Winnenden

Vermisster Mann aus Weinstadt in Winnenden gefunden – dank dreier Hunde

Hunde
Annette Menschel (links) mit Hündin Keira und ihre Bekannte Andrea Wünsch mit Dale und Frida. © Alexandra Palmizi

Die Ehre gebührt den Hunden. „Hätten sie nicht so komisch reagiert, und hätte der Hund des Mannes nicht so komisch gebellt, wir wären nicht auf ihn aufmerksam geworden.“ Annette Menschel ist noch am Mittag ganz aufgewühlt von der Rettung bei ihrem  Morgenspaziergang. Sie und ihre Bekannte haben beim Gassigehen den vermissten 72-Jährigen aus Weinstadt gefunden.

Die kauernde Gestalt an der Uferböschung fiel Fußgängern nicht auf

Am Vortag war der Mann um 10 Uhr zu Hause aufgebrochen, um mit seinem Hund spazieren zu gehen. Als er nicht zurückkehrte, fing irgendwann die Polizei an zu suchen, mit Hubschrauber und auch mit Spürhunden. „In der Nacht gegen 2 Uhr flog wohl auch über Winnenden der Hubschrauber“, hat Annette Menschel erfahren, sie selbst hat ihn aber gar nicht gehört. Am nächsten Tag las sie in der Zeitung von der Vermisstensuche. Doch wer denkt schon an Winnenden, wenn jemand in Weinstadt losgelaufen ist?

Annette Menschel zog Schuhe und Jacke an und ging mit ihrer drei Jahre alten Ridgeback-Hündin Keira los. Ihre Bekannte überredete sie noch schnell, mitzukommen, und so zogen die beiden Frauen mit drei Hunden, Keira, Labrador Dale, neun Jahre alt, und der sechs Monate alten portugiesischen Wasserhündin Frida, los vom Schelmenholz über die Wiesen rüber Richtung Hanweiler. Die Bekannte schlug vor, über die Brücke ins Zipfelbachtal zu laufen, zum Aussiedlerhof. „Uns waren schon ein paar Fußgänger begegnet. Niemand hatte offenbar den Mann bemerkt.“ Auch die beiden Frauen waren ja nicht auf der Suche nach etwas oder jemandem, ihnen wäre die auf dem Boden kauernde Gestalt in ihrer olivgrünen Jacke und mit ihrer schwarzen Schildmütze überhaupt nicht aufgefallen. Perfekte Tarnung, leider.

Die Hunde bellten, die Frauen riefen dem Mann etwas zu, er rührte sich nicht

Doch die drei Hunde blieben wie elektrisiert stehen. „Sie guckten alle in eine Richtung, sie nahmen Witterung auf und sie bellten“, schildert Annette Menschel deren auffälliges, ungewöhnliches Verhalten. „Und dann bellte vom Ufer her ein anderer Hund so komisch.“ Dieser andere Hund blieb aber, wo er war. Er lief nicht umher und schon gar nicht auf die drei Hunde zu. Auch das: sehr seltsam.

Jetzt erst sahen die Frauen den Mann, er saß im Gras an der Zipfelbachböschung und rührte sich nicht. „Wir riefen ihm zu: Geht es Ihnen gut?“ Als er nicht antwortete, stiefelten sie über die Wiese zu ihm hin. „Er konnte sich nicht rühren und kaum sprechen, er wusste in dem Moment auch nicht, wie er heißt, und ich dachte, das ist doch das Gesicht aus der Zeitung.“

Annette Menschel rief mit ihrem Handy sofort beim Polizeirevier Winnenden an. Das war ganz genau um 8.23 Uhr. Sie bat auch darum, einen Krankenwagen zu schicken und jemanden, der dem Hund hilft. „Die beiden waren ja nach der eisigen Nacht und dem langen Marsch von Weinstadt her total durchgefroren und dehydriert.“

Annette Menschel selbst war jetzt aufgeregt und blaffte die Polizistin am Telefon an, warum sie denn nicht wisse, wo der Aussiedlerhof im Zipfelbachtal sei. „Ich habe mich dann später bei ihr entschuldigt. Tja, da wäre ich früher irgendwie cooler geblieben.“ Es war ja aber auch nicht so einfach. Da gibt’s ja keine richtige Adresse, die man angeben kann. Und dann noch die Situation an sich. Einen Tag und eine Nacht war der Mann vermisst. „Gott sei Dank war der Herr am Leben“, sagt Annette Menschel.

Der Hund fasste durch die Leckerli und die anderen Tiere Vertrauen

Der Hund des Weinstädters, ein Jagdhundmischling, wollte die beiden Frauen erst gar nicht an sein Herrchen ranlassen. „Er hat ihn wahrscheinlich die Nacht über gewärmt und wich jetzt nicht von seiner Seite. Wir haben ihm dann alle Leckerli gegeben, die wir dabeihatten. Das tat ihm gut.“ Auch die Gesellschaft der drei anderen Hunde: „Sie spielten ein bisschen miteinander, und dann konnten wir dem Herrn aufhelfen und ihn beim Gehen stützen.“ Es kam wieder ein bisschen Schwung in seinen Kreislauf. An der Brücke wusste er wieder, wie er heißt, und im größeren der beiden Polizeiautos, die ins Zipfelbachtal gekommen waren, konnten er und sein Hund sich aufwärmen. Ein Krankenwagen brachte ihn ins Krankenhaus und die Polizei fuhr den Hund nach Hause zur Frau des Vermissten.

Hundehalterin hört und liest in letzter Zeit viel Negatives über die Tiere

„Es ist ein tolles Gefühl, dass wir ihn gefunden haben und dass er es überleben wird“, sagt sie am Telefon. Für sich und ihre Hündin Keira hatte sie schon öfter und früher überlegt, ob sie nicht zusammen Mantrailing trainieren sollten, also das Aufspüren von Menschen, das, was Spürhunde der Polizei oder auch im Katastrophenschutz tun, zum Beispiel nach Erdbeben in verschütteten Gebäuden. Keira, aber auch Dale und Frida hätten durchaus Potenzial, möchte der Laie von der Zeitung behaupten. „Es freut mich jedenfalls sehr, dass unsere Hunde zur Rettung beigetragen haben, wo man doch in letzter Zeit viel Negatives über Hunde hören und lesen muss“, sagt Annette Menschel.

Die Ehre gebührt den Hunden. „Hätten sie nicht so komisch reagiert, und hätte der Hund des Mannes nicht so komisch gebellt, wir wären nicht auf ihn aufmerksam geworden.“ Annette Menschel ist noch am Mittag ganz aufgewühlt von der Rettung bei ihrem  Morgenspaziergang. Sie und ihre Bekannte haben beim Gassigehen den vermissten 72-Jährigen aus Weinstadt gefunden.

Die kauernde Gestalt an der Uferböschung fiel Fußgängern nicht auf

Am Vortag war der Mann um 10 Uhr zu

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