Winnenden

Wenn die Frau den Partner aus ihrer Wohnung schickt, muss er gehen - sagt das Amtsgericht Waiblingen

amtsgericht Waiblingen
Landeswappen im Amtsgericht Waiblingen: Weil er die Wohnung seiner Partnerin nicht verlassen wollte, stand ein Mann vor dem Richter. © Benjamin Büttner

Am 17. Juni 2020 gegen 16.32 Uhr ging auf dem Winnender Polizeirevier ein telefonischer Hilferuf ein. Sie werde von ihrem Freund, dem Vater ihres gemeinsamen Kindes, in ihrer Wohnung festgehalten, bat eine Frau verzweifelt um Unterstützung. Sie seien in Streit geraten, als sie ihn daraufhin aufforderte, die Wohnung zu verlassen und in seine eigene in Frickenhausen zu fahren, habe er sich geweigert, sei aggressiv geworden und habe die Tür verschlossen. Als sie daraufhin telefonisch um Hilfe rufen wollte, habe er ihr den Apparat weggenommen, sie am Arm gepackt und festgehalten. Doch schließlich sei es ihr gelungen, sich loszureißen, ins Bad zu flüchten und von dort aus anzurufen. Als die Beamten am Ort des Geschehens eintrafen, hatte sich die Situation allerdings bereits wieder etwas beruhigt.

Der Vorfall wurde vom Amtsgericht Waiblingen behandelt. Er habe sehr viel dazugelernt, versicherte der 24-jährige Angeklagte Richter Armin Blattner. Er werde sich in Zukunft anders verhalten. Und die „Strafe“, fünf Raten zu jeweils fünfzig Euro, zahlbar an die Bewährungshilfe Stuttgart e.V., nehme er selbstverständlich an. Denn schließlich, ergänzte er knitz, sei dieser Betrag viel niedriger als die 600 Euro, auf die der Strafbefehl ursprünglich gelautet hatte, den man ihm zugeschickt hatte.

Vater trägt Baby im Gerichtssaal

Mittlerweile habe sich die Beziehung wieder eingerenkt, trug der Vertreter der Staatsanwaltschaft seinen Teil zur Wahrheitsfindung bei. Die Geschädigte selbst habe mitgeteilt, dass sie kein Interesse mehr an einer weiteren Strafverfolgung habe, und versucht, die zuständige Sachbearbeiterin dazu zu bewegen, das Verfahren einzustellen. Zudem, ergänzte der Angeklagte, werde demnächst das zweite gemeinsame Kind geboren. Der Streit, erklärte er dem Gericht, sei doch nur deshalb entstanden, weil sein Sohn weinte, als die Mutter ihn aus der Wohnung fortschickte. „Wenn mein Kind weint, dann kann ich doch nicht einfach fortgehen. Die Mutter darf mich dann doch nicht aus der Wohnung wegschicken.“ - „Doch, das darf sie“, belehrte Richter Blattner, woraufhin der Angeklagte vorbrachte, sein Kind, das er zur Bestätigung der engen Beziehung zwischen Vater und dem Baby im Bauchtragegurt in den Gerichtssaal mitgebracht hatte, sei für ihn das Wichtigste auf der Welt. Er sei dafür verantwortlich und wünsche sich für seinen Sohn eine gute Zukunft. Und zu der Zeit, als die Polizei in die Wohnung kommen musste, hätten sie viel Stress miteinander gehabt. Seine Freundin sei depressiv gewesen, sie benötigte Hilfe. Doch inzwischen sei es wieder gut, beteuerte er.

Geld muss pünktlich ankommen

Dennoch, hakte der Richter nach, sei das, was am 17. Juni in der Wohnung geschehen sei, „nicht gut gewesen. Und das, was Sie gemacht haben, war auch nicht gut.“ Es sei jedoch möglich, die Geldstrafe, die ursprünglich auf 600 Euro lautete, in eine Geldauflage in Höhe von 250 Euro zu ermäßigen und dafür das Verfahren vorläufig einzustellen. Wichtig sei dabei aber, dass der Angeklagte am 15. April, Mai, Juni, Juli und August tatsächlich jeweils eine Rate in Höhe von 50 Euro auf das Konto der Bewährungshilfe Stuttgart überweise, „sonst sehen wir uns hier wieder, und dann wird es für Sie richtig teuer“, so die gut gemeinte richterliche Ermahnung zum Abschied.

Am 17. Juni 2020 gegen 16.32 Uhr ging auf dem Winnender Polizeirevier ein telefonischer Hilferuf ein. Sie werde von ihrem Freund, dem Vater ihres gemeinsamen Kindes, in ihrer Wohnung festgehalten, bat eine Frau verzweifelt um Unterstützung. Sie seien in Streit geraten, als sie ihn daraufhin aufforderte, die Wohnung zu verlassen und in seine eigene in Frickenhausen zu fahren, habe er sich geweigert, sei aggressiv geworden und habe die Tür verschlossen. Als sie daraufhin telefonisch um Hilfe

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