Winnenden

Wann ist das Internet der Winnender Schulen endlich schnell?

Digitalschule
Die Digitalisierung der Schulen ist ein jahrelanger Prozess. © Gaby Schneider

Wann endlich sind die Schulen digital so gut ausgerüstet, dass der Unterricht, egal ob in der Schule oder im Heimunterricht, reibungslos läuft? Die Ungeduld ist groß, bestand eigentlich schon 2018, als die Stadt in den umfassenden Ausbau eingestiegen ist, und wurde durch die Pandemie, die zeitweise Schulschließung und den phasenweisen Fernunterricht noch größer. Am Geld, das machte einmal mehr ein informativer Tagesordnungspunkt in der Haushaltsberatung des Gemeinderats klar, liegt’s nicht. Geld wäre da. Man kann’s nur noch nicht ausgeben.

„Es dauert wegen des Bürokratismus so lange“, findet Finanzdezernent Jürgen Haas kritische Worte für die Bedingungen, die im Dschungel der Förderprogramme von Bund und Ländern herrschen. Die Gelder kann man erst abrufen, wenn man vorher seine Hausaufgaben gemacht hat. Und die sind teils so aufwendig, dass ihre Erledigung nicht Stunden, Tage oder Wochen, sondern Monate und sogar Jahre dauert. Da gilt es mit vielen Beteiligten vieles abzustimmen, Anträge zu stellen, Auftragnehmer zu suchen und die Bauarbeiten stattfinden zu lassen. All das geht weder mit einem neuen Vertrag mit dem Anbieter noch mit dem Einstöpseln eines neuen Internetrouters, wie im Privathaushalt.

Aufgabe 1 und ein Versprechen: Glasfaseranschluss bis zur Schultür

Aufgeteilt sind die Hausaufgaben auf drei „Fächer“, wenn man so will. Das erste betrifft die Anbindung der Schulgebäude an ein leistungsfähiges, schnelles Internet. Denn ohne das hilft das beste Endgerät nichts. Die Datenkabel bis zu den Schulen müssen geeignet, vorhanden und zukunftsfähig sein. Glasfaser bis zur Eingangstür, sozusagen. Überall da, wo eine Kommune für ihre Schule keine Firma findet, die das Breitband in Erwartung vieler weiterer neuer Kunden eigenwirtschaftlich ausbauen will, muss sie das zunächst beweisen. Und wenn sich niemand auf die Ausschreibung hin gemeldet hat, darf sie im Breitbandversorgungsprogramm für Schulen Bundes- und Landesmittel beantragen.

„Der Bund fördert 50 Prozent, das Land übernimmt 40 Prozent, an uns würden nur noch zehn Prozent hängenbleiben“, informierte Jürgen Haas den Gemeinderat. „Die Schulen werden aber nur in das Förderprogramm aufgenommen, wenn im Klassenzimmer nicht mehr als 30 MBit/s Downloadgeschwindigkeit vorhanden sind“, sagte Haas.

Dies ist bei der Grundschule Höfen der Fall sowie bei den Schulen an der Achse Albertviller Straße: Georg-Büchner-Gymnasium, Lessing-Gymnasium, Albertville-Realschule, Geschwister-Scholl-Realschule, Stöckachgrundschule. „Vermutlich kommen noch vier weitere Schulen in das Programm: Die Grundschule Hertmannsweiler, die Grundschule Birkmannsweiler, die Grundschule Schelmenholz und die Haselsteinschule“, hat Jürgen Haas dieser Tage erfreulichen Bescheid bekommen. „Da die Kasten-, die Hungerberg- und die Breuningsweiler Grundschule schon sehr gut mit 240 beziehungsweise 400 MBit/s versorgt sind, wären damit alle unsere Schulen super angebunden.“

Während das Förderverfahren läuft, hat die Stadt zusammen mit den Gemeinden Weissach im Tal und Auenwald EU-weit Firmen gesucht, die das Breitband bauen wollen. Über deren finale Angebote entscheidet voraussichtlich im Februar oder März der Gemeinderat. Die Stadt stellt dann den finalen Förderantrag, und mit dem Bau kann begonnen werden, wenn der finale Bescheid da ist, „voraussichtlich im April oder Mai 2021“, so Haas. Seine Bürokratismus-Kritik war wahrlich nicht überzogen. Er ist froh, dass die Stadt dennoch „ganz vorne dran“ sei – und dass die Förderrichtlinien in den nächsten Jahren angepasst werden, so dass langfristig alle Schulen, auch die jetzt gut dastehenden, mit einem Gigabit „symmetrisch“, also Up- und Download, ans Internet angeschlossen werden können, auch wieder mit Fördergeld.

