Winnenden

Vater des Amokläufers verklagt Psychiatrie

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Mahnmal für den Amoklauf in Winnenden. © Ramona Adolf

Winnenden/Heilbronn. Vor sieben Jahren ermordete sein Sohn 15 Menschen. Danach stand der Vater von Tim K. selbst vor Gericht Nun klagt er an: Psychiater hätten die Gefährlichkeit seines Sohnes nicht erkannt.

Als der 17-Jährige ein halbes Jahr vor dem Amoklauf in der Weinsberger Psychiatrie begutachtet wurde, hätten die Ärzte erkennen müssen, was für eine Zeitbombe er dargestellt habe. So lautete die Sicht von Erik Silcher, Anwalt des Vaters. Dieser "Kunstfehler" sei demnach die Ursache für den Amoklauf gewesen.

Monika Baumhackel, Anwältin der Klinik, widerspricht. Der spätere Amokläufer habe zwar mehrere Termine in Weinsberg gehabt. Eine Therapie habe Tim K. aber nie angetreten. Dabei hätten die Experten den Eltern dazu geraten. Der genaue Inhalt der Treffen wird nun im Mittelpunkt der Verhandlung vor dem Landgericht Heilbronn stehen: Empfahlen sie dem Sohn mehr soziale Kontakte? Oder rieten sie dem Vater gar, seinen Sohn mit in den Schützenverein zu nehmen?

Weil sein Sohn die Tatwaffe aus dem Kleiderschrank des Vaters hatte, wurde Jörg K. später wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das Landgericht Stuttgart entschied zudem, dass der Sportschütze für die Behandlungskosten von Opfern und Hinterbliebenen aufzukommen habe. Das erste Urteil - ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung - wurde aufgrund eines Formfehlers später um drei Monate gesenkt. Die erneute Revision blieb dann aber erfolglos.