Winnenden

Wahlsieg mit nicht mal 5000 Stimmen

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Eva und Hartmut Holzwarth, als die ersten Besucher zur Wiederwahl gratulierten. © Büttner/ZVW
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Wählerin bei der Stimmabgabe im Wahllokal in der Ganztagsschule: Auch um 15 Uhr, nach dem Kaffeetrinken, kamen Wählerinnen und Wähler nur vereinzelt. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Redakteur Martin Schmitzer kommentiert das Ergebnis der OB-Wahl in Winnenden.

Winnenden. Hartmut Holzwarth ist für weitere acht Jahre zum Oberbürgermeister gewählt. Als Bürgermeister Norbert Sailer dies am Sonntagabend um 19.50 Uhr verkündete, gratulierten viele Anwesende im Sitzungssaal des Rathauses. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt acht von 34 Wahlbezirken noch nicht ausgezählt. Die Kreativität einiger Winnender verzögerte das Auszählen. ZVW.de berichtete live vom Wahlabend.

Um 19.50 Uhr reichte Holzwarths Stimmenzahl für über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen, so dass Wahllausschussvorsitzender Sailer sicher war, dass ein zweiter Wahlgang nicht mehr nötig sein wird. Rund 50 im Ratssaal anwesende Interessierte klatschten Beifall und gratulierten dem wieder gewählten Oberbürgermeister. Aber alle fragten sich: Wie hoch wird die Wahlbeteiligung ausfallen?

An der OB-Wahl in Waiblingen hatten sich 18 Prozent beteiligt

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth hatte sich noch mal erkundigt, wie vergleichbare Wahlen verlaufen sind: „Die Wahlbeteiligungen lagen zwischen 16 und 29 Prozent“ erzählte er in seiner kurzen Ansprache zum Wahlergebnis. Waiblingen im Jahr 2013 war ein vergleichbarer Fall: Wiederwahl und nur ein Kandidat, nämlich Andreas Hesky. Die Wahlbeteiligung lag dort bei 18 Prozent.

Holzwarth danke allen Wählerinnen und Wählern, die jenen, die nicht zur Wahl gegangen sind, „den Dienst an der Demokratie abgenommen haben.“ Und er dankte allen, die einen anderen Namen eingetragen haben in den Stimmzettel, dafür, dass sie zur Wahl gingen. Auch den Nichtwählern, deren Motive er nicht kennt, versprach er, für sie da zu sein als Oberbürgermeister.

Nur 25,82 Prozent Wahlbeteiligung

Danach, als Holzwarth und weitere Interessierte schon ins Alte Rathaus zum Feiern gegangen waren, wurde die Wahlbeteiligung bekannt: 25,82 Prozent. Besser als in der Nachbarstadt. Aber so ganz zufrieden war am Sonntagabend niemand damit. Schließlich stimmten weniger als 5000 Wähler für Holzwarth. „Die Zeiten haben sich gewaltig geändert“, meinte der frühere Oberbürgermeister Karl-Heinrich Lebherz am Rande des Wahlabends. Neue Medien beeinflussten das Wählerverhalten, vermutet er, und die Leute seien eben kritischer geworden. „Zu unserer Zeit war es leichter“, sagt er. „Von der Wahlbeteiligung bin ich enttäuscht“, sagte SPD-Stadträtin Renate Sanzenbacher, „Herr Holzwarth hätte mehr Wahlbeteiligung verdient, weil er einen engagierten Wahlkampf geführt hat. Auch die 16- und 17-Jährigen hätten die Wahlbeteiligung steigern können. Sie dürfen ja auch wählen.“

Wahlbeteiligung hin oder her, FWV-Stadtrat Hans Ilg schaut auf das Ergebnis und sagt: „Ich bin zufrieden, weil dieser Oberbürgermeister weitermachen kann. Er und ich, wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber er ist einer, mit dem man schaffen kann.“

Mehr Stimmen für Wulf Hanke, Norbert Sailer und Nicole Steiger

Das Auszählen am Wahlabend dauerte deswegen so lange, weil die Winnender Wähler in ihrer Kreativität 176 verschiedene Namen in die Wahlzettel eintrugen. Einige der handschriftlich eingetragenen Namen kamen mehrfach vor, zum Beispiel Wulf Hanke (der sich für die Stücklesbesitzer stark gemacht hatte), Bürgermeister Norbert Sailer und auch die FDP-Stadträtin Nicole Steiger.


Zufrieden kann niemand sein mit der Wahlbeteiligung an dieser Oberbürgermeisterwahl. Aber immerhin: Sie liegt nicht am unteren Rand aller Wahlergebnisse im Land. Wenigstens ein Viertel der Wähler ging noch zur Wahl. Dass es nicht mehr wurden, liegt sicher nicht an Hartmut Holzwarth.

Der alte und neue Oberbürgermeister hat gekämpft in den Wochen vor der Wahl – nicht gegen einen anderen Kandidaten, sondern für die Demokratie, für eine höhere Wahlbeteiligung und für mehr Rückhalt für seine Arbeit. Seine Anstrengungen haben ihm wenigstens knapp 5000 Stimmen eingebracht. Das ist ein habhaftes Ergebnis.

Ihm fehlte eben ein Gegenkandidat, der die Wahl spannend gemacht hätte. Warum trat niemand gegen Holzwarth an? Man darf vermuten, dass sich niemand von den Fähigen eine Chance ausgerechnet hätte gegen diesen Amtsinhaber. Insofern hat Holzwarth unwillentlich selbst dazu beigetragen, dass die Spannung gering blieb.

Hochs und Tiefs

Die höchste Zustimmung hat Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth in Hanweiler erhalten. 98,4 Prozent der 119 abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn, nur 1,6 Prozent auf Sonstige.

Die niedrigste Zustimmung musste Holzwarth aus einem der drei Wahllokale in der Buchenbachhalle in Birkmannsweiler erfahren: 79,3 Prozent der 149 abgegebenen Stimmen kann er für sich verbuchen. 20,7 Prozent der Wähler entschieden sich für andere Bewerber, die sie handschriftlich eingetragen haben.

Ein Viertel der Wahlberechtigten ist am Sonntag zur Abstimmung gegangen. Von diesen 5679 Bürgern haben 1042 ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. 215 abgegebene Stimmen waren ungültig.

Jedes Wahllokal erwartete um die 700 Wähler. Am wenigsten kamen ins Rathaus (79), am meisten in die Grundschule Hertmannsweiler (219).