Winnenden

Wie Taxifahrer in Winnenden sich durch die Coronakrise kämpfen

Taxi Buffi
Sabine und Andreas Rost, die Inhaber des Taxiunternehmens Buffi. © Gabriel Habermann

Das Taxi ist da, der Kunde steigt ein - und hustet die ganze Fahrt über. Dem Fahrer muss in Zeiten von Corona ja ganz schön mulmig werden, wenn er mit Fremden auf engstem Raum in der Autokabine sitzt. Wir hakten bei zwei Winnender Taxiunternehmen nach, wie sie sich schon vor dem Mund-Nasen-Masken-Gebot geschützt haben.

„Bis die Anweisungen vom Land Anfang April kamen, haben wir die Kunden teils gebeten, hinten Platz zu nehmen, oder uns selbst mit Mund-Maske und anschließend Desinfektionsmittel geschützt“, sagt Sabine Rost von Taxi Buffi. Seit Mitte April hat jedes Auto eine Scheibe in der Mitte zwischen erster und zweiter Sitzreihe angebracht. „Die Anweisung lautet, dass die Fahrgäste hinten sitzen müssen und maximal zwei Personen aus demselben Haushalt befördert werden dürfen.“

Aber wenn jemand krankheitsbedingt nicht hinten sitzen kann, nimmt er vorne Platz, und die Fahrer tragen ausnahmsweise Mundschutz. Gesetzlich erlaubt ist das nicht. Wer geblitzt wird, zahlt dafür zusätzlich 60 Euro Strafe. Rost begrüßt es daher in jedem Fall, wenn die Kunden von sich aus Mundschutz tragen, um den Fahrer zu schützen. „In der Grippesaison 2019 mussten wir viele Menschen fahren – und es wurden viel mehr Fahrer von uns krank als jetzt in der Coronazeit“, sieht sie einen Fortschritt in den verschärften Hygieneregeln. „Wir würden einen positiven Fahrgast oder einen Verdachtsfall unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregelungen selbstverständlich mitnehmen“, sagt sie.

Taxi Wesner nicht wählerisch: „Wir haben eine Betreiberpflicht“

Wie sieht es bei Taxi Wesner aus? „Unsere Fahrer tragen alle eine Maske“, sagt Inhaber Ercan Pekbey. „Außerdem desinfizieren sie nach jeder Fahrt die Autos. Das ist nicht einmal eine Arbeitsanweisung. Die Fahrer tun das von sich aus, weil sie sich selbst in den Autos wohlfühlen möchten.“ Fahrgäste müssen außerdem immer hinten einsteigen. Zwischen dem Fahrerraum und der Rückbank ist eine Plexiglasscheibe angebracht. Würde Pekbey coronapositive Fahrgäste oder Verdachtsfälle zum Arzt oder ins Klinikum fahren? „Genesene Personen haben wir schon aus dem Krankenhaus abgeholt. Mit einem coronapositiven Fahrgast waren wir bis jetzt noch nicht konfrontiert“, sagt er. „Wie wir da reagieren würden, kann ich so auf Anhieb gar nicht sagen. Eigentlich haben wir keine Wahl, da wir eine Betreiberpflicht haben. Eine coronapositive Person ist schließlich nicht so schlimm wie ein stark Alkoholisierter, der das ganze Auto vollkotzt.“

Kurzarbeit angemeldet, viel weniger Taxis im Einsatz

Wie in vielen Branchen sorgt das Coronavirus bei den Taxiunternehmen derzeit für ganz andere Probleme: „Wir haben keine Geschäftsleute mehr, die wir fahren, Schüler fahren nicht mehr mit uns in die Schule, und auch die meisten Krankenfahrten fallen aus“, sagt Sabine Rost, die das Taxiunternehmen Buffi gemeinsam mit ihrem Mann Andreas führt. Da im Krankenhaus im Moment keine Besucher erlaubt sind, falle auch diese Klientel weg. Was noch übrig bleibe, seien hin und wieder Stadtrundfahrten.

Buffi hat elf Taxis und einen Mietwagen im Fuhrpark. Insgesamt arbeiten im Unternehmen 20 Mitarbeiter. „Wir haben Kurzarbeit beantragt“, sagt Sabine Rost. Die Aushilfen, die üblicherweise auch für Buffi fahren, bleiben im Moment zu Hause. „Discos und Bars sind ja auch alle zu. Somit haben wir für unser Ruftaxi, das nachts fährt, quasi auch keine Aufträge“, berichtet die Inhaberin.

Vor dem Coronavirus waren für Buffi morgens sechs, mittags fünf und nachts zwei Taxis im Einsatz. „Am Wochenende hatten wir in der Nacht sogar sechs bis sieben Taxis im Einsatz“, sagt sie. Jetzt sind morgens und mittags jeweils zwei Taxis unterwegs, in der Nacht nur noch eines. „Es ist einfach eine blöde Zeit gerade“, sagt Rost. „Aber wir sind da nicht alleine. Ich denke, dass es den Konkurrenten da auch so geht“, sagt sie.

Die wichtigsten Einnahmefelder sind weggebrochen

Ercan Pekbey, Inhaber von Taxi Wesner, hat ganz Ähnliches zu berichten. „Am Bahnhof kommt nicht mehr die frühere Kundenzahl mit der S-Bahn an. Unsere Autos stehen dort teilweise sehr lange“, berichtet er. „Unser Geschäft am Krankenhaus ist komplett eingebrochen, da unwichtigere Eingriffe verschoben werden. Seit Wochen hatten wir keine Fahrt mehr zum Flughafen und auch unsere Reha-Fahrten, die quer durch das Bundesland gehen, fehlen. Das waren vor Corona unsere wichtigsten Einnahmefelder“, sagt er und fügt nach einer kleinen Pause hinzu: „Was die Einnahmen angeht, braucht man in der Branche im Moment sehr, sehr starke Nerven.“

Bei Taxi Wesner arbeiten derzeit drei festangestellte Mitarbeiter und fünf Aushilfen. Für zwei der festangestellten Fahrer hat Pekbey Kurzarbeit beantragt.

Das Taxi ist da, der Kunde steigt ein - und hustet die ganze Fahrt über. Dem Fahrer muss in Zeiten von Corona ja ganz schön mulmig werden, wenn er mit Fremden auf engstem Raum in der Autokabine sitzt. Wir hakten bei zwei Winnender Taxiunternehmen nach, wie sie sich schon vor dem Mund-Nasen-Masken-Gebot geschützt haben.

„Bis die Anweisungen vom Land Anfang April kamen, haben wir die Kunden teils gebeten, hinten Platz zu nehmen, oder uns selbst mit Mund-Maske und anschließend

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