Winnenden

Wie Andreas Hinkel vom Fan zum Fußballprofi wurde

Andreas Hinkel_0
Trainer Andreas Hinkel (rechts) mit Davide Matozzo vom Trikotmuseum (2. von rechts) und der Mannschaft des VfB Stuttgart II. © Ralph Steinemann

Winnenden. In stundenlanger Arbeit haben Davide Matozzo und Andreas Hinkel den Keller des Ex-Profis durchforstet und nach Ausstellungsstücken für die Andreas-Hinkel-Ausstellung gesucht. „Ich hatte schon viel mit Sammlern zu tun. Aber mit so einem noch nie“, sagt Matozzo und grinst.

Was der Inhaber des Trikotmuseums meint: Hinkel hat nahezu alles aus seiner Zeit als Fußballer aufgehoben. Angefangen bei Schuhbürsten und Reinigungsartikeln über Schraubstollen bis hin zu Medaillen und Trikots aus seiner Zeit beim TSV Leutenbach. So ist beispielsweise ein Pokal mit der Aufschrift „Torschützenkönig 1990/1991“ im Trikotkeller ausgestellt. Hinkel war also nicht immer ein Verteidiger. In seiner Jugendzeit wusste er sehr wohl auch, wo das gegnerische Tor steht. Daneben hängt ein gelbes Trikot vom TSV. Es ist zwar circa 30 Jahre alt, aber sieht immer noch aus wie neu. „Wahnsinn. Wie konnte er das so gut in Schuss halten?“, fragt sich Hinkels Co-Trainer Walter Thomae. Auch die Spieler der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart blicken interessiert auf die Exponate. Manch einer nimmt die Pokale und Medaillen in die Hand, andere interessieren sich eher für die Trikots.

Wie kam es überhaupt dazu, dass das Team, das in der Regionalliga Südwest gerade gegen den Abstieg kämpft, nach Winnenden kommt?

Eine soziale Aktion muss pro Saison dabei sein

„Bei uns im Verein muss jede Mannschaft einmal pro Saison eine soziale Aktion unterstützen“, erzählt Hinkel. Dem VfB II fehlte eine solche Maßnahme noch. Da kam Hinkel die Idee, nach Winnenden zu kommen. Auch wenn sich die aktuelle Ausstellung um ihn selbst dreht, will er sich keinesfalls in den Vordergrund stellen. „Natürlich ist es eine schöne Sache, wenn die eigene Karriere in einer Ausstellung zu sehen ist. Das Wichtige am Ganzen bin aber nicht ich, sondern der gute Zweck. Es geht um das Projekt.“ Wenn die Exponate nicht im Trikotmuseum von Davide Matozzo stehen, dann lagert Hinkel einiges in seinem Keller. „Dort steht noch viel mehr. Wir haben uns jetzt aber auf diese Auswahl beschränkt. Gemeinsam haben wir entschieden, dass wir der Ausstellung das Motto geben wollen 'Wie ich vom Fan zum Fußballprofi wurde'.“ So sind beispielsweise einige Autogrammkarten in der Ausstellung zu sehen, die Hinkel als kleiner Bub sammelte. Von Christoph Daum bis hin zu Fredi Bobic sind einige bekannte Namen dabei. Ob Hinkel ein Lieblingsausstellungsstück besitzt? „Nein“, sagt er. „Die Dinge, die hier zu sehen sind, sind für mich alle wichtig. Da will ich nichts über etwas anderes stellen.“

Im Museum fällt auf, wie bodenständig Hinkel geblieben ist. Geduldig beantwortet er Nachfragen, führt das Trainer- und Betreuerteam durch die Ausstellung und hat nahezu zu jedem Stück etwas zu berichten. Vor einem alten Foto des Fanclubs Weiß-Rote Schwoba Leutenbach bleibt Hinkel stehen und erzählt, dass das früher noch der Andi-Hinkel-Fanclub war. „Das Foto haben wir hier in Winnenden im Vereinsheim gemacht.“

Ungewisse Zukunft für Spieler und Trainer

Hinkels Spieler, wovon die meisten Anfang 20 oder jünger sind, sind begeistert von den Exponaten. So begeistert, dass Kapitän Lucas Kiefer sofort das Gespräch mit Matozzo sucht und ihn fragt, wie die Mannschaft sein Museum am besten unterstützen kann.

Insgesamt scheint der Besuch für das Team gerade recht zu kommen. In der Liga steht die Mannschaft vier Spieltage vor Saisonende auf einem Abstiegsplatz. Zukunft ungewiss. Auch Hinkel weiß noch nicht, wie es für ihn nach dieser Saison weitergeht. Sein Vertrag läuft bis zum Saisonende. Ob er dann vielleicht Trainer bei den Profis des VfB Stuttgart wird, die für die kommende Saison ebenfalls noch keinen Trainer haben? „Noch ist gar nichts entschieden. Ich stehe mit den Verantwortlichen im regelmäßigen Austausch“, sagt er.


Der Verein

Hinter dem Trikotmuseum steht der Verein „Spielertrikot für Kinderlachen“. Durch Museumseintritte, Spenden und Trikotversteigerungen werden benachteiligte oder kranke Kinder in der Region unterstützt.

Hinkel ist noch dazu Schirmherr. Für ihn lag es also nahe, mit seiner Mannschaft in die Heimat zu kommen. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.spielertrikot-fuer-kinderlachen.de.