Winnenden

Wengert-Wetzede in Winnenden: 101 Starter tun Gutes bei Lions-Club-Spendenlauf

WengertWetzede
Sportlich: Mit Kinderwagen durch die Reben. © Gaby Schneider

101 Laufbegeisterte bewiesen ordentlich Schnauf und drehten 1091 Runden beim Sponsorenlauf des Lions Clubs rund um die Kelter in Hanweiler. Dabei haben sie auf einer Wegstrecke von 916,4 Kilometern eine Spendensumme von knapp über 2000 Euro erlaufen. Zum zehnjährigen Bestehen der „Wengert-Wetzede“ gelang auch dem Hanweiler Verein „Flecka“ mit seinem neuen Festkonzept trotz wechselhafter Wetterlage auf Anhieb eine Punktlandung.

Valentin ist fünf und wetzt mit. Der jüngere Bruder Theo will erst nicht so recht und guckt zu. „Er will lieber getragen werden“, scherzt Papa Martin Böttcher aus Hanweiler. Er trifft zufällig seine Bekannte Jeanette aus Schelmenholz, deren Überredungskunst bei Theo zündet. „Wie wäre das, wir beide drehen jetzt eine Ehrenrunde zusammen“, muntert sie ihn auf. Oder ist es Bruder Valentin, der mit seinem zweiten roten Gummiband am Arm in Sichtweite kommt und schnaufend, aber stolz wie Bolle, ein Päuschen am Wegrand einlegt? Theo kann ihm jedenfalls ganz stolz seine Startnummer zeigen, die spontan besorgt wird. „Da kam wohl der Ehrgeiz noch durch“, so sein Vater. „Wir kommen immer hierher, unterstützen es gern, wenn was vor der Haustüre geboten ist“, sagt er.

Dreimal in Folge ist die „Wengert-Wetzede“ ausgefallen, zweimal coronabedingt. Umso wichtiger war es den Veranstaltern, „die Tradition wieder aufleben zu lassen“, sagt Domeniko „Memo“ Skender, Pressesprecher der Lions.

Der Ertrag geht an den Tafelladen und den Schwaikheimer Verein INA

Die Wengert-Wetzede sei eine Laufveranstaltung ohne Wettkampfgedanken, bei der man etwas Gutes tun kann. Etwas Gutes tut sich jeder Teilnehmer ohnehin selbst, durch die Bewegung an frischer Luft. Dazu tun alle auch etwas Gutes für die Gesellschaft, weil die Erlöse immer an eine gemeinnützige Institution oder an Schulen gespendet werden. In diesem Jahr soll der Betrag an den Winnender Tafelladen und den Verein INA in Schwaikheim verteilt werden. Über deren Höhe entscheiden die gelaufenen Runden.

Auch Wind und Regen können den Laufbegeisterten nichts anhaben

89 Starter schickt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth mit einem „Peng“ aus der Startpistole auf die Strecke durch die Weinberge. Im Laufe des Nachmittags werden es 101 Wetzer mit den unterschiedlichsten Ambitionen. Vom Konditionswunder über trainierte Freizeitläufer, vom Walker im flotten Schritt bis zum gemütlichen Spaziergänger, vom zweieinhalbjährigen Steppke bis zum 88-jährigen Senior. Einigen können auch Wind und Regen nichts anhaben, sie laufen tapfer bis 16 Uhr durch. Eltern mit dem Sportkinderwagen schnaufen sich den Anstieg im Weinberg hoch – während das Kind seelenruhig pennt, auch als es holprig wird auf der unebenen Etappe. Eine Mama macht sich mit ihrer zwölf Monate alten Tochter auf den Weg, die im Tragetuch schläft. „Ihre sechs Kilo merke ich schon etwas an den Schultern“, sagt sie.

Vom Marathonläufer bis zum Senior, der „wenigstens“ eine Runde laufen will

Hannes Herrnberger tritt an, die Marathondistanz von 42,195 Kilometern zu laufen - die 50 Runden zu je 840 Metern schafft er nicht ganz. Genügsam ist Herbert Lang aus Schelmenholz unterwegs. Der 84-Jährige hat ein ganz besonderes Ziel: „Ich bin gekommen, um eine einzige Runde zu laufen“, sagt der Stammgast. „Es muss heißen: wenigstens eine“, ergänzt er. Früher sei er länger gelaufen, das wäre ihm jetzt zu viel. Aber: „Solange man’s noch aushält, tut es auch gut“, sagt er.

