Winnenden

Was die junge Geschäftsführerin eines alteingesessenen Ladens über den Lockdown, die Masken und den Online-Handel denkt

Haeussermann ohne Maske
Stefanie Kienzle ist die Geschäftsführerin von Häussermann an der unteren Marktstraße. © Medienwerkstatt

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? Teil 3 der Serie:  Stefanie Kienzle ist die Geschäftsführerin des Hausrat- und Eisenwarengeschäfts Häussermann an der unteren Marktstraße.

Wegen der Enge: Laden im März freiwillig geschlossen

„Ich empfinde die Maske als positiv. Sie ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Dadurch achten die Leute auch mehr auf Abstand.“ Gerade in dem verwinkelten Geschäft, in dem sich Waren in Hülle und Fülle an Ständern und in Regalen vom Boden bis weit über Augenhöhe befinden, ist die in Coronazeiten erforderliche Distanz schwer einzuhalten. „Beim ersten Lockdown hätten wir sogar weiter offen haben dürfen, weil wir vom Sortiment her unter die Baumarkt-Ausnahme gefallen sind. Wir haben uns wegen der Enge im Laden aber dagegen entschieden.“ Der 39-Jährigen war es wichtiger, dass die Kundschaft gesund bleibt und die Belegschaft auch, und sie und die Mitarbeiter dabei auch noch entspannter arbeiten können. „Damals durften wir noch ohne Masken arbeiten.“ Die Kunden warteten vor dem Geschäft und holten ihre Bestellung an einer Theke ab oder sagten dort, was sie gern hätten. Das war alles sehr gesittet, im Gegensatz zu dem, was in den damals geöffneten Baumärkten ablief: „Die Leute waren wie im Shoppingrausch, als müssten sie ihre Langeweile ausleben.“

Sie fing ein Jurastudium an, ist jetzt aber Handelsfachwirtin

Im zweiten Lockdown sind die Baumärkte zu für die Normalkundschaft, aber große Drogeriemärkte verkaufen Spiel- und Schreibwaren, während die Fachgeschäfte schließen müssen und nur Waren ausliefern dürfen. „Das ist einfach ungerecht. Die Regeln sollten für alle gleich sein.“ Stefanie Kienzle sagt das nicht einfach so: Sie hat nach der Schule ein Jurastudium in Tübingen begonnen. Nach dem Grundstudium aber war ihr klar: Sie möchte im Laden arbeiten. „Als Kind schon hat mir dieses Geschäft gefallen, ich habe mit meiner Mama Brigitte Preisschilder auf Kerzen geklebt“, erinnert sie sich lachend. Wie riesig-paradiesisch bunt wohl diese Welt auf die Kleine Stefanie gewirkt hat? „Die Kunden sagen ja immer, bei euch gibt's alles. Stimmt nicht, aber es gibt sehr viele verschiedene Sachen. Nicht jeder weiß zum Beispiel, dass man im ersten Stock alles fürs Campen findet, vom Grill über die Liege bis zum Planschbecken und Wasserkanister.“

Auch als Erwachsene wollte Stefanie Kienzle also in diesem Traditionsgeschäft bleiben, das heuer stolze 145 Jahre seines Bestehens hätte feiern können, wenn dies denn möglich gewesen wäre. „Den Handel vor Ort wird es immer geben, er hat die Bedrohung durch Versandhäuser mit ihren Katalogen überstanden und auch der Online-Handel wird uns nicht das Genick brechen“, ist sie völlig zuversichtlich. „Das Ganze lebt doch von den Personen, die beraten, die den Kunden, egal ob bei der Schließanlage und dem Einbruchschutz fürs Haus oder bei der neuen Bratpfanne sagen, was in welcher Ausführung für den Kunden Sinn macht“, sagt Stefanie Kienzle. „Außerdem gibt es bei uns auch mal eine einzelne Schraube und nicht gleich den 20er-Pack – da sind wir flexibler als die Großen.“

Ihre Ausbildungen zur Einzelhandels- und zur Bürokauffrau hat Stefanie Kienzle nebenberuflich gemacht, anschließend hat sie noch mal studiert, ist Handelsfachwirtin mit Bachelor-Abschluss. Als ihr Onkel Gerhard Kienzle in Ruhestand ging, wurde sie Geschäftsführerin. „Ich war in der ganzen Zeit vor Ort in Winnenden, die Praxisnähe ist mir wichtig.“ Daher weiß sie auch, dass es für die Kunden ein Erlebnis ist, beim Einkauf herumzustöbern, die Waren anschauen und anfassen zu können. „Das ist Entertainment, und man bekommt bei uns Sachen, die man nicht überall erhält.“ Ohne die anderen Gastronomen und Einzelhändler wäre aber auch die Firma Häussermann allein nicht das, was sie jetzt ist: „Für uns ist ein Stadtbild, das Menschen anzieht, wichtig, mit einem tollen Markt und schönen Läden, in denen man etwas Besonderes sieht, wo man gern einkaufen geht.“ Der Mix macht's und ist in Stefanie Kienzles Augen wichtiger als die Größe der Werbetafeln, die am Haus angebracht sind.

Der Lieferservice ist für den Kunden ein großes Plus

Zurück zur Pandemie und dem zweiten Lockdown, der mindestens bis 10. Januar dauert. „Wir liefern am gleichen Tag direkt vor die Haustür. Für uns ist es aufwendiger, aber für die Kunden ist es super.“ Stefanie Kienzle bekommt Bestellungen per Mail oder Whatsapp oder Telefon. Wenn es zum Beispiel von einem Raclette-Set mehrere Modelle gibt, schickte sie per Whatsapp Fotos. „Je nach Preis will man ja wenigstens mal ein Foto von der Schachtel sehen“, sagt sie lachend. Zwei Stunden später, auch noch am Silvestertag, konnten die Kunden das neue Gerät einstöpseln und das verrückte Jahr mit einem schönen Essen beschließen.

„Grundsätzlich finde ich einen solchen harten Lockdown besser als wachsweiche Regelungen. Wir haben ja gesehen: Je länger sich die Pandemie hinzieht und die Zahlen steigen, desto schwerer wird es, sie wieder in den Griff zu bekommen.“ Aufs Impfen setzt sie Hoffnungen. „Ich bin generell ein Freund davon, aber eine Impfpflicht muss nicht sein. Es ist gut, dass diejenigen den Stoff zuerst bekommen, die ihn brauchen. Das Virus wird deshalb aber nicht ganz verschwinden.“

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? Teil 3 der Serie:  Stefanie Kienzle ist die Geschäftsführerin des Hausrat- und Eisenwarengeschäfts Häussermann an der unteren Marktstraße.

Wegen der Enge: Laden im März freiwillig geschlossen

„Ich empfinde die Maske als positiv. Sie ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Dadurch achten die Leute auch mehr auf Abstand.“ Gerade in dem verwinkelten

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