Winnenden

Wie erhält eine Stadt mehr Sozialwohnungen? Winnenden nimmt Bauherren von Mehrfamilienhäusern in die Pflicht

Gerberstraße 34
Das Haus Gerberstraße 34 der Stadtbau wurde für Leute gebaut, die auf dem freien Markt so schnell keine Wohnung für sich finden. Hierfür könnte Geld aus den Ablösen der Bauherren in Neubaugebieten eingesetzt werden. © Büttner

Es wird gebaut und gebaut in Winnenden und trotzdem reichen die Wohnungen hinten und vorne nicht, vor allem nicht für Leute, die nur ein ganz normales Einkommen haben und kein Erbe, und für Leute, die unerwartet plötzlich eine Wohnung brauchen. Ihnen hilft am Ende nur die Stadt, und die weiß oft selbst nicht, woher sie günstige Wohnungen nehmen oder wie sie sie finanzieren soll. Deshalb hat der Gemeinderat vor zwei Jahren beschlossen: Wer Mehrfamilien- oder Reihenhäuser baut, der soll für Bedürftige mitbauen oder eine Ablösesumme bezahlen. Jetzt stellt sich heraus: Dieses Prinzip funktioniert. Es lindert nicht alle Wohnungsnöte und deckt nicht allen Finanzbedarf für Sozialen Wohnungsbau, aber es ist mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Im nächsten kleinen Baugebiet von Breuningsweiler gilt das Sozialbauprinzip

Erst für die jüngst beschlossenen Baugebiete wirkt das Prinzip und immer nur dann, wenn Projekte mit mehreren Wohnungen gebaut werden. Drei geplante Projekte unterliegen zurzeit dem Prinzip: zwei im kommenden Neubaugebiet Kreuzwiesen in Birkmannsweiler und eines im zukünftigen Baugebiet Haselsteinstraße in Breuningsweiler, beides kleine Baugebiete mit größeren Projekten in attraktiver Wohnlage.

Einer von drei Bauherrn baut für weniger Betuchte mit

Das Ergebnis aus den drei Projekten: Einer der Bauherren nimmt seine Pflicht wahr und baut für Bedürftige mit, das heißt: Er schafft in einem Projekt Wohnraum, der 30 Jahre lang einer Sozialbindung unterliegt, der also günstig vermietet wird an Mieter, die Anspruch auf die Vergünstigung haben. Die anderen beiden Bauherren wählten die Ablösesumme. Von ihnen bekommt die Stadt insgesamt so viel Geld, dass sie 118 Quadratmeter Wohnraum damit finanzieren kann. Das könnten zwei kleine Wohnungen sein. Immerhin etwas. Ganz anders sieht es aus, wenn Bauherren bauen, anstatt zu zahlen. Dann hätten sie 344 Quadratmeter Wohnraum geschaffen, hätten dann aber auch Einnahmen aus der Sozialmiete und eventuell Steuervorteile gehabt. Die Daten sind einem Bericht von Lisa-Marie Hermannspan, der stellvertretenden Leiterin des Stadtentwicklungsamts, entnommen.

Das Bezahlen einer Ablösesumme ist die zweitbeste Methode

Für den Bestand an bezahlbarem Wohnraum in Winnenden wäre es also am besten, wenn alle Bauherren bei größeren Projekten ein paar Sozialwohnungen mitbauen würden. Die Ablösesumme ist die zweitbeste Methode, die Wohnungsnot zu lindern.

Zu diesem ersten Bericht über das „Handlungskonzept Soziales Wohnen“ (Hasowo), wie das Sozialbauprinzip offiziell heißt, gab es keine große Diskussion im Gemeinderat, aber Kritik von FDP-Stadträtin Nicole Steiger: „Das Ganze ist sehr bürokratisch und verzögert Bauvorhaben.“

Nicht immer ist das Sozialbauprinzip ein Bremsfaktor

Lisa-Marie Hermannspan räumte ein, dass sich das Baugebiet Kreuzwiesen in Birkmannsweiler um ein Dreivierteljahr verzögert hat wegen der Verhandlungen um das Sozialbauprinzip. Aber sie erklärte auch: „Beim Baugebiet Haselsteinstraße sind die Verzögerungen minimal.“ Dort oben, knapp über den Weinbergen, wirkt ein anderer Faktor bremsend: Fragen des Artenschutzes sind noch nicht ganz geklärt. Bis jetzt waren nur zwei kleine Baugebiete betroffen vom Sozialbauprinzip. Spannend wird es in den nächsten Jahren, wenn das Schelmenholz in Richtung Henri-Dujol-Kreisel vergrößert wird und wenn in diesem künftigen Neubaugebiet drei Bauträger jeweils ein großes Projekt angehen. Auch die Baugebiete Adelsbach II, Bildstraße II in Birkmannsweiler und Kirchhofäcker in Hertmannsweiler werden jeweils mehrere Sozialwohnungen hergeben aus den größeren Bauprojekten – oder größere Ablösesummen für den städtischen Wohnungsbau.

Es wird gebaut und gebaut in Winnenden und trotzdem reichen die Wohnungen hinten und vorne nicht, vor allem nicht für Leute, die nur ein ganz normales Einkommen haben und kein Erbe, und für Leute, die unerwartet plötzlich eine Wohnung brauchen. Ihnen hilft am Ende nur die Stadt, und die weiß oft selbst nicht, woher sie günstige Wohnungen nehmen oder wie sie sie finanzieren soll. Deshalb hat der Gemeinderat vor zwei Jahren beschlossen: Wer Mehrfamilien- oder Reihenhäuser baut, der soll für

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