Winnenden

Wenn die Grundstückspreise explodieren, greift die Stadt Winnenden zum Vorkaufsrecht

Adelsbach
Baugebiet Adelsbach I in Winnenden: Auf den Äckern im Hintergrund entsteht bald das Baugebiet Adelsbach II. © ALEXANDRA PALMIZI

Wer heutzutage eine neue 100-Quadratmeter-Wohnung kaufen möchte, muss mehr als 500 000 Euro dafür hinlegen. Umso wichtiger ist, dass die Preise fürs Rohbauland, die am Anfang der Kette stehen, nicht ebenfalls in der Aufwärtsspirale immer weiter steigen. Aber wie kann man das verhindern? Die Stadt Winnenden kann es, wie das Beispiel des Wohngebiets Adelsbach II in der Gemeinderatssitzung zeigt.

Adelsbach I wird zurzeit bebaut, Adelsbach II aber existiert bisher nur als gestrichelt markierter Geltungsbereich auf einer Flurstückskarte. Ganz wichtig war, dass sich die Stadt für diesen Geltungsbereich ein Vorkaufsrecht vormerken hat lassen. Sobald ein Stück Acker, späteres Bauland, per Notarvertrag den Besitzer wechseln soll, muss der Notar die Stadt informieren und abfragen, ob sie Interesse hat. „Das haben wir“, so der Leiter des Amts für Grundstücksverkehr, Ralf Köder. „Wir verfolgen damit bestimmte Ziele, zum Beispiel bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen, zum Beispiel mit Tiny-House-Grundstücken.“

„Eine ungesunde Entwicklung“

Und siehe da, eins der ersten Geschäfte durchkreuzt die Stadt nun mit ihrem Vorkaufsrecht. Ziemlich perplex schaute sich Stadtrat Andreas Herfurth die vorgelegten Zahlen an: Da wollte doch tatsächlich der Besitzer sein 738 Quadratmeter großes Grundstück zum Preis von 220 000 Euro weiterverkaufen. „Das ist schon ein starkes Stück und eine ungesunde Entwicklung“, urteilte der SPD-Fraktionschef und gab Köder Rückendeckung, das Vorkaufsrecht geltend zu machen und zur Not das Risiko eines Rechtsstreits einzugehen.

Denn die Stadt ist mitnichten bereit, die horrende Summe zu bezahlen. Erstens liegen 251 Quadratmeter des Ackers gar nicht im Geltungsbereich von Adelsbach II und haben somit nur einen Bodenrichtwert von etwa 1130 Euro. Zieht man diesen possierlichen Betrag von der genannten Kaufsumme ab, bleiben für die übrigen 487 Quadratmeter 28 870 Euro übrig, 449 Euro pro Quadratmeter, „das Doppelte von dem, was für Bauerwartungsland bezahlt werden soll“, so Herfurth.

Der in einem Gutachten des Stadtentwicklungsamts festgelegte Verkehrswert indes liegt bereits bei (auch schon stolzen) 250 Euro pro Quadratmeter. Und den würde die Stadt bezahlen. Dass sie selbst den Preis limitiert, dafür hat sie ein Recht, „wenn der Verkaufspreis erkennbar deutlich den Verkehrswert überschreitet“, heißt es in der Vorlage, und Ralf Köder machte deutlich, dass er sich im Vorfeld bereits von einem Rechtsanwalt hat beraten lassen.

„Der Verkäufer ist informiert“, berichtete Ralf Köder im Gemeinderat, und er ließ nicht unerwähnt, dass es für dessen Behauptung, dass mehrere Bauträger bereit gewesen seien, diese Summe zu bezahlen, keinerlei Beweis gebe.

Der Gemeinderat gewährt der Stadt 130 000 Euro, um das Grundstück im Geltungsbereich Adelsbach II zu kaufen.

Wer heutzutage eine neue 100-Quadratmeter-Wohnung kaufen möchte, muss mehr als 500 000 Euro dafür hinlegen. Umso wichtiger ist, dass die Preise fürs Rohbauland, die am Anfang der Kette stehen, nicht ebenfalls in der Aufwärtsspirale immer weiter steigen. Aber wie kann man das verhindern? Die Stadt Winnenden kann es, wie das Beispiel des Wohngebiets Adelsbach II in der Gemeinderatssitzung zeigt.

Adelsbach I wird zurzeit bebaut, Adelsbach II aber existiert bisher nur als gestrichelt

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