Winnenden

Wie Gäste in Winnender Lokalen auf die 3G-Kontrolle reagieren

Bacchuskeller
Kostas Gatsios, Bacchuskeller. © Gaby Schneider

Wie kommt die 3G-Kontrolle bei Gastronomen und ihren Gästen an? Gibt es Unmut oder gar Aggressionen, wie der Dehoga-Verband berichtet? Und was ist, wenn in der fortdauernden Pandemie die Warnstufe oder gar die Alarmstufe erreicht wird, mit was rechnen die Restaurants? Wir fragten bei Frank Windeisen (Traube Hanweiler) und Kosta Gatsios (Bacchus-Keller) nach.

„Wir haben auf jeden Fall Gäste verloren, die sich nicht testen lassen wollen“, sagt Frank Windeisen. Trotzdem ist sein Restaurant täglich einmal ausgebucht, entweder mittags oder abends. Am Empfang bitten seine Frau Lisa Windeisen oder die Service-Mitarbeiterinnen freundlich darum, den Impf- oder Genesenennachweis oder den aktuellen Schnelltest vorzuzeigen. „Die Reaktionen waren bisher nie böse oder aggressiv, aber dennoch sehr unterschiedlich“, erzählt Frank Windeisen nach Rücksprache mit seiner Frau. Entweder sind die Gäste top vorbereitet und kommen quasi mit dem gezückten Smartphone herein, auf dem das Zertifikat oder das negative Testergebnis gespeichert ist. Oder sie kehren noch einmal um, weil sie Impfpass oder Zettel im Auto vergessen haben. „Manche reagieren allerdings auch überrascht. Als würden die 3G nicht in jedem Lokal kontrolliert werden“, sagt Windeisen.

Dabei ist es Pflicht für alle Gastronomen, die Leute in Innenräumen bewirten wollen. „Es ist eine Verordnung, an die wir uns halten. So wie hygienische Standards im Lokal und bereits vor Corona in der Küche“, sagt Windeisen. Die habe er ja auch noch nie infrage gestellt.

Schulkinder müssen keinen gesonderten Schnelltest vorlegen

Was tatsächlich aber auch noch für Verunsicherung sorgt, ist der Testnachweis von Schulkindern. „Es genügt, wenn sie oder die Eltern den Schülerausweis vorzeigen“, sagt Windeisen. Das sei bei vielen Gästen aber noch nicht durchgedrungen. Kinder und Jugendliche werden seit diesem Montag dreimal die Woche morgens in der Schule getestet, das gilt zwei Tage, daher müssen sie nicht zusätzlich zu einer offiziellen Teststation, um in der Freizeit etwas unternehmen zu können. Nur wer morgens positiv schnellgetestet wird, macht den genaueren PCR-Test. Erst wenn auch dieser positiv ausfällt, muss das Kind in Quarantäne und darf dann natürlich auch nicht mehr essen gehen.

„Bei uns sind etwa 80 Prozent der Gäste geimpft oder genesen, 20 Prozent kommen mit einem Test“, sagt Frank Windeisen. Er hält die momentane Regel für sehr gut, und das Team fühlt sich auch sicher. „Sollte die Warnstufe eintreten und ein PCR-Test nötig werden, dann glaube ich, dass das jemand höchstens für eine Veranstaltung macht, aber nicht nur zum Essengehen.“ Also sprich, wenn das Jahrgangstreffen ist oder eine Geburtstagseinladung. Dazu kommt, dass schon die Schnelltests ab 11. Oktober nicht mehr kostenlos sein sollen. Und für einen anlasslosen PCR-Test musste man bisher ebenfalls selbst Geld hinlegen.

In der Warnstufe wird's auch für manche Mitarbeiter umständlich und teuer

Da das Hanweiler Gasthaus an seinen vier Öffnungstagen bisher eine sehr gute Nachfrage hat, glaubt Frank Windeisen, dass die Traube in der Warnstufe immer noch gut besucht sein wird. Zurzeit muss er immer wieder Leuten absagen, wenn die Test-Gäste wegfallen, werden alle anderen profitieren. Sein Umsatz sei indes noch nicht vergleichbar mit 2019, er liege etwa 20 Prozent darunter.

Fürs Servicepersonal kommt ab der Warnstufe hinzu, dass sich ungeimpfte Mitarbeiter zweimal die Woche testen lassen, das Ergebnis vier Wochen aufbewahren und auf Verlangen vorzeigen müssen. Ob das hinhaut? Frank Windeisen hat Vertrauen. „Es ist toll, wie unsere Mitarbeiter an einem Strang ziehen, ich muss mit ihnen nicht über die Standards diskutieren.“ Auch da hat er von diversen Kollegen oder über den Dehoga-Verband schon anderes gehört. Beruflich erfüllen die Traube-Mitarbeiter alle, egal, ob sie privat anderer Meinung sind oder anders handeln würden, die Bedingungen.

