Winnenden

Versöhnung vor Gerichtstermin

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen. Vor einem Dönerimbiss in Winnenden kam es im September 2017 zu einem lautstarken Streit, der zu einer Schlägerei führte. Die beiden Beschuldigten mussten sich nun vergangenen Mittwoch vor dem Amtsgericht in Waiblingen erklären.

Eigentlich wollte er an jenem Tag im September nur etwas mit Kumpels unternehmen, erklärt der 28 Jahre alte Angeklagte. Plötzlich fährt ein Fahrradfahrer in der Kornbeckstraße gegen 18.45 Uhr dicht an ihm vorbei. Er fühlt sich provoziert und entgegnet ihm: „Was soll das? Warum fährst du so dicht an mir vorbei?“ Die Antwort des Radfahrers („Was juckt dich das?“) trägt nicht zu einer Beruhigung der Situation bei.

Ungläubiges Staunen der Richterin

Aus einem kleinen Streit wird plötzlich eine hitzige Angelegenheit. Beide Beteiligten packen sich gegenseitig am Kragen. Die Fäuste fliegen. Wer zuerst zugeschlagen hat, kann der Angeklagte nicht mehr sagen. Sein 53-jähriger Vater kommt aus seinem Haus gestürmt und versucht, die beiden zu trennen. Auch er steht nun als Angeklagter vor Gericht. Die Mutter eilt ebenfalls herbei. Es entwickelt sich eine unübersichtliche Situation, in deren Folge das Opfer mehrere Prellungen im Kopf- und Gesichtsbereich zu beklagen hat.

Richterin Dotzauer bittet den ersten Zeugen in den Gerichtssaal. Es handelt sich dabei um den verletzten Fahrradfahrer. „Ich möchte meine Anzeige zurückziehen“, sagt dieser mit leiser Stimme. Ungläubiges Staunen der Richterin. Sie fragt den Zeugen, ob er bedroht wurde. Er schüttelt den Kopf.

Brille und Handy beschädigt

Der angeklagte Vater erhebt trotz Warnung seines Verteidigers das Wort: „Vor ein paar Wochen ist er bei uns vorbeigekommen und hat sich entschuldigt. Wir haben uns die Hand gegeben und uns umarmt.“ Eine Versöhnung vor dem eigentlichen Gerichtstermin also. Die Richterin überlegt kurz und erklärt dann, dass sie dieser Lösung, unter einer Bedingung, nicht im Wege stehen möchte. Der angeklagte Sohn soll dem Fahrradfahrer die Brille und das beschädigte Handy ersetzen. Der entstandene Schaden beläuft sich auf 200 Euro. Das Verfahren gegen den Vater wird eingestellt. Die Staatsanwaltschaft ist einverstanden.

Im Gegensatz zum Vater ist für den Sohn der Gerichtstermin damit allerdings noch nicht überstanden. Er muss sich für ein weiteres Delikt vor der Richterin erklären. Im Mai 2018 soll er Polizeioberkommissar Wiesenborn bei einer Kontrolle beleidigt haben. „Immer wenn mich der Oberkommissar sieht, führt er eine Personenkontrolle durch. Ich bin dann ausgerastet, habe ihn aber nicht beleidigt“, erklärt er vehement.

Beamtenbeleidigung wird teuer

Richterin Christel Dotzauer bittet besagten Oberkommissar in den Saal. Dieser hält am Tatbestand der Beleidigung fest und bestreitet willkürliche Personenkontrollen: „Wir kontrollieren niemanden einfach so. Kontrollen werden nur durchgeführt, wenn wir etwas Verdächtiges feststellen. Und dies war in diesem Fall absolut gegeben.“

Für die Richterin und die Staatsanwaltschaft ist es in diesem Fall klar, dass es an der Aussage des Beamten keine Zweifel gibt. Der Angeklagte bekommt eine weitere Geldstrafe aufgebrummt. 25 Tagessätze à 30 Euro muss er für die Beamtenbeleidigung bezahlen. Außerdem rät die Richterin, in ähnlichen Situationen ruhiger zu reagieren. Falls er dies alleine nicht schaffen sollte, empfiehlt sie ihm, nach professioneller Hilfe Ausschau zu halten. Ein weiteres Mal jedenfalls sollte sich der 28-Jährige nicht auf eine außergerichtliche Versöhnung verlassen.