Winnenden

Weniger Kalk im Trinkwasser

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In Winnenden fließt bald weicheres Trinkwasser aus dem Wasserhahn. © Hardy Zürn
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Ingenieur Rüdiger Haas aus Remseck hat das neue Wasserwerk geplant. Die blauen Rohre im Hintergrund sind das Kernstück, in ihnen wird das Winnender Wasser gefiltert.
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Das Winnender Trinkwasser hat in den meisten Wohngebieten deutlich über 14 Grad Wasserhärte.
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Im Wasserwerk: Hans-Peter Mohwinkel (Technischer Leiter), Wassermeister Manfred Knappe, die Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Mulfinger und Stefan Schwarz und Ingenieur Rüdiger Haas.
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Frisch und klar kommt das Wasser aus dem Filter, ein Anteil an ungefiltertem Wasser wird beigemengt, damit es nicht zu neutral schmeckt.

Winnenden. In einigen Wohngebieten werden es Winnender merken: Ab Mitte Mai wird das Wasser weicher, weil das erste von zwei neuen Wasserwerken in Betrieb geht. Die Folgen werden sein: Weniger Kalkschichten auf Armaturen, weniger Waschmittelverbrauch, Kaffee-, Spül- und Waschmaschinen halten länger, Leitungen verkalken weniger. Andere Folge: Im Trinkwasser steckt mehr Winnender Wasser.

Das Werk, das all dies möglich macht, steht im freien Feld an der Straße nach Schwaikheim. Dort pumpt die Stadt schon seit langem Trinkwasser aus 80 Metern Tiefe. Es sind Wasser, die von weit her unteririsch fließen und sich an dieser Stelle sammeln. Die Wasserqualität sei sehr gut, sagt der beratende Wassertechnik-Ingenieur Rüdiger Haas aus Remseck, aber es sei eben stark kalkhaltig.

Bislang löste die Stadt das Problem, indem sie etwas weicheres Wasser von der Nordostwürttembergischen Wasserversorgung (NOW) zukaufte und beimischte.

Kalk schmeckt: Deshalb geht ein Teil ungefiltert durch

Künftig braucht die Stadt nicht mehr so viel zu kaufen, weil sie das eigene Wasser durch den neuen Filter schickt. Der ist so stark, dass er sämtlichen Kalk und einige andere Stoffe herausfiltert.

Um dem Wasser noch einen Eigengeschmack zu lassen, mischen die Stadtwerke nach dem Filtern wieder Wasser mit Kalkgehalt bei, so dass am Schluss eine mittlere Wasserhärte von 12 bis 13 Grad herauskommt, „weil d’Leut koi deschtillierts Wasser trinka wellet“, sagt Ingenieur Haas. Heute hat das Winnender Trinkwasser in den meisten Wohngebieten deutlich über 14 Grad Wasserhärte.

Ultrafeiner Filter: Pumpen drücken das Wasser durch

Um den Kalk herauszuhalten, bauten die Stadtwerke das Häusle bei der Schwaikheimer Straße. Wie bisher pumpen sie an dieser Stelle das Wasser nach oben, aber seit einigen Tagen direkt in die Filteranlage, zunächst in einen zwei Stockwerke hohen blauen, mit Sand gefüllten Kessel, der das Grobe herausholt. Dann in die langen gewundenen blauen Rohre. Dort drin sind nach dem Schneckennudelprinzip gefaltete, ultrafeine Filterfolien. Eine Pumpe drückt das kalkhaltige Wasser durch die Filter. Wassertechnikingenieure sprechen bei dem Filtervorgang von einer „Umkehrosmose“, weil sie mit der Pumpe das Wasser zwingen, in die umgekehrte Richtung zu fließen als bei der natürlichen Osmose. Die Technik funktioniert jetzt schon tadellos, was der Probebetrieb beweist. Am Ende der langen blauen Rohre treten zwei Leitungen aus: eine große mit absolut kalkfreiem Wasser und eine kleine mit einer konzentrierten Kalkbrühe.

Die dicke Brühe fließt in ein Absetzbecken im Freien und dann in den Zipfelbach. Das gefilterte Wasser fließt weiter in Rohren, wird gemischt mit ungefiltertem Wasser und geht dann durch einen grauen Turm, die „Rieselkolonne“, in der das CO2 herausgeholt wird, das das Wasser auf seinem Weg durch Erdschichten mitgenommen hat.

Die Anlage läuft bereits, aber nur im Probebetrieb. Das heißt: Das optimal gemischte Wasser mit mittlerer Härte geht über einen offenen Graben runter in den Zipfelbach, und die Winnender kriegen zurzeit alle noch das ziemlich harte Wasser, das sie schon kennen. Erst wenn der Probebetrieb mehrere Tage fehlerfrei läuft, wenn alle Proben und Analysen die hohen Ansprüche an Trinkwasser erfüllen, wird der Hebel umgelegt, das gefilterte Winnender Wasser von der Schwaikheimer Straße hochgepumpt zum Hochbehälter am Waiblinger Berg und von dort in einen Teilbereich des Winnender Trinkwassernetzes geschickt.

Nach einer Phase der Preisstabilität: Wasser wird teurer

Von da an werden die Stadtwerke nur noch einen Rest Trinkwasser von der NOW beziehen. „Das spart Geld“, sagt Stadtwerkegeschäftsführer Stefan Schwarz. Die Einsparung soll dazu beitragen, dieses Wasserwerk zu finanzieren, wird aber nicht ausreichen. Das weichere Wasser muss den Winnendern auch einige Euro wert sein: Für 1. Januar 2019 und 1. Januar 2020 plant Stefan Schwarz Erhöhungen des Wasserpreises, der jetzt über mehrere Jahre hinweg stabil war.

Die neue Wasserhärtekarte für Winnenden ab Mitte Mai: Wer im türkisgrünen Bereich wohnt, bekommt in diesem Jahr schon Wasser mit mittlerem Härtegrad. Wer im roten Bereich wohnt, bekommt noch die volle Härte, solange die zweite Aufbereitungsanlage in Birkmannsweiler nicht gebaut ist.


Die Härtegrade

  • Hart ist das Wasser der Winnender in den allermeisten Gebieten zurzeit: 20 bis 23 Grad deutscher Härte kommen aus dem Wasserhahn. Bei einigen wird sich das am 15. Mai ändern.
  • Künftig werden 12 bis 13 Grad deutscher Härte erreicht, zunächst in einigen Wohngebieten, später in allen.
  • Noch härter als alles, was aus den Wasserhähnen fließt, ist das Tiefbrunnenwasser an der Schwaikheimer Straße: Ungefiltert hat es 32 Grad.