Übrigens, es geht nicht nur um staatliche Schulen oder um Schulen für Kinder und Jugendliche. Auch der Breitbandausbau für private Schulen wird gefördert. Die von Vereinen, wenn auch überwiegend von Kommunen getragenen Musik- und Kunstschule und die Volkshochschule bekommen die Glasfaseranbindung gefördert.

Aufgabe 2 und ein guter Fahrplan: Rechenzentren für Schulgebäude

Die Hausaufgaben im zweiten Fach betreffen die Schulgebäude selbst. Diesen Fahrplan hat die Stadt in der Hand, und auch hier macht sie Tempo, denn auch hier wird die Umsetzung noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat jüngst einen Auftrag für Ingenieurleistungen vergeben, auf dass an folgenden Schulen Rechenzentren, Datenkabelanlagen und sogenannte „Access Switches“ entstehen, die dafür sorgen, dass die Lehrergeräte mit denen der Schüler interagieren können: Stöckach-Grundschule, Geschwister-Scholl-Realschule, Albertville-Realschule, Grundschule Schelmenholz sowie die Haselsteinschule.

Der Auftrag an die Ingenieure hat außerdem zum Ziel, dass jeweils Schulnetzwerke für die Verwaltung und eines für die Pädagogik, also fürs Unterrichten, eingerichtet werden. Zudem sollen die konventionellen Tafelanlagen durch interaktive Bildschirme ersetzt werden. Auch dafür gibt’s Geld, das das Land Baden-Württemberg aus dem Bundes-Sondervermögen „Digitale Infrastruktur“ erhält, und es gibt laut Finanzdezernent Jürgen Haas Geld aus dem Landesprogramm für die Sanierung von Schulgebäuden.

Den Auftrag für die Fachplanung Technische Ausrüstung der genannten fünf Schulen steht mit einem Volumen in Höhe von 250 000 Euro im Haushaltsplanentwurf. Erhalten hat ihn das Ingenieurbüro PCE Wolfgang Reintgen aus Feldkirchen.

Der Winnender Bauamtsleiter Klaus Hägele sagte den Gemeinderäten zum Zeitplan, dass „bis Dezember 2024 alles umgesetzt sein muss, und das ist auch machbar laut unserem Fahrplan für das Innere der Gebäude“.  2024? In vier Jahren. Oh ja, wir erinnern uns an den Beginn dieses Artikels. Wir sprachen von Geduld, großer Geduld.

Aufgabe 3 und die kluge Bestellung: Wann gibt’s Tablets und Laptops?

Für neue digitale Endgeräte an den Schulen hat die Stadt einen Batzen von 1,38 Millionen Euro reserviert. Für ihre Anschaffung gibt’s ebenfalls Zuschüsse aus dem Digitalpakt des Bundes, dem Topf, der vor Jahren schon mit 5 Milliarden Euro gefüllt wurde. Übers Land Baden-Württemberg bekommt jede Kommune einen Anteil. Nimmt man den Zuschuss für die Verkabelung und für neue Endgeräte zusammen, entfallen genau die reservierten 1,38 Millionen Euro auf Winnenden. FDP-Stadträtin Nicole Steiger hätte am liebsten schon jetzt das Geld genommen und Tablets und Laptops gekauft.

Die Geräte hätten aber nicht das gemacht, was sie hätten tun sollen, führte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth aus. Und die Stadt wäre ganz allein auf den Kosten sitzengeblieben. Holzwarth warnte: „Wenn wir jetzt Geräte kauften, wäre die Förderfähigkeit weg. Erst muss die Infrastruktur verlegt sein. Und da dies noch lange dauert, wären die Geräte schon veraltet, wenn es dann so weit ist.“

In den Fächern 2 und 3 haben gleichwohl die Stadt und die Schulen ihre Hausaufgaben gemacht. Sie mussten mit der Stadtverwaltung Medienentwicklungspläne abstimmen und vorlegen. Wenn für sie die Förderung bewilligt ist, werden die Schulen nach und nach mit „vergleichbar einheitlichen Medien ausgestattet“, so Cornelia Lenz von der Stadtverwaltung. Ein diesjähriger Erstklässler muss also mutmaßlich so lange warten, bis er in die weiterführende Schule geht, bis er in den Genuss eines geförderten Notebooks kommt.

Wann endlich sind die Schulen digital so gut ausgerüstet, dass der Unterricht, egal ob in der Schule oder im Heimunterricht, reibungslos läuft? Die Ungeduld ist groß, bestand eigentlich schon 2018, als die Stadt in den umfassenden Ausbau eingestiegen ist, und wurde durch die Pandemie, die zeitweise Schulschließung und den phasenweisen Fernunterricht noch größer. Am Geld, das machte einmal mehr ein informativer Tagesordnungspunkt in der Haushaltsberatung des Gemeinderats klar, liegt’s nicht.

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