Sich alleine dazu aufraffen, das käme Doris Faas und Iris Kneisser nicht in den Sinn. „Die Kollegen haben mich motiviert“, sagt Doris Faas. „Wir haben uns gegenseitig angestupft“, sagt Iris Kneisser. Sie tummeln sich für das Team Kaysser im Läuferfeld. Auch für sie ist „Dabeisein“ das Entscheidende: „Unser Ziel war eine Runde“, sagen sie. Ein Blick auf ihre vier roten Gummibänder am Handgelenk zeigen, dass sie darüber deutlich hinausgewetzt sind. Den „Beweisbändel“ gibt’s für jede geschaffte Runde von den Streckenposten. „Jetzt holen wir uns unser fünftes Bändele, dann hocken wir hin zum Essen und Viertele.“

Kurz darauf kommt Marko angetrabt, Tochter Charlotte im Kinderwagen vor sich herschiebend. Auch er lässt sich den entgegengehaltenen Wasserbecher nicht entgehen. „Zehn wollen wir noch schaffen, dann ist Schluss“, ist die Ansage des aus Stuttgart angereisten Teilnehmers, der für das Winnender Team Künzel und Partner an den Start geht. Die Vorfreude auf Burger und Currywurst vom Verein „Hanweiler Flecka“ gebe ihm den nötigen Schub.

Das neue Konzept fürs „Kelterfest“ geht auf: Der „Hanweilermer Herbst“

Nachmittags wetzen, abends Wein trinken beim Hanweilermer Herbst – dies beflügele beide Seiten. „Die Wetzede bringt Leute her, die zu unserem Fest gleich dableiben“, sagt Dominik Wied, Vorsitzender des Hanweiler Vereins „Flecka“. 200 Mitglieder hat der Verein, der sich die inhaltliche Erneuerung des einstigen Kelterfests auf die Fahnen geschrieben hat. Das neue Konzept aus Lounge- und Livemusik, Liegestuhl-Zone zum Chillen, Stühlen und Tischen unter Schirmen ohne Zelt geht auf.

Als es dunkel genug ist, gehen für 150 Besucher die Lichter in den Feuerkörben an und Fackeln werfen ihren Schein in die Rebhänge und sorgen für ein Flair aus beleuchtetem Weinlaub. Dazu die Band "Birds of a Feather", die neuerdings als „Birds Band“ mit größerer Besetzung auftritt: Ihr sanftes Spiel, das perlende Zupfen, ergänzt um rockige und poppige Songs, ist wie gemacht für das heimelige Weinfest.

Eintrittspreis kommt der Band "Birds of a Feather" zugute

Mit dem Eintrittspreis fürs Konzert geht die Wetzede-Devise „Etwas Gutes tun“ weiter, weil die Erlöse nach Information von Dominik Wied an die Musiker gehen, die als Lockdown-Gebeutelte nach langen Auftritts- und Konzertpausen dies gut gebrauchen könnten. Der Eintrittspreis helfe zudem, den Ansturm etwas in Grenzen zu halten, so Dominik Wied. „Wir wollten kein Riesenfest, sondern gemütliches Beisammensein bei Feuer und Wein.“ Und das alles gestaltet vor der einmaligen Kulisse aus Weinhängen und beleuchtetem Weinlaub - „da schmeckt das gute Tröpfchen gleich nochmals besser“, sagt Domeniko Skender.

101 Laufbegeisterte bewiesen ordentlich Schnauf und drehten 1091 Runden beim Sponsorenlauf des Lions Clubs rund um die Kelter in Hanweiler. Dabei haben sie auf einer Wegstrecke von 916,4 Kilometern eine Spendensumme von knapp über 2000 Euro erlaufen. Zum zehnjährigen Bestehen der „Wengert-Wetzede“ gelang auch dem Hanweiler Verein „Flecka“ mit seinem neuen Festkonzept trotz wechselhafter Wetterlage auf Anhieb eine Punktlandung.

Valentin ist fünf und wetzt mit. Der jüngere Bruder Theo

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