Winnenden

Vom Winnender Bankräuber fehlt weiter jede Spur

1/2
Banküberfall Winnenden_0
Die Volksbank in der Winnender Marktstraße ist am 30. Januar 2018 überfallen worden. © Sarah Utz
2/2
Voba-nach-Bankraub
Dieses Schild in der Regionaldirektion der Volksbank in Winnenden soll potenzielle Kriminelle abschrecken. © ALEXANDRA PALMIZI

Winnenden. Womöglich hat der Unbekannte kürzlich in Schwäbisch Hall erneut eine Bank beraubt. Die Fahndungsbilder gleichen sich, und das könnte einen bemerkenswerten Grund haben: Der Täter trug eventuell in Winnenden und in Hall eine Silikonmaske. Unterdessen hat die Volksbank ihre Filiale in der Winnender Marktstraße umgebaut.

„Die Ermittler gehen davon aus, dass bei den Taten ein Tatzusammenhang bestehen könnte beziehungsweise dass die Täter eine identische Maske trugen. Es könnte sich um eine Silikonmaske gehandelt haben“, bestätigt Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier – und weiter: „Es gibt keine neuen Hinweise zu den Banküberfällen.“

Rückblick: Am 30. Januar 2018 gegen 8.40 Uhr betritt ein eher kleiner, schlanker, dunkel gekleideter Mann mit Brille die Volksbankfiliale in der Marktstraße in Winnenden. Er bedroht eine Angestellte mit einer Pistole, steckt seine Beute ein und entkommt. Das Fahndungsfoto zeigt eine Person mit dunkel umrandeter Brille, Kapuze und Oberlippenbart.

Knapp ein Jahr später, am 15. Januar 2019, zielt kurz vor 12 Uhr ein eher kleiner, schlanker, dunkel gekleideter Mann mit dunkel umrandeter Brille und Kapuze in einer Sparkassenfiliale im Teurershof in Schwäbisch Hall auf eine Angestellte. Der Täter entkommt zu Fuß. Diesmal hat er laut Polizei einen „niedrigen fünfstelligen Betrag“ erbeutet. „Über dem Kopf hatte der Räuber eine menschliche, realistische Silikonmaske mit aufgemaltem Oberlippenbart und Augenbrauen“, hieß es seinerzeit in der Pressemeldung.

Vielleicht war’s derselbe Täter; vielleicht waren es zwei verschiedene Personen, die eine ähnliche Maske trugen. Beide Male war ein ausgefuchster Profi am Werk, sonst hätte die Polizei den oder die Täter vermutlich bereits am Wickel.

Zwei nicht aufgeklärte Banküberfälle seit 2008

Von elf Banküberfällen, die seit dem Jahr 2008 im Rems-Murr-Kreis verübt wurden, sind zwei nicht aufgeklärt: der Winnender Überfall und ein weiterer aus dem Jahr 2012. Damals hatte ein Unbekannter in Winterbach versucht, eine Volksbankfiliale zu berauben. Er scheiterte.

Harald Auwärter arbeitet seit 41 Jahren für die heutige Volksbank Stuttgart. Geschichten kann er erzählen – Geschichten! Es sind auch viele traurige darunter, und der Regionaldirektor deutet sie nur an: Wer einmal als Bankangestellte(r) einen Bankraub miterlebt hat, kann aus der Bahn geraten, auch noch nach Jahren.

Auwärter kam im Jahr 2011 zur Volksbank nach Winnenden, davor war er in Schorndorf tätig. Drei Überfälle innerhalb von sieben Jahren auf ein- und dieselbe Filiale: eine beängstigende Bilanz.

Bei einem dieser Überfälle blieb es beim Versuch, berichtet Harald Auwärter. Ein weiterer Raub in genau dieser Winnender Filiale, man schrieb den 12. Dezember 2016, kostete den jungen Täter Monate später indirekt das Leben: Der Mann wurde geschnappt und zu zwei Jahren Haft verurteilt. Als Polizisten ihn Anfang November 2017 abholen wollten, versuchte der damals 20-Jährige über den Balkon zu entkommen. Er stürzte aus dem siebten Stock in den Tod.

Die Volksbank-Filiale wurde seitem umgebaut

Die Volksbank hat ihre Filiale in Winnenden nach den Überfällen komplett umgebaut. Betritt ein Kunde den Schalterraum, wird ihm die Kasse nicht gleich ins Auge stechen. Sie befindet sich jetzt versteckt am linken Rand des Raumes, und sie ist nun mit einem Diskretionsraum ausgestattet, wie Volksbank-Sprecher Matthias Layher erklärt. Durchschusshemmende Vollverglasung schützt die Angestellten in der Kasse. „Jetzt dürfte eigentlich nichts mehr sein“, hofft Harald Auwärter mit Blick auf die Investitionen in mehr Sicherheit.

Zwei bis drei Filialen renoviert die Volksbank jedes Jahr, berichtet Matthias Layher. Kleine Filialen arbeiten mittlerweile komplett bargeldlos; der gesamte Bargeldtransfer läuft über die Geldautomaten.

In den großen Regionaldirektionen geht das natürlich nicht. Vermutlich wusste der Täter das, weshalb sonst sollte er sich in einen so großen Schalterraum gewagt haben. Harald Auwärter erinnert sich noch gut an diesen denkwürdigen 30. Januar vor einem Jahr: „Sie glauben nicht, was da in einem vorgeht.“


Mehr Fakten

Landesweit registriert die Polizei seit Jahren einen Rückgang der Zahl der Banküberfälle.

Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass die Angestellten an den Kassen meist keinen Zugriff auf größere Bargeldbestände haben. Die Scheine verschwinden in einem Kassentresor, und wer – völlig legal – einen größeren Bargeldbetrag abheben möchte, muss ein Weilchen warten, bis der Automat die Scheine ausspuckt. Bankräuber haben’s aber immer eilig.

Eine besonders kuriose Bankraub-Serie ereignete sich in Schorndorf-Weiler zwischen Ende 2012 und Anfang 2013: Ein damals 27-Jähriger überfiel dreimal hintereinander genau dieselbe Filiale der Kreissparkasse. Danach trank er Kaffee bei seiner Oma. Natürlich wurde der drogenabhängige Mann geschnappt. Das Urteil lautete auf fünfeinhalb Jahre Haft.