Winnenden

Warnung zeigt Wirkung: Keine Nachfrage mehr nach Jodtabletten in Winnenden

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In der Apotheke am Torturm haben die Mitarbeiter eine kurzzeitige Nachfrage nach Jod-Tabletten festgestellt. © Benjamin Büttner

Die Warnungen und Erklärungen haben Wirkung gezeigt: Jodtabletten sind in Apotheken nicht mehr gefragt. „Nach Kriegsbeginn in der Ukraine gab es tatsächlich eine Phase, in der die Nachfrage deutlich gestiegen ist. Das Ganze hat sich mittlerweile zum Glück beruhigt. Die Leute haben realisiert, dass es keinen Sinn macht, sich damit einzudecken“, erklärt eine Sprecherin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg am Telefon.

Manchen Kunden hat die Apothekerin den Wunsch verwehrt

Auch in Winnender Apotheken ergibt sich dieses Bild. „Jodtabletten? Das ist bei uns momentan kein Thema“, antwortet Sarah Rehermann von der Apotheke am Torturm auf Nachfrage.

Es habe sich lediglich um eine kurzzeitige Nachfrage gehandelt, die dann zudem sehr hoch war. Das hat sich geändert. „Es ruft niemand mehr an und hier in der Apotheke fragt auch niemand mehr danach“, weiß die Apothekerin.

Ohnehin ist es so, dass es hoch dosierte Medikamente, die bei einer Atomkatastrophe infrage kommen, in Apotheken gar nicht gibt. „Von den Tabletten, die wir auf Lager haben, müsste man mehrere Packungen einnehmen. Das macht keinen Sinn“, sagt Rehermann. Denjenigen, die prophylaktisch Jodtabletten kaufen, beziehungsweise einnehmen wollten, habe man den Wunsch in der Apotheke verwehrt. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion sei die Einnahme nicht ohne, erklärt Rehermann.

Kommt es tatsächlich zu einem atomaren Unfall oder eskaliert der Krieg in der Ukraine nuklear, sei das Landratsamt am Zug. „Es gibt ein Depot. Dort lagern die hoch dosierten Jodtabletten“, weiß Rehermann.

189,5 Millionen Tabletten auf Vorrat

Bereits Mitte März verschickte das Landratsamt eine Pressemitteilung, wonach aufgrund der Entfernung zur Ukraine eine Einnahme von Jodtabletten bei einer Atomkatastrophe nicht nötig sei. Im vergangenen Jahr wurden zudem landesweit 35 Millionen solcher Tabletten an Städte und Gemeinden verteilt. Im Bedarfsfall würden Ausgabestellen eingerichtet.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände warnt vor einer selbstständigen Einnahme. Diese berge erhebliche Risiken, wird Prof. Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) in einer Pressemitteilung zitiert. „Die für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden haben 189,5 Millionen hoch dosierte Kaliumiodidtabletten (Jodtabletten) bevorratet, um diese bei Bedarf an die Bevölkerung auszugeben. Die Tabletten dürfen erst nach Aufforderung durch die Behörden eingenommen werden. Die Einnahme von Jodtabletten schützt ausschließlich vor der Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse, nicht vor der Wirkung anderer radioaktiver Stoffe, wie z. B. Caesium 137, Strontium 90 oder Plutonium“, heißt es unter anderem in der Mitteilung.

Die Warnungen und Erklärungen haben Wirkung gezeigt: Jodtabletten sind in Apotheken nicht mehr gefragt. „Nach Kriegsbeginn in der Ukraine gab es tatsächlich eine Phase, in der die Nachfrage deutlich gestiegen ist. Das Ganze hat sich mittlerweile zum Glück beruhigt. Die Leute haben realisiert, dass es keinen Sinn macht, sich damit einzudecken“, erklärt eine Sprecherin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg am Telefon.

Manchen Kunden hat die Apothekerin den Wunsch

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