Winnenden

Wie sich die Volkshochschule wegen Corona turboschnell digitalisiert hat - und trotzdem Angst vor roten Zahlen haben muss

Maskenrätsel Andreas Frankenhauser
Andreas Frankenhauser leitet seit März 2020 die Volkshochschule. © ALEXANDRA PALMIZI

Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen mit der Maske um? In Teil 8 unserer kleinen Serie berichtet Andreas Frankenhauser, Leiter der Volkshochschule Winnenden und Umgebung, von seinem ersten Jahr in Winnenden. Er hat am 2. März 2020 angefangen – und statt Einarbeitung und Antrittsbesuchen fand er sich im Krisenmanagement und Lockdown-Stress wieder.

Damals im März, beim ersten Gespräch, ahnten er und die Berichterstatterin nicht, was Corona noch alles mit sich bringen würde. Er freute sich noch darauf, die Winnender bei einem „Schwätzle“ in der Fußgängerzone oder bei einer Veranstaltung kennenzulernen. Fünf Tage später wurden die Schulen, zehn Tage später fast alle Geschäfte dichtgemacht. „Ich hatte einen relativ vollen Kalender, doch bis heute hat keiner der darin vereinbarten Antrittsbesuche stattgefunden!“ Begegnungen mit Kooperationspartnern und Dozenten habe er überwiegend per E-Mail oder Videokonferenz gehabt, Ausnahmen waren die Tagung des Vorstands des Trägervereins und ein Treffen mit dem 15-köpfigen Team – jeweils mit viel Abstand und Lüften.

Nach anfänglichem Befremden gibt ihm die Maske nun ein gutes Gefühl

Andreas Frankenhauser (45) sagt daher beim Video-Interview: „Die meisten Winnender werden mich nicht kennen.“ Ob mit oder ohne Mund-Nasen-Bedeckung. Wie geht's ihm mit dem Teil? „So ein Stück Stoff im Gesicht zu haben, war auch für mich anfangs befremdlich. Inzwischen habe ich mich total daran gewöhnt.“ Nicht das Fremdheitsgefühl herrsche nun vor, weil man nicht das ganze Gesicht der anderen Person sieht, sondern ganz im Gegenteil: „Die Maske ist bei mir jetzt positiv besetzt, gibt mir Sicherheit und zeigt, dass man Rücksicht nimmt auf die Gesundheit des anderen.“

Er glaubt an eine Rückkehr der Normalität, wenn alle ab 65 geimpft sind

Da die Volkshochschule immer aktuelle Themen und Trends aufgreift, gab es selbstverständlich schon einen Masken-Nähkurs sowie ein komplettes Wintersemester unterm Schwerpunkt Corona. „Zwei Vorträge sind noch im Januar geplant, in einem berichtet der Vorstandsvorsitzende von Kärcher über die Auswirkungen der Pandemie, im anderen Keith Lindsey über die Lage in Afrika mit dem Virus“, sagt Frankenhauser. Die bisherigen virtuellen Vorträge seien gut angenommen worden. „Ich glaube, dass wir vor dem Sommer keine Präsenzbegegnungen haben werden. Es kommt darauf an, wann die Leute durchgeimpft sind. Vielleicht“, mutmaßt der 45-Jährige, „kommen wir zurück zu einem normalen Leben, wenn alle über 65 geimpft sind?“ Eins ist ganz sicher, wenn er an der Reihe ist, macht er mit: „Ich bin nicht erpicht darauf, dieses Virus zu kriegen.“

Verzicht aufs Programmheft, bis die Pandemie vorbei ist

Das Erstellen und Drucken der Programmhefte, das hätte sich die Volkshochschule dieses Jahr sparen können. „Es hat sich einfach unvorhersehbar viel verändert.“ Andreas Frankenhauser hat daraus eine Konsequenz gezogen: Es soll das gedruckte Programm erst wieder geben, wenn die Pandemie vorbei ist und das Leben in geordneten Bahnen verläuft. „Das nächste Heft im Februar wird klein ausfallen, nur Interviews mit Dozenten enthalten und auf unsere Website verweisen. Dort können wir immer das aktuelle Programm darstellen.“

Die Gesundheitskurse funktionieren super online

Dass die Volkshochschule nun einen modernen Internetauftritt hat, ist eine der positiven Folgen der Corona-Pandemie. „Wir merkten schnell, dass wir in dem Bereich besser werden müssen“, sagt Andreas Frankenhauser. Insgesamt habe das Virus einen regelrechten „digitalen Schub“ ausgelöst. „Wir hatten turboschnell Onlineangebote, schulten die Dozenten, und los ging’s. Eigentlich verrückt, aber wir wollten so viele Kurse wie möglich retten.“

Frankenhauser hatte im März darauf getippt, dass Mathekurse für Schüler und Sprachkurse online am besten laufen. „Doch erstaunlicherweise waren es die Leiter der Gesundheitskurse und ihre Teilnehmer, die die größte Bereitschaft zeigten, da mitzumachen, das hätte ich nicht erwartet.“ Gleichwohl waren viele im Sommer froh, dass viele Kurse im Freien, zum Beispiel im Schlosspark, stattfinden konnten, wo man einander direkt begegnete und wo die Dozentinnen und Dozenten Fehlhaltungen der Teilnehmenden einfacher erkannten und korrigierten. „Das macht ja auch die Qualität der Kurse aus, darauf legen wir wert“, so Frankenhauser.

Der 45-Jährige kündigt an, dass „der Onlinebereich auch künftig erhalten bleibt, größer als vor der Pandemie. Aber es wird nicht der Hauptbereich sein. Er war eine super Möglichkeit, um Alternativen zu bieten. Aber machen wir uns nichts vor: Eine Volkshochschule ist ein Lernort und braucht den sozialen Austausch.“ Frankenhauser glaubt überdies, dass die „Leute nach Corona erst mal Nachholbedarf haben und sich Präsenzkurse direkt wünschen“.

Die Finanzsituation 2021 macht Frankenhauser Sorgen

Apropos, was sind denn die Wünsche des 45-Jährigen fürs neue Jahr? „Ich habe Lust darauf, eigene Ideen umzusetzen, dafür bin ich angetreten“, sagt er. Der studierte Historiker wollte etwa bedeutende geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen auf die Stadtgeschichte herunterbrechen – und für Veranstaltungen mit Profi- wie Laienhistorikern kooperieren.

Einige Sorgen bereiten ihm inzwischen aber die Finanzen. Schon im Sommer war klar: Durch die Corona-Krise büßt die Volkshochschule rund 37 Prozent ihrer Einnahmen ein. Sie kann ihre Ausgaben aber nur um etwa 20 Prozent senken. Frankenhauser hatte im Sommer gehofft, höhere Zuschüsse von den Trägerkommunen Winnenden, Schwaikheim und Leutenbach zu erhalten. Doch sie sagten nur Kredite zu, wobei ihm nicht klar ist, wie die Einrichtung sie zurückzahlen soll. Nur Berglen, das nicht Mitglied des Vereins ist, stockte seinen Zuschuss um 2130 Euro auf.

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