Winnenden

Was für ein belebender „Totentanz“

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Symbolbild. © Sarah Utz

Winnenden.
Wie Perlen hoben sich die Abende mit den Solisten aus den Konzerttagen heraus. So auch die „Romantische Klassiknacht“ mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Franz Liszt, Max Bruch und Camille Sain-Saëns. Was für ein Überschwang, dann wieder diese innige Intimität - und das alles mit einer atemberaubenden Virtuosität - und: einer auch sichtbaren, gegenseitigen Freude am gemeinsamen Musizieren! So jedenfalls begeisterten die Violinistin Natalia Lomeiko und Katia Skanavi am Flügel ihr Publikum mit dem Doppelkonzert für Violine, Klavier und Orchester d-Moll des gerade mal 14-jährigen Mendelssohn-Bartholdy. Elegant federnd von der Württembergischen Philharmonie Reutlingen (dirigiert von Paul Meyer) begleitet, war es hier im langsamen zweiten Satz, in dem die Solistinnen in einem betörenden Duett, im intensiven Zusammenspiel, sozusagen die Wahrheit der Gefühle ganz ganz vorsichtig aneinander abtasteten. Grandios!

So romantisch effektvoll wie modern

War das zu steigern? Aber ja doch! Mit Liszts Totentanz für Klavier und Orchester (Dirigat Nabil Shehata) von 1849. Hier wurden vom Pianisten Péter Nagy Himmel und Hölle zugleich bewegt. Ein dunkel dräuendes musikalisches Horror-Kino entfesselte hier der Komponist als Trauer-Hymne an die niedergeschlagenen europäischen Aufstände von 1848. Das ist so romantisch effektvoll wie modern, so schauerlich übertrieben wie kühl kalkuliert. Und es wurde von Nagy mit einer fassungslos machenden Virtuosität befeuert, die den Eindruck machte, als ob da einer im Moment frisch improvisierte - der Jazzkenner mochte an Keith Jarrett denken - man vergaß die Zeit! Euphorischer Jubel. Einen Czárdás Zugabe.

Ein zart-trauriges Klanggespinst

Paul Meyer (Klarinette) und Gareth Lubbe (Viola) waren die Solisten in Max Bruchs Konzert für Klarinette, Viola und Orchester von 1911. Ein Stück noch einmal wie in Übererfüllung der europäischen Musiktradition, und angesichts der zeitgleichen musikalischen Erneuerungsrevolutionen der Moderne, durchtränkt von wehmütigem (Klarinetten-)Abschied. Ein zart-trauriges Klanggespinst - fast am Verweht-Werden - besonders im 2. Satz.

Fast zeitgleich entstanden Camille Saint-Saëns „La muse et le poète“ für Violine, Cello und Orchester von 1910. Musikalische Beschwörungen der Verletzlichkeit und Gefährdungen des Schaffensprozesses, die Daishin Kashimoto an der Violine und Claudio Bohórquez am Violoncello mit einer knisternden Sinnlichkeit als poetisches Drama der Annäherung und des (Fort-)Getriebenseins - man möchte sagen - : erzittern ließen. Applaus und Jubel für die Solisten.