Winnenden

Unisex-Umkleide: Umfrage lässt Gäste zu Wort kommen

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Sascha Seitz vor der Lüftungsanlage im Technikraum des Wunnebads: Sie wird nächstes Jahr erneuert. © Habermann / ZVW

Winnenden. Ein fast 20 Zentimeter hoher Stapel liegt auf dem Bürotisch des Wunnebad-Leiters Sascha Seitz: Rund 300 Gäste haben an einer Umfrage teilgenommen, in der es auch um die neuen Umkleiden ging. Seit eine Besucherin die gemischten Sammelumkleiden moniert und unsere Zeitung darüber am 17. Oktober berichtet hatte, führt er viele Gespräche und beantwortet E-Mails. Er ist gespannt auf die Auswertung der Umfrage, die er diese Woche vornimmt.

Nach der Sanierung der Umkleide hat der Bäderleiter die vormals nach Männlein und Weiblein getrennten Sammelumkleiden als gemischte Sammelumkleiden ausgewiesen. Um es Papa, Mama und Kindern zu ermöglichen, gemeinsam in eine Kabine zu dürfen. „Ein Elternteil kann mit einem Kind aber auch die größte Einzelkabine benutzen, die wir nicht nur für behinderte Badegäste anbieten wollen.“

Seitz versteht die Aufregung nicht wegen fünf Minuten Umziehen

Dass beide Sammelumkleiden von beiden Geschlechtern genutzt werden können, „entspringt dem Servicegedanken. Wir wollten niemanden ärgern“, betont Seitz. Vor allem Frauen beschwerten sich, die gern viel Platz zum Umziehen haben und nebenbei noch miteinander reden wollen, dass nun auf einmal auch Männer ein- und ausgehen. „Die Meinungen sind noch immer gespalten“, sagt Seitz mit Blick auf Gespräche und Internetkommentare zum ersten Artikel auf zvw.de.

In den letzten 15 Jahren Zahl der Badegäste halbiert

Seitz’ Ziel ist jedoch, den vorhandenen Platz so vielen wie möglich zur Verfügung zu stellen. „Früher hatte das Bad 500 000 Gäste, da hat es mit zwölf Einzelkabinen und zwei Sammelumkleiden doch auch funktioniert.“ In den letzten zehn bis 15 Jahren sei die Zahl der Badegäste auf 250 000 im Jahr gesunken. „Ich vermute, dass es nur zu bestimmten Spitzenzeiten eng wird, da bitte ich einfach um Geduld.“

Badleiter verwundert über die Aufregung wegen der Unisex-Kabinen

Sinn der Sache sei nicht, dass sich Erwachsene neben fremden Kindern umziehen: Kommen Schulklassen oder Vereine, teilen die Lehrer die Kinder auf die beiden Kabinen auf. „Spezielle Schließzylinder sind bestellt, die Lehrer erhalten dann an der Kasse Schlüssel und so ist die Sammelumkleide in der Zeit für Erwachsene gesperrt“, erläutert Seitz.

Ein bisschen wundert ihn die Aufregung über „Unisex-Kabinen“ aber immer noch: „Es sind doch nur fünf Minuten, in denen man sich umzieht. Das ist wenig Zeit, wenn man ansonsten ein, zwei Stunden oder mehr hier verbringt.“ Wer sich beobachtet fühle, dem stehe jederzeit eine Einzelkabine zur Verfügung. Und für Gespräche biete sich das Bistro an. Doch erst nach der Auswertung wird Sascha Seitz in der Sammelumkleiden-Frage entscheiden.

Das Wunnebad soll zukunftsfähig werden

„Seit September haben wir zusätzliche Lampen eingebaut und für niedriger hängende Spiegel gesorgt. Es gibt Wickeltische in den Sammelumkleiden und einen in der Dusche. Demnächst werden in der großen Einzelkabine eine Bank und ein Haltegriff eingebaut. Und diese Woche kümmern wir uns darum, dass die Türen der Einzelumkleiden nicht mehr so schnell zuschlagen.“ Der Bäderleiter ist bereit, Details nachzubessern, richtet seinen Blick aber immer wieder auf das große Ganze und die nächste große Sanierung der Lüftungsanlage: „Wir wollen ein 26 Jahre altes Bad zukunftsfähig machen und wieder mehr Besucher anziehen.“ Das bedeute zum einen, dass der „Verbesserungsprozess nie zu Ende ist“, zum anderen, „dass man es nie allen recht machen kann“.

Fünf Mitarbeiter befragen die Badegäste

Mit der Umfrage in den vergangenen Wochen hat Sascha Seitz fünf Mitarbeiter betraut. „Sie gingen herum und redeten mit den Gästen, signalisierten ihnen unser Interesse an Verbesserungen.“ Von den Leuten wollte Seitz wissen, was ihnen am Wunnebad gefällt, wie sie das Personal bewerten, ob sie sich bestimmte Kurse und die Möglichkeit wünschen, im Internet Karten zu bestellen.

Neue Öffnungszeiten hat Sascha Seitz schon eingeführt und fragt auch gleich die Gäste, wie ihnen diese passen. „Wir können nun Innen- und Außenschwimmbecken montags bis freitags ab 7 Uhr mit dem gleichen Personalbestand öffnen, weil eine Maschine angeschafft wurde, die die Reinigungszeiten optimiert.“ Auch den Start der Sauna hat er von Montag bis Samstag mit 9.30 Uhr einheitlich gestaltet. Die nächsten „kleineren“ Projekte sind das bargeldlose Bezahlen in der Sauna per Armband-Chip, mit dem man irgendwann auch die Schränke auf- und zuschließen kann.


Grobe Kostenschätzung: 500 000 Euro

Das nächste große Sanierungs-Projekt für 2018 beschäftigt Sascha Seitz bereits: Im Technikraum wird die Lüftungsanlage für die Schwimmhalle komplett ausgetauscht.

„Jährlich steigen die Wartungskosten. Die Mitarbeiter können die Temperaturen nicht mehr ohne weiteres umstellen und es wird schwieriger, Ersatzteile zu besorgen.“ Bäderleiter Seitz schildert, dass die Lüftungsanlage 30 Prozent Frischluft in die Schwimmhalle pumpt und sie aufwärmt, so dass die Lufttemperatur zwei Grad mehr als die Temperatur des Wassers (28 Grad) beträgt. „Das empfinden die Badegäste dann als angenehm.“

Für die Sanierung muss das Wunnebad den Sommer und die Schließung des Hallenbads abwarten.

Das Investitionsvolumen wird grob bei 500 000 Euro liegen. Ein Förderantrag wurde in Berlin gestellt, wo Projektträger Jülich Zuschüsse des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit vergibt. Etwa 30 Prozent der Kosten für die neue Anlage werden durch die Förderung abgedeckt.