In der Alarmstufe wiederum käme man nur noch in ein Restaurant hinein, wenn man geimpft oder genesen ist. „2G wäre für die Gastronomie keine Erleichterung“, widerspricht er dem Waiblinger Kollegen Bachofer, der vergangene Woche in unserer Zeitung zitiert wurde. „Weil wir ja weiterhin alles kontrollieren, die Kontakte erfassen und vermutlich auch die Masken tragen müssen.“ Gäste so lange, bis sie an ihrem Platz sitzen, Bedienungen die ganze Zeit.

Frank Windeisen sagt, seine Stimmung momentan sei „zwiegespalten“. Einerseits sei sein Betrieb durch die Mehrwertsteuersenkung, durch die Überbrückungshilfe und das vorher vorhandene Polster gut durch die Krise gekommen. Andererseits sitzt der Familie noch der erste überraschende Lockdown im Nacken, als von heute auf morgen Schluss war, ungeachtet voller Vorratskammern. „Dazu kommt das Wissen, dass sich alle Krisen früher oder später auf uns auswirken“, denkt Frank Windeisen an die Autoindustrie im Klimawandel oder die Versorgungssicherheit und Preisentwicklung bei Lebensmitteln.

Für pure Freude sorgen indes die Rückmeldungen der Gäste, auch auf die stark ausgebauten und selbst entwickelten veganen und vegetarischen Gerichte. „Wir sind den Umschwung von Alt auf Jung früh angegangen, ohne an der bisherigen Qualität einzubüßen. Man darf sich einfach nicht auf den Lorbeeren ausruhen“, sagt Windeisen. Und auch den Außer-Haus-Umsatz hat Corona angekurbelt. „Noch immer macht er zehn bis 20 Prozent des Umsatzes täglich aus“, freut sich Windeisen.

Es sind derzeit nur rund 30 Sitzplätze im Gewölbekeller nutzbar

Nach den Sommerferien ist auch der Bacchus-Keller von Konstantinos Gatsios einen Schritt Richtung Normalität weitergekommen. „Der Abholservice läuft Gott sei Dank immer noch sehr gut, dadurch ist das Minus nicht so groß.“ Die Terrasse ist zwar immer noch nicht fertig, aber Kosta Gatsios bewirtet wieder unten in dem schönen Gewölbekeller an der Schorndorfer Straße. „Doch mit ungefähr 30 Leuten ist mein Lokal nun voll, weil zwischen den Gästen, die sich nicht kennen, Abstand gehalten werden muss. Und Tische in zwei Schichten belegen, das will ich auch nicht.“ In normalen Zeiten könnte er doppelt so viele Menschen bedienen. „Wenn wir 2G hätten, wäre mir eine volle Belegung erlaubt.“ Kosta kann der 2G-Regel durchaus etwas abgewinnen. Er würde nicht warten, bis die staatliche Alarmstufe ausgerufen ist, sondern es selbst von den Gästen verlangen. „Ich überlege mir das. Denn bisher waren 95 Prozent meiner Gäste geimpft“, weiß Kosta Gatsios. Einen leicht skurrilen Auftritt legte lediglich eine Frau hin, die ihm ihren Plastikstreifen von zu Hause vorlegte. „Sie hat gemeint, ein Selbsttest würde ausreichen“, erzählt Kosta amüsiert.

Beim Tanzen ohne Maske muss es jetzt schon ein PCR-Test sein

Das frühere Samba sieht jetzt ganz anders aus und heißt Dreamcity. Der Club hat am vergangenen Samstag (25.9.) erstmals seit langem wieder Gäste zum Tanzen empfangen dürfen, weil die Betreiber, Efi und Georgios Koutsonas eine Lüftung und eine Klimaanlage mit virenkillendem UVC-Licht eingebaut haben, die Kontakte erfassen und am Einlass 3G kontrollieren. Doch es sind besondere 3G, damit die ungeimpften und nicht-genesenen Gäste ebenfalls ohne Maske tanzen dürfen: getestet sein muss man mit einem PCR-Test. Der ist derzeit noch nicht überall ohne weiteres zu bekommen und kostet 40 Euro aufwärts. Die Folge war jede Menge Ärger für die Clubchefin Efi Koutsonas: "Ich musste 150 Leute wegschicken, weil sie nur einen Antigen-Test hatten, oder zwar geimpft waren, aber erst vor zehn Tagen." Etwa 120 Menschen, die 2G korrekt erfüllten, blieben der überschaubare Rest. Sie hofft, dass die Stammkunden, die extra von weit her kamen und sich schick gemacht hatten, nicht nachhaltig vergrätzt sind. "Wir können uns aber keinen Stress leisten, wenn ein Fehler bei einer Kontrolle auffliegt, nach allem, was wir hier investiert haben."    

Wie kommt die 3G-Kontrolle bei Gastronomen und ihren Gästen an? Gibt es Unmut oder gar Aggressionen, wie der Dehoga-Verband berichtet? Und was ist, wenn in der fortdauernden Pandemie die Warnstufe oder gar die Alarmstufe erreicht wird, mit was rechnen die Restaurants? Wir fragten bei Frank Windeisen (Traube Hanweiler) und Kosta Gatsios (Bacchus-Keller) nach.

„Wir haben auf jeden Fall Gäste verloren, die sich nicht testen lassen wollen“, sagt Frank Windeisen. Trotzdem ist sein

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