Winnenden

Weg am Buchenbach bis in die Stadt?

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Urs Müller-Meßner führte eine Gruppe am Buchenbach. Im Hintergrund das Mineralbad. © Schmitzer
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Buchenbach-Spielplatz
Technischer Schatten, nackter Platz – Christiane Meßner verdeutlicht den Winnendern, was sie in der Buchenbach-Aue sehen. © Schmitzer

Die Landschaft am Buchenbach könnte noch schöner, noch begehbarer und noch naturnaher werden. Das hat sich klar herausgestellt bei einem Arbeitsspaziergang von rund 80 Winnendern mit Landschaftsarchitekten der Firma Kienleplan. Im Gehen sprudelten die Ideen: Der Bach könnte ein bisschen mäandern. Die Ufer könnten abgesenkt werden auf dem alten Hundefreunde-Gelände. Eine weitere Brücke könnte eine Fußwegverbindung Richtung Hertmannsweiler schaffen. Und überhaupt würde der gute alte Buchenbach erst richtig zur erlebbaren Landschaft, wenn sich Wege an seinem Ufer hineinzögen bis in die Stadt. Ganz in die Stadt?

Soll ein breiter Uferrandstreifen für die Allgemeinheit da sein?

Landschaftsarchitektin Christiane Meßner vom Büro Kienleplan hat da keine Hemmungen: „Sollen wir uns die Kleingartenanlage mal genauer anschauen?“ Es sind wunderschöne gepflegte Gärten. Aber Meißner hat sie mal vom Bachufer aus betrachtet: Da stehen Kompostgitter direkt am Bach. Da kippen Bauteile schon in Richtung Wasser. Beim nächsten Hochwässerle schwemmt der Buchenbach bestimmt eine Menge Gartenabfälle und Bauholz mit. Meßner macht den Teilnehmern einer städtischen Veranstaltung keine Vorgaben. Sie sind in diesen zweieinhalb Stunden am Donnerstagabend als Bürger beteiligt an den Ideen für einen Buchenbach-Landschaftspark. „Das ist Ihr Buchenbach“, sagt Meßner, „Sie entscheiden nachher, was gemacht werden soll. Nicht ich.“ Aber sie sagt, was denkbar wäre: Zehn Meter Uferrandstreifen bei den Kleingärten könnten an die Stadt übertragen werden. Dort könnte ein Weg mit Abstand zum Bach angelegt werden und der Uferrand könnte schön und naturgemäß bewachsen sein. Manche Gesichter hellten sich auf bei dieser Idee. Aber eine Frau bekam Sorgenfalten: „Sie wissen schon, dass Sie da in Privatgärten eingreifen.“ Kleingärtner pflegen ihre Gärten liebevoll, haben sie in langen Jahren aufgebaut und sich entwickeln lassen. Zehn Meter Breite abzugeben, ist für diese Frau unvorstellbar.

Was im Augenblick unmöglich ist, kann später doch noch gehen

Aber Christiane Meßner sagt, so ein Landschaftspark könne sich über viele Jahre hin entwickeln. Es gebe heute andere Formen von Gärten, urbane Gemeinschaftsgärten. Das Credo der Landschaftsarchitektin ist immer: „Wir müssen miteinander reden, gemeinsam überlegen, was wir wünschen und was möglich ist.“

Die Schilffelder am Buchenbach gefallen ihr gut. Im Grunde sind sie wechselfeuchte Gebiete und natürlich vorhandene Retentionsbecken, die bei Hochwasser eine große Bedeutung haben. „Sie müssten nur gepflegt werden“, sagt Meßner. Die Äcker nahe am Bach und neben dem Schilf könnten auch zur wechselfeuchten Schilfzone werden. „Moinet Se, dass des klappa kennt? Sie brauchet da ja Ackerland“, sagt eine Teilnehmerin. „Wir müssen reden“, sagt Meßner, „und wir müssen sagen, was wir möchten, damit mal das Gespräch darüber beginnt.“ Es seien langfristige Ziele. „Sie werden so einen Landschaftspark nicht über Nacht bekommen.“ Die Teilnehmerin, der die Ideen gut gefallen, meinte nur: „Ob i des no erleb?“ Manches Grundstück wird sicher erst in vielen Jahren Gemeingut.

Der Regionalverband gibt Zuschüsse für Landschaftsgestaltungen

Im Augenblick hat die Stadt nur Ideen und ein grobes Konzept, das sie dem Regionalverband vorstellen kann. Der wird dann entscheiden, ob es einen Zuschuss gibt für einen Landschaftspark Buchenbach; der Gemeinderat wird entscheiden, ob er städtisches Geld für die Gestaltung der Naturlandschaft ausgibt.

