Winnenden

Wie naturnah sind die Streuobstwiesen der Stadt Winnenden am Gießübel?

Stückle
Gepflegte Wiese und dahinter ein überwuchertes Stückle. © Alexandra Palmizi

Die Stadt ist Stücklesbesitzer. Das will mancher Gartenfreund schier nicht glauben, wenn er sieht, welche Anstrengungen und Einschränkungen das Baurecht den Stücklesbesitzern abverlangt. Manchmal kommt ein Baukontrolleur. Der sagt: Die Schaukel muss weg! Den Zaun müsst ihr rausreißen! Wer das erlebt, der möchte schon wissen: Wie sieht es dann auf den Stückle der Stadt selber aus?

Diese Frage beschäftigte einige Gemeinderäte im Technischen Ausschuss. Der Grund: Die Stadt möchte eine Menge Arbeit in ihre Stückle stecken. Über 100 000 Euro will sie ausgeben, um Flächen auf dem Birkmannsweilermer Gießübel in einen ökologisch wertvollen Zustand zu bringen.

Was ist los mit den städtischen Stückle?

Städtische Grundstücke müssen mit so viel Aufwand jetzt gepflegt werden? Kann das sein? SPD-Fraktionssprecher Andreas Herfurth bohrte nach. Hat die Stadt ihre Stückle vernachlässigt? Ihn konnte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth beruhigen. Die Stadt besitzt wirklich pflegebedürftige Stückle, aber erst seit kurzem. Sie waren davor in Privatbesitz.

Es ist die alte Geschichte von vielen Streuobstwiesen und Stückle auf Winnender Gemarkungen. Für frühere Generationen waren sie wertvolle Felder und Wiesen zur Obst- und Gemüse-Erzeugung. Sie wurden weitervererbt. In manchen Fällen lebt die heutige Besitzergeneration gar nicht mehr in der Region. Die Stückle liegen unbehandelt am Hang und fallen allmählich den Besitzern zur Last. Brombeeren überwuchern Wiesen und kleine Bäume. Dickes, unzugängliches Gestrüpp beherrscht das Terrain. Niemand wird der Verwilderung mehr Herr.

Brombeeren breiten sich aus

Wenn die Brombeeren sich viele Jahre ungebremst ausbreiten, schafft es laut OB Holzwarth kein Privatmensch mehr, das Stückle in eine ökologisch wertvolle Streuobstwiese zurückzuverwandeln. Für weit weg wohnende oder gealterte Eigentümer ist es schlicht unmöglich, aus dem Stückle noch irgendeinen Nutzen oder gar einen Genuss zu ziehen. Das Erbe wird zur Last. Und sie wissen nicht, wohin damit.

In den letzten Jahren hat die Stadt, insbesondere Umweltereferent Jürgen Kromer, solche Stückle aufgekauft, wenn sie sich mit den Eigentümern einigen konnte. Die Stadt kann mit einigem Aufwand die ökologische Wertigkeit dieser Stückle wieder herstellen. „Das bringt aber keinen wirtschaftlichen Mehrwert für die Stadt“, meinte FWV-Stadtrat Hans-Peter Luckert im Technischen Ausschuss. „Ich gebe Ihnen recht“, meinte OB Holzwarth, „mit dem Gras und den Äpfeln haben wir keine großen Einnahmen. Aber der ökologische Mehrwert für alle ist da.“

So viel Geld für die Stücklespflege?

Die Stadt hat aber auch allen Grund, diesen ökologischen Mehrwert zu schaffen: Neue Baugebiete weist sie aus. In Birkmannsweiler sind es die Kreuzwiesen am Buchenbach und das Gereut am Gießübel. Immer gehen bei solchen Neubaugebieten auf Wiesen und Feldern ökologisch wertvolle Teilflächen verloren. So etwas muss heutzutage ausgeglichen werden mit der Aufwertung der Ökologie an anderer Stelle. Dafür hat die Stadt die Stückle gekauft. Um Ökopunkte für Baugebiete zu bekommen, investiert sie auch in die Ökologie der Stückle.

„Müssen wir dafür 103 000 Euro ausgeben?“, fragte Stadtrat Martin Oßwald-Parlow (ALi). „Ja. Das müssen wir“, antwortete Stadtentwickler Markus Schlecht. Den Auftrag für die Pflegearbeiten bekommt die Berglener Familie Seiter. Bei ihr sind die Fachleute der Stadt überzeugt, dass sie die Arbeiten, die nur Profis bewältigen, fachgerecht ausführt. Brombeeren werden sie mit den Wurzeln entfernen müssen. Und manche alten Baubestände werden sie restlos abbauen, zum Beispiel Gewächshäuser oder Geschirrhütten.

Ist die zugewachsene Wiese erst vom Gestrüpp befreit, bekomme sie wieder ihre volle Vitalität, sagt Markus Schlecht. Und die Stadt bekommt Ökopunkte und kann neue Baugebiete ausweisen. Weil sie Natur schafft, darf sie auch Wohnraum entstehen lassen.

Die Stadt ist Stücklesbesitzer. Das will mancher Gartenfreund schier nicht glauben, wenn er sieht, welche Anstrengungen und Einschränkungen das Baurecht den Stücklesbesitzern abverlangt. Manchmal kommt ein Baukontrolleur. Der sagt: Die Schaukel muss weg! Den Zaun müsst ihr rausreißen! Wer das erlebt, der möchte schon wissen: Wie sieht es dann auf den Stückle der Stadt selber aus?

Diese Frage beschäftigte einige Gemeinderäte im Technischen Ausschuss. Der Grund: Die Stadt möchte eine

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