Winnenden

Was es mit der Winnender Altbau-Insel auf dem abgeräumten Areal Gerberviertel II auf sich hat

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Altbau-Insel: Der Besitzer des Efeuhauses an der Mühltorstraße verkauft nicht. © Martin Schmitzer

Einen kuriosen Anblick bieten zwei aneinandergebaute Häuser an der Mühltorstraße: Ringsherum hat Projektbau Pfleiderer sämtliche alte Gebäude abreißen lassen. Alles ist platt, alles liegt still da. Die Häuschen hat man aber nicht etwa vergessen oder extra stehen lassen, weil sich eine Hauswand so toll eignet, um ein Werbeplakat für die Wohnbebauung anzubringen. Das könnte man einfacher haben.

Klaus-Martin Pfleiderer hat mit seinem Schild an der provisorisch verschlossenen Wand des nicht mehr bewohnten Hauses aus der Not eine Tugend gemacht. Das kleinere Häuschen dahinter, mit Efeu umrankt, konnte er nämlich bislang nicht kaufen. Der Bewohner ist der Besitzer, und obwohl man bereits seit Jahren miteinander verhandelt, ist es noch nicht zum Kaufvertrag gekommen. Tja, und nun? „Wir können ja nicht einfach über fremdes Eigentum verfügen. Wir stellen unser Bauvorhaben daher auf den beiden Grundstücken zurück und bauen später, wenn der Besitzer des kleinen Hauses an uns verkauft“, sagt Pfleiderer. Das andere gehört ihm schon.

Die Stadt entwickelt den Bebauungsplan für die insgesamt sieben Mehrfamilienhäuser, die auf dem Areal zwischen Gerberstraße und Buchenbach entstehen sollen, trotzdem fertig und weist für die Altbau-Insel ein Baufenster aus. „Das Grundstück bleibt somit wertig, auch, falls der Mann sein Haus später an mich oder jemand anderen verkaufen will“, so Pfleiderer. Er sieht das ganz nüchtern, ganz professionell. Innerlich köchelt es allerdings in ihm, denn der Bewohner des Efeuhauses provoziert ihn neuerdings mit so einer Art Protestplakat. Selbst gebastelt, an rostigen Stangen aufgehängt. Der Inhalt ist für den verwundert lesenden Passanten mehr als kryptisch. „Ich verstehe das gar nicht, der Mann ist nicht mein Kunde“, sagt auch Klaus-Martin Pfleiderer. Auch was der „Sicherheitsbehalt“ soll, darauf kann sich Pfleiderer keinen Reim machen. Auf einem zweiten Schild behauptet der Mann: „Dieses Haus bleibt stehen. Rarität von Nachbarn geliebt." Aha.

Pfleiderer hatte gehofft, dass der Mann die Schilder diese Woche abnimmt. „Die blöden Sprüche sind für mich nicht positiv“, sagt er. Er hat das Baurecht, und die Stadt möchte die Bebauung in der von ihm vorgeschlagenen Form. Auf mehreren Ebenen ist er dem Bewohner entgegengekommen. Doch es half alles nichts. Stattdessen bekam Pfleiderer auch noch die Drohung, dass der Mann irgendetwas, wahrscheinlich ähnlich Kryptisches, ins Internet setzen werde. „Schließlich musste ich einen Juristen fragen, was ich dagegen tun kann“, so Pfleiderer.

Mit Blick auf den Kalender kann man für den letzten Mohikaner im Gerberviertel II außerdem noch eine Vorhersage treffen: dass es bald ganz schön laut für ihn wird. Voraussichtlich Mitte Juli beginnt der Kanalbau. Und ab Frühjahr 2022 rücken weitere Baumaschinen an, um sechs neue Häuser um die beiden alten herumzubauen.

Einen kuriosen Anblick bieten zwei aneinandergebaute Häuser an der Mühltorstraße: Ringsherum hat Projektbau Pfleiderer sämtliche alte Gebäude abreißen lassen. Alles ist platt, alles liegt still da. Die Häuschen hat man aber nicht etwa vergessen oder extra stehen lassen, weil sich eine Hauswand so toll eignet, um ein Werbeplakat für die Wohnbebauung anzubringen. Das könnte man einfacher haben.

Klaus-Martin Pfleiderer hat mit seinem Schild an der provisorisch verschlossenen Wand des

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