Winnenden

Vor dem harten Lockdown: Schon am Samstag viel los in Geschäften und auf dem Markt

Markttag02
Szene vom Winnender Wochenmarkt am Samstag. © Ralph Steinemann Pressefoto

Am Samstag herrschte ein richtig schwäbisches Sauwetter, immer wieder fiel ungemütlicher Regen und machte die Kälte noch unangenehmer. Für diese Verhältnisse indes waren der Wochenmarkt und die Einzelhandelsgeschäfte ungewöhnlich gut besucht. Indiz dafür, dass die Leute ahnten, dass am Sonntag ein harter Lockdown ab Mittwoch beschlossen würde? Noch schnell die Weihnachtsgeschenke kaufen in den Geschäften, die keine „Waren des täglichen Bedarfs“ handeln, Spielzeug zum Beispiel und ein schönes Herrenhemd? Vielleicht rechneten einige auch deshalb damit, weil von Samstag an der Alkoholausschank verboten und eine Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr verhängt worden waren. Grund: Das Coronavirus breitet sich exponentiell und unkontrollierbar aus.

Letzter Glühweinabend mit umso mehr Winnendern

„Durch diese Entscheidung des Landes hatte ich am Freitagabend das Gefühl, ganz Winnenden ist hier“, berichtet Gastronom Vito Carucci, der unterhalb vom Marktplatz an der Mühltorstraße das „Yo!“ übernommen hat. Den letzten Abend, an dem man bei ihm, beim „La Piazza“ und bei „Amis.“ noch Glühwein zum Mitnehmen bekommen konnte, nutzen viele aus, um in der Fußgängerzone zu sein und andere zu treffen. Diese Treffs waren von Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth scharf kritisiert worden.

Vito Carucci hat die Szenen an den acht Abenden davor anders wahrgenommen, „es war nie mehr los als unter Marktbedingungen, Leute unterhalten sich angeregt, aber mit Abstand.“ Was er auch gesehen hat, waren regelmäßig Kräfte von Polizei und Ordnungsamt, die die Einhaltung der Regeln kontrollierten. „Wir haben unsere Getränke immer mit dem Text verkauft: ,Lauft umher, bildet keine Grüppchen und keinen Ersatz-Weihnachtsmarkt.'“ Die Rückmeldung sei meist Bestätigung gewesen, man woll ein bisschen mit seinem Crêpes umherschlendern und sich das, was man zugestanden bekomme, nicht verderben. Und nun? Beim „Yo!“ geht der Abholservice für Essen und alkoholfreie Getränke bis 20 Uhr weiter. Den Lieferservice, auch mit Alkohol, darf Carucci auch nach 20 Uhr anbieten. Das plötzliche Verbot findet Carucci „schade. Ich erlebe die Menschen verunsichert. Jeder zweite hat Klopapier unterm Arm statt einem vorfreudigen Lächeln im Gesicht.“

Für die Musik, die am Freitag vor einer Bar lief, hatten manche Passanten indes kein Verständnis. Ihrer Einschätzung nach erzeugte die Musik Geselligkeit, signalisierte gerade das Ungewollte, dass man zusammen stehenbleibt, um seinen Becher vor Ort auszutrinken und einen zweiten zu ordern.

Es gab keinen Glühwein mehr, aber hier und da noch Grüppchen

Am Samstag dann war aber nach Beobachtungen unserer Zeitung wirklich Schluss mit dem Alkoholausschank. So bliebt beispielsweise das Glühweinfenster vom „La Piazza“ geschlossen. Dennoch waren vor einem Lokal in einem Seitengässchen und bei den Bänken am Viehmarktplatz fröhlich plappernde Grüppchen, Leute ohne Maske, aber mit Bechern in der Hand, zu beobachten, die vielleicht Kaffee oder Punsch enthielten, deren Ausschank ja noch erlaubt ist. Weiteren Innenstadtbesuchern fiel dazu im deutlichen Kontrast auf, dass etwa jeder fünfte Passant, mehr als früher, eine FFP2-Maske trug, die mit dem höheren Standard, die auch den Träger schützt. Ein Zeichen dafür, dass auch die Angst vor Ansteckung gestiegen ist, vor allem im Einkaufstrubel, wo einem von einer Sekunde auf die andere jemand bewusst oder oftmals unbewusst zu nahe kommt. Einige Apotheken hängten schon Schilder auf, ab wann für Menschen ab 60 Jahren die kostenlosen Masken erhältlich sein würden, teilweise schon ab Dienstag, 15.12.

In einem Winnender Drogeriemarkt waren diese FFP2-Masken am Samstagmittag verkauft, ein Kunde hat das vorletzte Päckchen ergattert und dabei festgestellt, dass der Laden voll und die Schlangen so lang waren, dass die Kunden die vorgeschriebenen Warteabstände nicht mehr einhielten.

Vergleichsweise gesittet kaufte man beim Supermarkt am Adlerplatz ein, wo ein Körbestapel zum Kundenzählen dient und die Abstände beim Warten eingehalten werden.

Herrenausstatter Andy Kalb kann in seinem Pop-up-Laden an der Kirchstraße nur vier Kunden auf einmal bedienen. Er hatte am Samstag zahlreiche sowie verständnisvolle Kunden, die noch eine Ehrenrunde in der Stadt drehten, wenn das Geschäft gerade voll war.

Positiv beurteilt wurde auch die Postagentur an der Marktstraße, drei Schalter waren geöffnet, so dass die Warteschlange kurz blieb.

Am Samstag herrschte ein richtig schwäbisches Sauwetter, immer wieder fiel ungemütlicher Regen und machte die Kälte noch unangenehmer. Für diese Verhältnisse indes waren der Wochenmarkt und die Einzelhandelsgeschäfte ungewöhnlich gut besucht. Indiz dafür, dass die Leute ahnten, dass am Sonntag ein harter Lockdown ab Mittwoch beschlossen würde? Noch schnell die Weihnachtsgeschenke kaufen in den Geschäften, die keine „Waren des täglichen Bedarfs“ handeln, Spielzeug zum Beispiel und ein schönes

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