Winnenden

Verena Kurz vom Wollstüble Winnenden: „Ein Lächeln erkennt man trotz Maske“

Maskenrätsel Wollstüble
Verena Kurz vor ihrem Wollstüble an der Marktstraße. © ALEXANDRA PALMIZI

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? In Teil 7 unserer kleinen Serie war Verena Kurz, die Inhaberin von „Vrenis Wollstüble“ zu erraten. Bunt sieht es in ihrem Geschäft aus, wer sich darin umsieht, erlebt normalerweise schon allein aufgrund der vielen Farben, die sich in Form von dicken Wollknäueln in Regalen vom Boden bis zur Decke stapeln, einen Gute-Laune-Kick.

Seit Mitte Dezember aber sind die Kunden ausgesperrt. Nur noch das Liefern ist diesem Fachgeschäft erlaubt, das keinerlei Lebensmittel oder sonstige Waren, die für den „täglichen Bedarf“ definiert werden, handelt. „Dabei erlebe ich tatsächlich, dass in der Pandemie sehr viele selber stricken wollen“, erzählt Verena Kurz am Telefon. Das sorgte schon im Frühjahr und sogar im heißen Sommer für eine gesteigerte Woll-Nachfrage, und jetzt im Winter, der Jahreszeit schlechthin für Handarbeiten, geht es weiter. „Es entsteht dabei ja auch etwas Schönes, man hat ein Erfolgserlebnis, es ist Wellness für die Seele“, sagt die 50-Jährige und zitiert eine Kundin, die deshalb befand: „Ihr seid doch systemrelevant.“

Es gibt Wolle zum Häkeln und Stricken – und Masken-Stoff

An kurzen Tagen mit kaltem, nassem Wetter und langen Abenden, an denen man das Haus nicht verlassen darf, auf Fernseher, Computer, Musikinstrument oder Spiele angewiesen ist, spielen die Handarbeiten tatsächlich eine zentrale Rolle für die feinmotorisch-kreativen Herausforderungen des Lebens. „Unser Sortiment besteht aus ein bisschen Sockenwolle und Material von Schoppel aus Deutschland, stammt hauptsächlich aber von der bayerischen Firma Lanagrossa, die die Wolle aus Italien bezieht“, sagt Verena Kurz. „Sie bringt auch Hefte heraus mit Modellen und Vorgaben, an denen sich die Kunden orientieren können.“ Auch zum Häkeln gibt's natürlich Wolle und Nadeln, und seit die Leute selbst Masken nähen wollen, führt die Geschäftsfrau „auch ein bisschen Stoff und Nähfaden“. Zusammen mit ihrer Nichte nähte sie selbst einige, zum Verkaufen.

Ein Wunsch geht in Erfüllung: Abholen ab Montag erlaubt

Verena Kurz geht mit den Mund-Nasen-Bedeckungen unaufgeregt um. „Wenn viel los war im Laden, habe ich sie acht Stunden am Stück aufgehabt. Allenfalls im Lager konnte man sie mal abnehmen. Aber ich komme damit klar, ich habe sie lieber auf und schütze damit andere.“ Bisweilen hörte sie, dass die Leute andere nicht mehr erkennen wegen der Maske. „Da denke ich aber, nein: Wenn man den Menschen in die Augen guckt, erkennt man sogar ein Lächeln oder was für eine Laune sie haben.“

Ihr Mann und derzeit der Sohn als Fahrer beim Liefern helfen mit

„Wir sind ein Familienbetrieb“, sagt Verena Kurz: „Mein Mann macht die Bestellungen und die Buchführung, und derzeit fährt mein Sohn mich zum Ausliefern der bestellten Waren herum.“ Seit dem zweiten Lockdown war sie vormittags im Geschäft und nahm per Mail und Telefon die Bestellungen entgegen, konnte auch hier und da beraten. „Wir haben tolle, treue Kunden“, freut sich Verena Kurz. Eine ihrer Hoffnungen für 2021 ist schon in Erfüllung gegangen: „Dass wir ab 11. Januar wenigstens die Waren abholen lassen können. Das funktioniert bei mir recht gut: Ich lasse das Gitter vor der Eingangstür zu und mache die Tür auf. Die Kunden können sich die verschiedenen Farben anschauen, und auch das Kassieren ist einfacher.“ So war es schon einmal im Frühjahr, und jetzt wird es die Landesregierung wieder erlauben. „Die Leute können, falls sie warten müssen, draußen gut Abstand halten.“ Ihre andere Hoffnung für 2021 ist, dass „alle gesund bleiben“.

Als Betriebshelferin wollte sie irgendwann sesshaft werden ... 

Es ist übrigens eine ganz kuschelige Geschichte, wie Verena Kurz zu ihrem Laden kam. Zunächst machte die gebürtige Winnenderin nach der Schule eine Ausbildung zur ländlichen Hauswirtschafterin und arbeitete als Betriebshelferin. Das heißt, wenn zum Beispiel die Frau eines Landwirts ins Krankenhaus musste, sprang Verena Kurz ein und versorgte die Familie. „Da habe ich relativ oft den Einsatzort gewechselt, irgendwann wollte ich das nicht mehr.“ Zurück in Winnenden, lernte sie ihren Mann kennen, heiratete – und probierte über drei Wintermonate, ob sich Wolldecken verkaufen lassen. Gemacht aus Schafwolle von zwei Höfen, die ihre Familie bewirtschaftete. „Während Eis-Olivier in der Winterpause war, hatte ich sein Café gemietet. So fing vor 20 Jahren alles an.“ Die Leute wollten die Decken, aber sie wollten auch selbst etwas aus der schönen Schafwolle machen. „Meinen ersten Laden eröffnete ich an der Turmstraße, gegenüber von Mikado“, erzählt Verena Kurz. „Es machte immer mehr Spaß, und der Laden brauchte mehr Platz, ich zog ins Haus Layer am Marktplatz.“ Die nächste Vergrößerung war im April vor sechs Jahren: „Vrenis Wollstüble“ eröffnete im ehemaligen Schreibwarengeschäft Schunter an der Marktstraße 38.

Die sechs vorhergehenden Folgen zum Nachlesen: 

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? In Teil 7 unserer kleinen Serie war Verena Kurz, die Inhaberin von „Vrenis Wollstüble“ zu erraten. Bunt sieht es in ihrem Geschäft aus, wer sich darin umsieht, erlebt normalerweise schon allein aufgrund der vielen Farben, die sich in Form von dicken Wollknäueln in Regalen vom Boden bis zur Decke stapeln, einen Gute-Laune-Kick.

Seit Mitte Dezember aber sind die Kunden ausgesperrt. Nur noch das Liefern ist

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