Winnenden

Wahlwerbung und Wahlbeteiligungsprognose

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Hartmut Holzwarth (48) wirbt für sich auf dem Wochenmarkt: „Die Wahl hat es verdient, ich will mich um die Bürger bemühen.“ © Gabriel Habermann

Winnenden. Der Sturmwind reißt die blauen Luftballons unter Holzwarths Marktschirm hervor und jagt seinen Namen hoch in den Himmel. Würde am Sonntag bei der OB-Wahl die Wahlbeteiligung derart steigen, es würde Furore im ganzen Land machen. Weil der Trend bei Bürgermeisterwahlen seit Jahren nach unten weist, sogar bei spannenden Kandidatenkonstellationen.

Hartmut Holzwarth ist kein Träumer, sondern Realist. Er hat genau beobachtet, was sich im Land so tut. „In Bretten hatten sie drei Bewerber und es ging denkbar knapp her – nur 50 Prozent Wahlbeteiligung.“ In etwa so viele, 49,2 Prozent, gingen vor acht Jahren in Winnenden zur Abstimmung, als Holzwarth erstmals antrat, gegen Bürgermeister Norbert Sailer und Thilo Kruger. „Die Stadt Wangen hatte ihre OB-Wahl zusammen mit der Bundestagswahl und mehr als 70,8 Prozent.“ Holzwarth ist gut informiert übers Internet. „Der einzige Kandidat in Öhringen hat überhaupt keinen Wahlkampf gemacht. 19 Prozent Wahlbeteiligung“, so der aus Holzwarths Sicht erwartbar niedrige Wert.

Holzwarths Erwartung für Sonntag: Ein Drittel geht zur Wahl

„Als ich in Creglingen 2006 auch keinen Gegenkandidaten hatte, kam ich auf 44 Prozent Wahlbeteiligung. Aber das werde ich hier nicht erreichen.“ Er hofft auf 33 Prozent, ein Drittel. „Ich werde die Wahl annehmen, auch wenn die Beteiligung viel niedriger liegt“, sagt er, als er von der Woche Bedenkzeit erfährt, die sich der Berglener Bürgermeister Wolfgang Schille bei seiner letzten Wahl und einer für ihn enttäuschenden Wahlbeteiligung erbeten hatte. Auch wenn es keinen Gegenkandidaten gibt, Holzwarth hat trotzdem Anfang des Jahres große und kleine Wahlplakate zuhauf in der Stadt aufgehängt. Er hat einen Wahlprospekt drucken lassen und ihn bei sieben Frischluftterminen und acht Bürgergesprächen in allen Ortsteilen und dem Schelmenholz verteilt. Er hat eine Internetseite gestaltet und kommt auch über Facebook und Instagram mit den Bürgern in Kontakt.

Der einzige Kandidat hat viel Zeit und rund 14 000 Euro investiert

„Die Wahl verdient es, dass der Kandidat sich ordentlich verhält, er muss sich um die Bürger bemühen “, sagt der 48-Jährige. Das hat er sich viel Zeit kosten lassen – und rund 14 000 Euro. „Man sagt, 50 Cent pro Einwohner ist noch ein günstiger Wahlkampf, und da liege ich etwa.“ Er wollte alles so machen, als wäre ein Mitbewerber da. Vor allem die Gespräche waren ihm wichtig. „Ich möchte hören, was die Bürger in den nächsten Jahren von mir erwarten. Dazu ist doch eine Wahl da: dass man seine Vorstellungen austauscht.“

Verkehrsfluss an der Ampelkreuzung muss verbessert werden

Am Donnerstagabend hat er seinen letzten Termin im Schelmenholz, rechnet mit 50 Gästen. In Bürg und Hanweiler kamen „25 bis 30“, in Höfen 30, in Birkmannsweiler 40, in Breuningsweiler 45 und in Hertmannsweiler mehr als 50. „Bei der Veranstaltung mit dem Jugendgemeinderat waren es etwa 30.“ Zur Sprache gekommen ist häufig „Kleinteiliges, was aber für die Betroffenen sehr wichtig ist“. Ganz oft hat er bestätigt bekommen, dass der Verkehrsfluss an der Ampelkreuzung Südumgehung/Lange Weiden verbessert werden muss, und konnte versprechen, dass die Untersuchung dazu läuft. „Zum Radeln in der Fußgängerzone habe ich alle Meinungen gehört, zum Gartenhausthema kam so gut wie gar nichts.“ Insgesamt habe in den direkten Begegnungen das Lob für seine Arbeit überwogen. „Die Gespräche wirken auf jeden Fall wie eine Frischzellenkur für meine Wahrnehmung – was beschäftigt die Bürger, was nicht, welche Themen müssen noch mal erklärt werden.“

Am Sonntag, 21. Januar, ist Oberbürgermeisterwahl in Winnenden.

Der Vorsitzende des Wahlausschusses ist Norbert Sailer.

21 995 Wahlberechtigte dürfen in 30 Wahllokalen ihre Stimme abgeben, wer nicht persönlich kommen kann, konnte Briefwahl beantragen. Das sind bei über 28 000 Einwohnern so viele, weil auch 16- und 17-Jährige sowie EU-Bürger mitabstimmen.

Die Wahlbeteiligung bei Winnender OB-Wahlen lag 1986 bei 54 Prozent, 1994 bei 58 Prozent, 2002 bei 43,3 Prozent und 2010 bei 49,2 Prozent.