Winnenden

Urteil am Amtsgericht Waiblingen: Motorradfahrer erhält sechs Monate Fahrverbot

Motorrad überholt
Das aggressive Überholen und Ausbremsen eines Autofahrers bringt einen Motorradfahrer vors Amtsgericht. © Adobestock/Ewald Fröch

Erst im dritten Anlauf ist es dem Amtsgericht Waiblingen gelungen, zu einem Urteil im Fall einer massiven Nötigung im Straßenverkehr zu kommen. Angeklagt war ein 31-jähriger Mann, der sich auf der B 14 zwischen Waiblingen und Winnenden mit einem anderen Verkehrsteilnehmer ein Ausbrems- und Überholduell geliefert und diesen anschließend an einer Ampel in Winnenden blockiert und beschimpft hatte. Endlich war nun der 35-jährige Zeuge erschienen, auf dessen Aussage der Verteidiger des Angeklagten partout nicht verzichten wollte. Zunächst musste man ihn ausfindig machen, dann schwänzte er die zweite Verhandlung.

Der 35-Jährige sagte nun aus, der Angeklagte, der damals mit dem Motorrad unterwegs gewesen sei, und der geschädigte Autofahrer hätten sich auf der Bundesstraße gegenseitig provoziert, geschnitten, überholt und ausgebremst. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit, mit der beide unterwegs waren, hätten sie sich in große Gefahr gebracht.

Zeuge weiß nicht, wer mit den Provokationen angefangen hat

Wer allerdings mit diesem Duell angefangen habe, könne er nicht sagen. An der Ampel in Winnenden sei der Motorradfahrer dann auf ihn zugekommen. Er sei sehr aufgeregt gewesen und habe ihn gefragt, ob er das Geschehen auf der Bundesstraße beobachtet habe, und seine Kontaktdaten aufgeschrieben. An das, was dann an der Ampel geschehen sei, und an die Freundin des Motorradfahrers auf dem Beifahrersitz könne er sich allerdings nicht mehr erinnern. Mit dem Autofahrer habe er sich anschließend ebenfalls unterhalten und auch diesem seinen Namen, seine Telefonnummer und seine Adresse genannt.

Der Angeklagte ist kein Unschuldsengel im Straßenverkehr

Im Anschluss an die Zeugenaussage wies der Richter darauf hin, dass der Angeklagte schon einmal wegen Nötigung im Straßenverkehr verurteilt worden sei. Er habe auf der B 29 zwischen Winterbach und Schorndorf eine Autofahrerin, die seiner Ansicht nach die linke Spur nicht schnell genug für ihn frei machte, geschnitten, ausgebremst und zum Anhalten gezwungen. Dann habe er sein Fahrzeug verlassen, habe die Verkehrsteilnehmerin angeschrien, gegen die Windschutzscheibe geschlagen und gespuckt. Das Vorstrafenregister weise insgesamt sieben Einträge auf, unter anderem auch wiederholt Fahren ohne Fahrerlaubnis.

Verteidiger: Mandant braucht die Fahrerlaubnis für die Arbeit

Rechtsanwalt Kai-Jörg Brintzinger führte als Verteidiger an, dass sich die Lebensumstände des Angeklagten seit dem jüngsten Vorfall grundlegend geändert hätten. Er und seine Lebensgefährtin erwarteten im Herbst ein Kind. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass sich die Verkehrsteilnehmer auf der Bundesstraße gegenseitig provoziert hätten. Er habe seinem Mandanten empfohlen, bei einem Psychologen ein Seminar für auffällige Kraftfahrer im Straßenverkehr zu absolvieren.

Sein Mandant habe zudem die Nötigung an der Ampel eingeräumt, sein Anliegen sei, einen Führerscheinentzug zu vermeiden. Dies würde seinen Arbeitsplatz in Gefahr bringen und ihn zwingen, den Führerschein über eine medizinisch-psychologische Untersuchung neu zu erwerben, was Kosten zwischen 4.000 und 5.000 Euro mit sich bringen würde. Für schuld- und tatangemessen erachte er ein viermonatiges Fahrverbot ohne Entzug der Fahrerlaubnis. Dies ermögliche es dem Angeklagten, die führerscheinlosen Monate in die Elternzeit zu legen.

Der Angeklagte sei „noch gerade so“ an einem Führerscheinentzug vorbeigekommen, begründete Richter Johannes Weigel seine Entscheidung. Es handle sich um einen letzten „Schuss vor den Bug“ und eine Chance, seinen Job zu behalten. „Das nächste Mal wird der Führerschein entzogen“, gab der Richter mit auf den Weg, bevor sich der Angeklagte im Anschluss an die Verhandlung auf sein Motorrad schwang, das er vor dem Gerichtsgebäude abgestellt hatte.

Demnächst wird er eine längere Pause einlegen und zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Das Urteil lautet: Sechs Monate Fahrverbot und eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro sowie die Übernahme der Verfahrenskosten.

Erst im dritten Anlauf ist es dem Amtsgericht Waiblingen gelungen, zu einem Urteil im Fall einer massiven Nötigung im Straßenverkehr zu kommen. Angeklagt war ein 31-jähriger Mann, der sich auf der B 14 zwischen Waiblingen und Winnenden mit einem anderen Verkehrsteilnehmer ein Ausbrems- und Überholduell geliefert und diesen anschließend an einer Ampel in Winnenden blockiert und beschimpft hatte. Endlich war nun der 35-jährige Zeuge erschienen, auf dessen Aussage der Verteidiger des

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