir haben einen sehr gut eingerichteten Schockraum zur Versorgung von Schwerverletzten, dessen Ausstattung wir gerade weiter verbessern“, sagt Riepl.

Wie in der Pressestelle der Kliniken zu erfahren ist, sind bereits ein 3-D-Bildgebendes Verfahren, Arthroskopie-Türme und Investitionen in Siebe genehmigt.

Mit der Personal- und Geräteausstattung könnten er und sein Team in Winnenden „beinahe alles“, so Riepl. „Wir können alle schweren Verletzungen und Mehrfachverletzungen behandeln – wenn es nicht gerade ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ist und der Patient tatsächlich besser in eine Spezialklinik wie in Tübingen geflogen werden sollte.“

Seine Abteilung sei seit Juli 2015 zertifiziertes Endoprothesen-Zentrum und seit Februar 2016 auch zertifiziertes regionales Traumazentrum und Mitglied im Trauma-Netzwerk Nord-Württemberg. „Wir haben die Behandlungszulassungen für alle Verletzungsarten der Berufsgenossenschaften“ – das sind Arbeitsunfälle, Schulunfälle, Wegeunfälle, Berufskrankheiten, Verletzungen der Hände.

Leider seien die Rettungsdienste im Rems-Murr-Kreis es noch nicht gewohnt, Unfallopfer etwa in Waiblingen oder Fellbach nach Winnenden zu fahren. „Wir sind in Gesprächen mit den Berufsgenossenschaften und den Rettungsdiensten, um unsere Kompetenzen noch bekannter zu machen, damit die Rettungsdienste uns auch anfahren oder anfliegen und nicht an unserem Haus vorbei nach Stuttgart oder Ludwigsburg ausgerichtet bleiben.“

Positiv auswirken werde sich auch die Einrichtung eines Notarzt-Standorts am Winnender Klinikum ab September 2016. „Wenn der Notarztdienst ans Haus angebunden ist, kennen die Notärzte die Situation bei uns vor Ort, was wir können, wie gut wir ausgestattet sind, kennen unsere Ressourcen und unser breites Behandlungsspektrum.“ Zudem binde der Standort auch die Notarzt-Ausbildung ans Haus, dafür bestünden dann die Voraussetzungen in Winnenden. „Auch für das Behandlungsspektrum, das ich mitgebracht habe, ist ein Notarztstandort unbedingt notwendig“, sagt Riepl.

Die Notaufnahme werde auch gerade reformiert und umgebaut. Schon seit 1. Juni werde sie chefärztlich betreut von Dr. Torsten Ade, der zuvor die Notaufnahme in Esslingen leitete und einen großen Erfahrungsschatz mitgebracht habe. „Da kommt jetzt immer mehr Struktur rein, und auch die Wartezeiten in der Notaufnahme verbessern sich. Das wird weiter optimiert werden“ (siehe Zusatztext „Notaufnahme soll verbessert werden“).

Zudem könne ja die dem Klinikum „vorgelagerte“ Notfallpraxis im Gesundheitszentrum die nicht so schwer Verletzten behandeln, so dass die Notaufnahme des Klinikums noch mehr entlastet wird.
 


Im Herbst 2016 möchten die Kliniken das Konzept der neuen Notaufnahme der Öffentlichkeit vorstellen.

Notaufnahme soll verbessert werden

  • Damit trotz des steigenden Patientenaufkommens eine optimale Notfallversorgung gewährleistet ist, bedarf es optimaler Strukturen und Prozesse, die mit der Umstrukturierung der Notfallversorgung zur Interdisziplinären Notaufnahme bereits eingeleitet wurden“, teilt die Pressestelle der Rems-Murr-Kliniken mit. Neben der Modernisierung von Prozessen, wie beispielsweise die Etablierung eines fächerübergreifenden ärztlichen Kernteams unter chefärztlicher Leitung, gehörten auch bauliche Anpassungen zum Umbaukonzept der Notaufnahme.
     
  • Die Baumaßnahmen beträfen insbesondere den Kernbereich der Interdisziplinären Notaufnahme: Der Anmeldetresen werde „offen und patientenfreundlich gestaltet, und insgesamt vier Triage-Kabinen zur Ersteinschätzung nach dem Manchester-Triage-System werden errichtet.“
     
  • Ziel sei es, die Interdisziplinäre Notaufnahme räumlich so zu gestalten, dass die Architektur den reibungslosen Ablauf bei der Erstversorgung optimal unterstützt und Wartezeiten verkürzt werden.