Winnenden

Wie der Winnender Verein Discover einer alten Frau in Uganda hilft

Kräuterterrassen
Der einjährige Beifuß kann mehr, als nur bei der Verdauung helfen. © Wikimedia commons

Der Winnender Verein Discover pflegt seit Jahren intensive Kontakte zu hilfsbedürftigen Menschen in Uganda und initiiert Projekte zur Selbsthilfe vor allem in ländlichen Gebieten. Exemplarisch für die Discover-Arbeit in Afrika ist die rasch organisierte Hilfe für die Mutter von Prossie Namagembe in Uganda. Sie feierte am 18. September ihren 88. Geburtstag und benötigt dringend gesundheitliche Betreuung. Das Discover-Mitglied Rehema Namyalo organisiert und vermittelt in einem Seminar für 20 Teilnehmer heilpflanzenkundliches Wissen, um weit verbreitete Beschwerden behandeln zu können. An erster Stelle steht dabei der Anbau von Artemisia annua zur Malaria-Behandlung, aber auch die Verwendung anderer heimischer Heilkräuter bei Rheuma, Bluthochdruck und Anämie.

Die 88-Jährige ist ein Einzelfall, über den Discover berichtet, weil er für viele Fälle steht. Wie das Leben in dem ostafrikanischen Land aussieht, schildert Prossie Namagembe. „Ich denke jeden Tag an meine Mutter“, sagt die aus Uganda stammende Afrikanerin Prossie Namagembe, die in Deutschland lebt und mit einem deutschen Mann verheiratet ist. Mit ihrem gemeinsamen Sohn führen sie ein zufriedenes Leben: „Wir gehen arbeiten und sind alle gesund.“ In Corona-Zeiten denkt sie täglich an ihre 88-jährige Mutter in Uganda: „Mama“ lebt auf dem Land und bewirtschaftet eine kleine Farm. Prossie Namagembes Vater ist schon seit 20 Jahren tot. Von ihren zwölf Geschwistern leben nur noch sieben, die anderen sind sehr früh gestorben. Ein Bruder ist Pfarrer und lebt in Kenia.

„Den Krieg in Uganda, das Leid und die täglichen Probleme, die in Europa unvorstellbar sind, hat meine Mutter mit viel Kraft und Geduld ertragen“, berichtet Prossie Namagembe. Wenn ihre Mutter essen wolle, gehe sie aufs Feld und hole sich Gemüse und Matoke, ein mit Kartoffeln vergleichbares Grundnahrungsmittel in Uganda. Trinkwasser holt sie sich vom Brunnen, der jedoch bei Trockenheit nur wenig Wasser hat. Geld zu besitzen ist die Voraussetzung, um Fleisch kaufen zu können, was jedoch nur durch Arbeitseinsatz zu bekommen ist. Rente bekommt Namagembes Mutter nicht. Sie ist auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen, die für sie das Nötigste kaufen.

Überweisungen aus Europa

Nicht alle Menschen hätten das Glück, in Europa jemanden zu haben, der Geld überweisen kann. Es sind die Kinder, die sich um die Eltern kümmern müssen. Vor allem, wenn Covid-19 das ganze Leben in Uganda lahmlegt. Prossie Namagembe: „In unseren täglichen Telefongesprächen bedankt sich meine Mutter und gibt mir das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Meine Sorge um sie gibt ihr die Kraft, trotz ihres hohen Alters täglich Essen zuzubereiten für die vielen Armen und Waisen, für Kinder und alle anderen bedürftigen Menschen.“

Als Gegenleistung arbeiten diese auf den Feldern mit einfachsten Mitteln, um ihre Dankbarkeit zu zeigen. Alle profitieren davon. Auf den Feldern wachsen Mais, Bohnen, Maniok, Erdnüsse, Avocados, Mangos, Orangen, Ananas, Zitronen und anderes mehr. Das ganze Jahr wird schwere Arbeit für die Farm geleistet, aber der Ertrag bleibt gering. Hauptsache ist eine tägliche Mahlzeit.

Keine Krankenversicherung

„Meine Mutter hat sehr starke Schmerzen“, beschreibt Prossie Namagembe den Gesundheitszustand. Ihr Rücken tue ihr weh, so dass sie nicht mehr gerade laufen könne. Es gebe keine Krankenversicherung, jeder müsse alles selbst bezahlen, wenn man Medizin brauche oder ins Krankenhaus müsse.

„Ich habe eine Schwester und einen Bruder, die bei meiner Mutter wohnen“, schildert Prossie Namagembe die familiäre Situation. Eine weitere Schwester wohne mit ihrer Familie in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Ohne ausreichend Geld zu haben, weil sie nur begrenzt arbeiten dürften. Die Schwester verdiene in Kampala 200 000 Uganda-Schillinge - umgerechnet rund 50 Euro. Eine Familie mit vier Kindern könne davon eine Woche lang leben. Den Menschen auf dem Land gehe es so gesehen noch besser.

Salbe, Arznei und Unterricht

Von Winnenden aus initiiert, erhält Prossies Mutter aktive Unterstützung, um ihre gesundheitlichen Einschränkungen zu behandeln und zu mildern. Das Discover-Mitglied Rehema Namyalo unterrichtet als „Geburtstagsgeschenk“ einen Tag lang die Familie im Anbau und in der Anwendung von Heilpflanzen. Einen hohen Stellenwert haben dabei der vielfältige Nutzen von Artemisia annua und zum Beispiel auch die Herstellung von Salben gegen Rheumatismus und Arzneien gegen Bluthochdruck.

„Wenn meine Mutter krank ist, steht ein Auto zur Verfügung“, sagt Prossie Namagembe. Dieses Auto sei ein Geschenk ihres in Kenia lebenden Bruders. Sein altes Auto, das noch einmal repariert wurde und läuft.

Das Fazit von Prossie Namagembe: „Die Menschen ins Uganda sind trotz Corona und der vielen Einschränkungen glücklich und zufrieden. Der Glaube und die Hoffnung sind eine große Unterstützung in dieser schweren Zeit.“