Winnenden

Wie ist die Sicherheitslage in der Stadt?

Sicherheitslage in Winnenden_0
Diebstähle sind nur statistisch um 30 Prozent zurückgegangen – es passiert stattdessen mehr Betrug im Internet, und Geschäfte sparen die Ladendetektive ein. © ZVW/Danny Galm

Winnenden. Die Polizei legt fürs Jahr 2017 beruhigende Zahlen im Gemeinderat vor: „1644 Straftaten, das ist der geringste Wert der letzten fünf Jahre“, sprach Friedhelm Veigel, stellvertretender Revierleiter. „Zudem stehen wir ganz gut da, mit unserer Aufklärungsquote von 64,7 Prozent liegen wir etwas über dem Landesdurchschnitt.“

Wie der Vize-Revierchef die Sicherheitslage beim Stadtfest einschätzt, wollte Stadtrat Christoph Mohr (Ali) wissen. Dem Citytreff (20. bis 23. Juli) sieht Friedhelm Veigel professionell-gelassen entgegen – in der Gewissheit, dass man mit verstärkter Polizeipräsenz, einer guten Zusammenarbeit mit einem privaten Sicherheitsdienst sowie den von der Stadt gemieteten Zufahrtssperren alles Erforderliche tut und im Vorfeld getan hat.

„Meine Kollegen werden Störenfriede des Platzes verweisen oder, falls eine Straftat passiert ist, diese schnell aufnehmen und die Täter ermitteln“, verspricht er.

Anstieg der Rohheitsdelikte: ZfP-Standort spielt eine Rolle

Zurück ins vergangene Jahr, einige Zahlen bedürfen der Erklärung und Einordnung durch den Polizeibeamten. Eindeutig und hocherfreulich ist der Rückgang der Wohnungseinbrüche von 23 auf 16. Rückgang auch bei den Diebstählen um 200 auf 477 – hierzu sagt Veigel, dass dies einerseits daran liegt, dass Unternehmen immer seltener Ladendetektive beschäftigen und somit so mancher Diebstahl gar nicht mehr entdeckt und angezeigt wird. Andererseits verlagert sich die Straftat (wie das Einkaufsverhalten auch) ins Internet, wo betrogen oder mit gefälschten Waren gehandelt wird.

 

Traurigerweise gibt es einen deutlichen Anstieg bei den Körperverletzungen. „Darunter sind zwei Fälle versuchten Totschlags, die derzeit vor Gericht verhandelt werden“, sagte Veigel. „Allein 46 dieser Fälle haben sich in der Psychiatrie zwischen Patienten oder zwischen Patient und Personal abgespielt. Der Standort spielt für die Statistik eine Rolle.“

Straftat: Pornofilm, der mit dem Handy verschickt wird

Ähnlich verhält es sich mit den Gemeinschaftsunterkünften, in denen Flüchtlinge leben. „99 Tatverdächtige sind Flüchtlinge oder Zuwanderer und die meisten stammen aus Gambia, aus Syrien oder dem Irak. Sie haben 125 Straftaten begangen, 86 davon jedoch in einer Asylbewerberunterkunft.“

 

 

Zu Diebstahl, Körperverletzung und Drogenhandel dort kommen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. „Weil das im Gemeinderat immer gefragt wird, sage ich es gleich dazu: In sieben der 25 Fälle war der Tatverdächtige ein Flüchtling.“

 

 

Achtmal ist Exhibitionismus unter dieser Deliktart aufgeführt, ebenso gehören dazu schwerste Fälle, also Vergewaltigung, Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern und Erwachsenen. Und die Verbreitung pornografischer Schriften. „Das beschäftigt vor allem unsere Jugendsachbearbeiter, wenn ein Film mit dem Handy verschickt wird. Dann ist es sofort ein Straftatbestand.“ Veigel erläutert weiter, dass nach den Vorfällen in der Silvesternacht von Köln der Bund den neuen Straftatbestand der sexuellen Belästigung eingeführt hat. Auch dieser Umstand wirkt sich auf die Statistik aus. Früher ging unsittliches Berühren als Beleidigung durch.

Gewalt gegen Polizeibeamte war indes schon immer strafbar, und auch hier ist ein erschreckender Anstieg von zwölf auf 28 Fälle verzeichnet worden. „Nimmt man die Fälle in Berglen, Leutenbach und Schwaikheim dazu, sind es aber 41 Fälle. Zehn Kollegen sind dabei verletzt worden.

Bei insgesamt 52 Kollegen ist fast jeder im vergangenen Jahr einmal Opfer einer strafbaren Handlung geworden.“ Veigel registriert, dass auch andere Autoritäten angegriffen werden, nicht mehr respektiert werden, ob es Lehrer, Stadtbedienstete, Notärzte oder Schornsteinfeger sind. „Warum das so ist, müsste ein Soziologe beantworten.“


363 Unfälle

In Winnenden sind 291 Unfälle mit Sachschaden und 72 mit Personenschaden registriert. „Unfallflucht spielt mit vier bis sieben Prozent eine Rolle“, sagte Veigel im Gemeinderat.
Der neue Revier-Leiter, Nachfolger von Manfred Schluchter, fängt am 1. Oktober an und heißt Andreas Lindauer. Doch die Ruhestandswelle rollt.

„Im Herbst beginnen harte Zeiten und ich sehe bis 2024 wenig Besserung.“ Vize-Revierleiter Friedhelm Veigel weiß, dass das Land nicht mehr Leute ausbilden kann als derzeit. Er würde bestimmte Tätigkeiten nicht mit ausgebildeten Polizisten, sondern mit Arbeitern und Angestellten besetzen.