Wenn Grundbesitzer mitmachen, kann sich viel verändern

Wenn diese Beschlüsse stehen, dann fließen die Ideen von jetzt ein in ein Konzept. Es können kühne, langfristige Ziele sein, es kann ein Uferweg sein, der von Höfen aus hinter den jetzigen Häusern am Bach entlang bis zur Brücke an der Wiesenstraße führt, von dort vielleicht sogar weiter bis ins Wohngebiet Gerberstraße – wenn die Grundbesitzer mitmachen.

Manche machen jetzt schon mit. Der Verein der Hundefreunde gibt eine Hälfte seines Grundstücks frei für die Stadt. Dort kann tatsächlich und sofort gestaltet werden. Christiane Meßner hat schon bei einer ersten Anhörung Wünsche aus der Bevölkerung gehört, dass der Bach an manchen Stellen zugänglich und sichtbar werden soll. Auf dem Hundefreunde-Gelände könnten die Ufer abgesenkt werden, vielleicht sogar auf beiden Bachseiten. Fließgeschwindigkeit und Mindestpegel des Bachs müssten noch festgelegt, gemessen und eingehalten werden. Hier könnte sich schnell etwas entwickeln.

Bachaufwärts beim Spielplatz, sagt Christiane Meßner den Teilnehmern, was sie gerade sehen: eine ältere Spielfläche mit technischem Schatten. „Es ist ein bisschen eine nackte Situation.“ Wie wär’s mit Bäumen? Mit Weidenbüschen um die Spielgeräte? Einem Weidenspielplatz?

Noch weiter oben, vor dem Mineralbad Höfen, gerät sie ins Schwärmen: Was für ein tolles Bad! Es könnte Teil des Landschaftsparks werden. Aber man sollte die Eingangssituation kritisch sehen. Es fehlt Grün, es fehlt Gestaltung. Ein Landschaftspark-Konzept könnte helfen, denn der Badverein alleine kann keine Außenbereiche neu gestalten. „Schauen Sie sich den Eingang mal an!“ Immer wieder sagt sie so etwas. Die Grasfläche zwischen Buchenbach und Asphaltweg: „Schauen Sie sich das an!“ Könnte man das schöner machen? Das Bänkle und der Abfalleimer – sind die einladend? Sind die an der richtigen Stelle? Könnte die Wiese bunter werden? Wäre mal ein Durchblick zum Bach herzustellen? „Schauen Sie sich das an!“ Die Teilnehmer blicken auf einmal ganz anders auf Buchenbach und Hambach. Horst Schlüter, der Nabu-Vorsitzende, sagt irgendwann: „Wenn man solche Flächen hat wie hier, wär’s net schlecht, wenn da au mol a bissle Sonne neikäm.“

Könnte man ein kleines Bächle auf den Spielplatz leiten?

Auf einmal beginnt man sich auszumalen, wie der schöne Uferstreifen am Bach noch viel schöner werden könnte. Bürgerin Angelika Bochnig meint, Wasser auf den Spielplatz zu holen wäre auch nicht schlecht, damit könnte man die Kinder vielleicht von der steilen Uferböschung fernhalten. Für Jugendliche sollte auch etwas angeboten werden, meint eine Teilnehmerin. Die wären vielleicht weiter in Richtung Stadt ganz gut platziert, meint die Architektin. Eine Calesthenics-Anlage könnte sie sich vorstellen. Ein Bolzplatz liegt ja schon oben beim Kindergarten. Die Kinder des Kindergartens könnten vielleicht auf dem Hundefreunde-Gelände einen Zugang zum Bach und zu Ufernatur bekommen. Unzählige Ideen kommen auf im Gespräch. Die Bürger müssen sie nur wirklich wollen. „Vielleicht müssen Sie mal deutlich sagen: Ich will diesen Landschaftspark, und ich will, dass die Stadt dafür Geld ausgibt“, sagt die Landschaftsarchitektin, „und vielleicht verzichtet man dafür auch mal auf etwas anderes, vielleicht auf ein Parkhaus!“

Die Landschaft am Buchenbach könnte noch schöner, noch begehbarer und noch naturnaher werden. Das hat sich klar herausgestellt bei einem Arbeitsspaziergang von rund 80 Winnendern mit Landschaftsarchitekten der Firma Kienleplan. Im Gehen sprudelten die Ideen: Der Bach könnte ein bisschen mäandern. Die Ufer könnten abgesenkt werden auf dem alten Hundefreunde-Gelände. Eine weitere Brücke könnte eine Fußwegverbindung Richtung Hertmannsweiler schaffen. Und überhaupt würde der gute alte Buchenbach

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