Winnenden

Was Stadträte in Winnenden zum Streit um die Corona-Impfung sagen

Impfen ohne Termin
Seit dem Sommer bietet die Stadt Impfaktionen ohne Termin an. © Gabriel Habermann

Was sagen eigentlich die gewählten Bürgervertreter übers Impfen und die unterschiedlichen Ansichten in der Bevölkerung zu den Corona-Maßnahmen? Allen Fraktionen im Gemeinderat war das Thema so wichtig, dass sie darüber in ihren Haushaltsreden gesprochen haben.

Am deutlichsten wurde Stadtrat Thomas Traub (CDU): „Zu viele unserer Bürgerinnen und Bürger haben gedacht, sie müssten sich doch nicht impfen lassen und insbesondere dadurch die vierte Welle und deren Folgen mit verursacht“, sagte er. Die Berichte über die Lage in den Krankenhäusern im Dezember bezeichnet er als „schockierend und frustrierend zugleich“. Ausführlich dankt Traub dem Klinikpersonal, aber auch allen anderen Mitarbeitern im Gesundheitsschutz, bei der Stadtverwaltung und in den Kindergärten für ihren enormen Einsatz.

Das Thema schloss Traub mit einem unmissverständlichen Appell ab: „Wir können nur hoffen, dass die Situation und auch der von der Politik zu Recht ausgelöste Druck zur Impfung dazu führt, dass die Impfquote deutlich steigt und alle bereits Geimpften sich auch boostern lassen. Unsolidarisches Verhalten hat hier keinen Platz mehr.“

Rein rechnerisch 5800 in Winnenden ungeimpft, die sich impfen lassen könnten

Zieht man die Kindergartenkinder ab, sind 17 Millionen Deutsche noch nicht geimpft. Rein rechnerisch auf Winnenden übertragen wären das 5800 Personen. Für sie sind Ärzte und Therapeuten Ansprechpartner, der brandneue Impfstützpunkt an der Linsenhalde 5 mit täglichen Terminen, die Impfaktionen ohne Termin an wechselnden Orten im Stadtgebiet und das Kinderimpfzentrum.

Steiger: Virus wirkt als Spaltpilz

Stadträtin Nicole Steiger (FDP) zeigte in ihrer Rede die Folgen auf, die „das Spinnennetz der Lüge“ auf Menschen hat, die sich darin verfangen: „Hass und Hetze“, und die seien ablesbar in den sozialen Medien. „Sie sind voll von Videos und Kommentaren aus den Lagern pro und contra Impfung. Der Hass auf Ungeimpfte steht der Verachtung für Impfbefürworter kaum nach. Fast könnte man meinen, das Virus löse weniger eine Krankheit aus, sondern wirke vielmehr als Spaltpilz in unserer Gesellschaft.“ Steiger ruft dazu auf, das nicht zuzulassen, sondern Respekt gegenüber dem Gesprächspartner in den Vordergrund zu stellen. „Wir brauchen mehr gute Streitkultur, mehr Ringen um den richtigen Weg.“

Stadtrat Andreas Herfurth (SPD) zeigte sich am Ende seiner Rede froh darüber, in einer Demokratie zu leben. „Es ist gut und richtig, dass unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Das beinhaltet auch Funkenflug.“ Was er und seine Fraktion aber nicht zulassen werden, ist: „Wer Hass und Gewalt sät, hat entweder die großartige Idee der Demokratie nicht verstanden oder will sie abschaffen, um seine eigene Vorstellung von Welt absolut zu setzen.“

Stadtrat Christoph Mohr (ALi) ging kurz auf die Corona-Folgen ein: „Sie werden uns, ob im Bildungsbereich oder in den öffentlichen Haushalten, noch beschäftigen.“

„Die Corona-Krise sorgt für viel Unglück“

In einer Haushaltsrede geht es üblicherweise um die Schwerpunkte, für die die Bürgervertreter das Geld der Bürger ausgeben wollen, und um die Höhe von Steuersätzen. Die Corona-Krise wirkt sich sehr wohl auf den Haushalt der Stadt aus, wie Finanzdezernent Haas bei der Vorstellung des Einnahmen- und Ausgabenplans erläutert hatte: „Die Corona-Krise sorgt für viel Unglück. Sie zeigt uns unsere Grenzen auf. Sie beschert uns viel Aufwand, sie kostete Kraft, sie verursacht finanzielle Mindererträge und Mehraufwendungen.“ Dabei bräuchte die Stadt Arbeitskraft und Geld aus Steuereinnahmen dringend für das „Jahrzehnt der Transformation“ mit Zukunftsaufgaben wie Klimaschutz, Energiewende, Digitalisierung und Mobilität.

Was sagen eigentlich die gewählten Bürgervertreter übers Impfen und die unterschiedlichen Ansichten in der Bevölkerung zu den Corona-Maßnahmen? Allen Fraktionen im Gemeinderat war das Thema so wichtig, dass sie darüber in ihren Haushaltsreden gesprochen haben.

Am deutlichsten wurde Stadtrat Thomas Traub (CDU): „Zu viele unserer Bürgerinnen und Bürger haben gedacht, sie müssten sich doch nicht impfen lassen und insbesondere dadurch die vierte Welle und deren Folgen mit verursacht“,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper