Winnenden

Was der gute alte Handbetrieb dem Klima bringt

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Flutlichtscheinwerfer überm Fußballplatz - Symbolbild. © Benjamin Büttner

Es ist faszinierend, was man für den Klimaschutz tun kann, wenn man bloß mal abends in seiner Wohnung eine Stunde lang im Dunkeln tapst. „Am Samstag (27.3.) Licht aus von 20.30 bis 21.30 Uhr“, das schlägt der World Wildlife Fund (WWF) vor, und auch die Stadt Winnenden schließt sich an, bittet ihre Bürger um eine „Earth Hour“, eine Stunde für die Erde, die wir ihr in Form von Stromersparnis, aber auch echter Dunkelheit schenken sollen.

Macht die Stadt auch selbst mit? Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth erzählte in der Gemeinderatssitzung auf Nachfrage von Stadträtin Susanne Kiefer, dass die Verwaltung von den Initiatoren darum gebeten worden sei. „Ich habe aber nichts, was ich symbolisch abschalten kann, keine Beleuchtung am Torturm, keine am Schloss, keine am Alten Rathaus.“ Die Ironie daran sei, so Holzwarth weiter, dass eine solche, die Sehenswürdigkeiten effektvoll in Szene setzende Beleuchtung ein langgehegter Wunsch in Winnenden sei, nicht zuletzt vom Stadtmarketingverein. „Wenn es sie irgendwann gibt, kann ich sie abschalten“, so Holzwarth, hinter seiner FFP2-Maske breit grinsend.

Das gibt in der Tat zu denken. Aus ökologischer Sicht wäre es das Allerbeste, Winnenden würde weiterhin alle seine schönen Gebäude nachts in der Dunkelheit verbergen. Keine Anschaffungskosten, keine Wartungskosten, keine Stromkosten, keine Energie für die Herstellung der Lampen, keine Energie für so gut wie sinnfrei strahlendes Licht, das die immer weniger werdenden Insekten und Vögel aus ihrem Biorhythmus bringt, mit den bekannten Folgen.

Holzwarth fragte aber sicherheitshalber zurück: „Fällt Ihnen etwas ein, was man ausmachen könnte?“ Am Ende einer langen Gemeinderatssitzung war dies wohl eher eine rhetorische Frage als der Aufruf zu einem großen Brainstorming. In der Tat aber kam Holzwarth selbst noch auf den Burgturm in Bürg. Also, wenn das kein Wahrzeichen der ältesten Stadt des Rems-Murr-Kreises ist! Doch wo ist der Lichtschalter für den hoch aufragenden Rest der Burg? Bei Familie Bauer in der Wohnung, direkt bei der Gastronomenfamilie ( „Schöne Aussicht“ ). Sie hat es in der Hand, ob sie den erst vor drei Jahren montierten LED-Scheinwerfer ausknipst und der Umwelt 500 Wattstunden Stromverbrauch erspart, das hat die Pressesprecherin Emely Rehberger flugs für unsere Zeitung recherchiert. Und sie schiebt wenige Stunden hinterher, nachdem sie kurzerhand mit Familie Bauer telefoniert hat: „Das Turmlicht wird ausgeschaltet!“ Also nicht wundern, wenn heute Nacht der Turm für eine Stunde wie weggezaubert erscheint.

Was ist eigentlich mit dem Flutlicht über Fußballplätzen?

Der Zuhörerin am Pressetisch fiel bei der Gelegenheit noch etwas anderes ein, was sie während des Lockdowns im Februar in einer anderen Gemeinde gesehen hat: brennende Flutlichter über einem Fußballplatz, obwohl der Trainingsbetrieb untersagt war. Diese über einem leeren Platz abzuschalten, das wäre doch mal viel! Wie sah und sieht dieser Fall in Winnenden und den Teilorten aus? Auch hier meldet sich Emely Rehberger fix, man möchte fast sagen, in Lichtgeschwindigkeit, mit einer Antwort zurück: „In Winnenden haben wir im Herbert-Winter-Stadion und auf den Plätzen in den Teilorten keine automatische Schaltung für das Flutlicht. Es muss manuell ein- und ausgeschaltet werden, ist daher auch nicht in Betrieb, wenn kein Training stattfindet.“

Wie gut das ist, kann sich jeder selbst ausrechnen: Ein Flutlichtscheinwerfer hat eine Leistung von 2000 Watt. Mindestens vier braucht es, um einen Platz gleichmäßig auszuleuchten. Jede Stunde nicht gehaltenes abendliches Training bedeutet pro Platz demnach mindestens 8000 Wattstunden Energieeinsparung. Wow, dafür könnte man den Bürger Burgturm fast zwei Nächte lang anstrahlen.

Und was lernen wir aus dem Ganzen? Der Lockdown hilft dem Klimaschutz. Und: Winnenden ist vorbildlich. Ein veraltet scheinender Zustand, sei es der Handbetrieb beim Licht oder die unterbelichtete Nachtwächterstimmung in der Innenstadt, ist in Wirklichkeit ein Fortschritt für den Klimaschutz.

Es ist faszinierend, was man für den Klimaschutz tun kann, wenn man bloß mal abends in seiner Wohnung eine Stunde lang im Dunkeln tapst. „Am Samstag (27.3.) Licht aus von 20.30 bis 21.30 Uhr“, das schlägt der World Wildlife Fund (WWF) vor, und auch die Stadt Winnenden schließt sich an, bittet ihre Bürger um eine „Earth Hour“, eine Stunde für die Erde, die wir ihr in Form von Stromersparnis, aber auch echter Dunkelheit schenken sollen.

Macht die Stadt auch selbst mit? Oberbürgermeister

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