Winnenden

Wie Kinder ohne eigenen Ausweis einen offiziellen Corona-Test erhalten

Teststation
Das Testzentrum im ehemaligen Hardy-Modegeschäft © Gabriel Habermann

Einigermaßen verzweifelt hat sich die Mutter eines fünfjährigen Kindes an unsere Redaktion gewandt. Sie hatte in der Teststation im ehemaligen „Hardy“ gesagt bekommen, das Kind müsse sich künftig mit einem Reisepass ausweisen, das sei eine neue Vorgabe vom Gesundheitsamt. Doch ein Telefonat unserer Redaktion mit dem Pressesprecher des Landessozialministeriums später waren alle schlauer. Die Vorgabe ist keineswegs so strikt, dass nun auf einmal alle Eltern einen teuren Reisepass für ihr Kleinkind beantragen müssen, der womöglich auch erst in einigen Wochen fertig ist.

Stadt verlangt fünf offizielle Tests, wenn es in der Gruppe einen Corona-Fall gab

„Wenn das Kind keinen Ausweis hat, ist es ausreichend, dass die Erziehungsberechtigten bei Testung des minderjährigen Kindes ihr Ausweisdokument vorlegen.“ Das hat Pascal Murmann im Internet auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums gefunden unter „häufige Fragen“ (FAQ). Er vermutet, das Missverständnis kam wegen der generellen Ausweispflicht zustande. „Für die kostenlosen Bürgertests sollen die Leute ihre Identität nachweisen, um Betrug vorzubeugen.“ Klar, je mehr Testnachweise verlangt werden, bei der Arbeit, in Bus und Bahn, im Konzert, desto eher könnte mensch zu schummeln versuchen und mit dem negativen Testergebnis eines anderen Zutritt bekommen. Aber ein Kindergartenkind? Es geht weder selbstständig in die Teststation, noch geht es mit fremden Leuten mit, und auch das Reinschummeln in eine andere Kitagruppe ist ja Quatsch mit Soße.

Warum aber muss die Mutter überhaupt einen offiziellen Test bringen? Die Stadt Winnenden hat doch Schnelltests an alle Eltern verteilt, so dass sie dreimal die Woche zu Hause testen können. „Die Stadt verlangt von uns offizielle Tests, wenn in der Gruppe ein Corona-Fall aufgetreten ist“, berichtet die Winnenderin, „und zwar fünf Tage in Folge.“ 

Philipp Hatzis, Betreiber der Teststationen am Stadion, in Birkmannsweiler und Hertmannsweiler, führt das auf einen Umstand zurück, der Misstrauen gegenüber den Schnelltests für zu Hause gesät hat: "Bevor das Paul-Erhlich-Institut seine Liste von zuverlässigen Tests herausgebracht hat, durften die Schnelltesthersteller ihre Bewertung selber machen." In seiner Teststation arbeitet er nur mit einer Sorte Test und dem Nasenabstrich, was sich als "zuverlässig und treffsicher" herausgestellt hat. Hatzis kennt mittlerweile die meisten seiner Testkunden, die Schulkinder kontrolliert er nicht. "Das machen wir bei Erwachsenen, wenn wir einen Verdacht haben. Dann lassen wir uns den Ausweis zeigen."

Klare Aussage in der Teststation: Der Ausweis von Mutter oder Vater reicht

Eine Testerin von Minessa Medical im ehemaligen „Hardy“ bestätigt das. Derzeit würden sozusagen morgens ganze Kindergartengruppen vorbeischauen, da ist Highlife. Die Frau sagt aber auch, dass sie von kleinen Kindern keinen Pass braucht, „es reicht der Personalausweis von Vater oder Mutter“. Es habe sich, glaubt die Testerin, wohl um ein Missverständnis gehandelt.

Die Mutter bekam beim ersten Mal ohne extra Kinderausweis trotzdem ihren Test und hatte sich beim zweiten Mal mit der Geburtsurkunde ihres Kindes beholfen. Am dritten Tag brachte sie auf Rat unserer Redaktion einen Ausdruck von der betreffenden Passage der Internetseite mit.

Freilich steht da, dass jeder „gegenüber testenden Stellen einen amtlichen Lichtbildausweis vorlegen muss“. Mit folgenden Ausnahmen: „Kinder und Jugendliche können sich auch mittels Kinderreisepasses oder mittels eines Schülerausweises ausweisen.“ Und dann noch eine Ausnahme, die nicht nur für Kindergartenkinder gilt. „Für Kinder und Jugendliche, die über kein Ausweisdokument verfügen, ist es ausreichend, dass Erziehungsberechtigte ihr Ausweisdokument vorlegen.“

Einigermaßen verzweifelt hat sich die Mutter eines fünfjährigen Kindes an unsere Redaktion gewandt. Sie hatte in der Teststation im ehemaligen „Hardy“ gesagt bekommen, das Kind müsse sich künftig mit einem Reisepass ausweisen, das sei eine neue Vorgabe vom Gesundheitsamt. Doch ein Telefonat unserer Redaktion mit dem Pressesprecher des Landessozialministeriums später waren alle schlauer. Die Vorgabe ist keineswegs so strikt, dass nun auf einmal alle Eltern einen teuren Reisepass für ihr

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