Winnenden

Wie wird Weihnachten in Winnendens Kirchen?

Weihnachten in den Kirchen
„Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, / die Steppe soll jubeln und blühen“ – diese Vision des Propheten Jesaja aus dem Alten Testament ist zurzeit in der Borromäuskirche dargestellt. Zu Jesajas Visionen gehört die Ankündigung der Geburt eines Kindes, das der Messias sein wird – ein vorweihnachtliches Motiv aus der Bibel. © ALEXANDRA PALMIZI

Nichts ist normal in diesem Jahr an Weihnachten. Normal wäre, dass einige tausend Menschen wenigstens einmal an den Feiertagen die Kirchen besuchen würden, dass sie zu einer Krippenfeier, einer Orchestermesse, einem Festgottesdienst gingen, dass alle zusammen „Oh du fröhliche ...“ oder „Stille Nacht“ sängen. Das alles geht nicht so, wie es seit Jahrzehnten üblich ist. Die Kirchen haben sich eingestellt auf die neuen Bedingungen der Corona-Pandemie, weichen ins Freie aus, begrenzen Musik und Besucherzahlen in den Kirchen, blicken wie alle auf die Infektionszahlen im Landkreis und im Land und denken so wie Pfarrer Reimar Krauß von der evangelischen Kirche in Winnenden: „Wir hoffen, dass wir die Gottesdienste, die wir vorbereitet haben, überhaupt feiern dürfen.“

Am 24. Dezember Gottesdienste im Stadtgarten

Vorbereitet ist Ungewöhnliches. An Heiligabend, dem Tag, an dem die evangelische Stadtkirchengemeinde traditionell den allergrößten Besucherandrang hatte, weicht sie mit Gottesdiensten ins Freie aus. Im Stadtgarten, zum Beispiel, findet jeweils um 15, 15.45 und 16.30 Uhr ein Gottesdienst statt, bei dem laut Landesverordnung eine Höchstzahl von 500 Besuchern zugelassen ist – „noch“, wie Pfarrer Krauß betont. Wenn es bei dieser Zulassung bleibt bis zum 24. Dezember, dann wäre der vermutete größte Bedarf an kirchlichen Weihnachtsfeiern in Winnenden gedeckt, zumal Pfarrer Essich zur gleichen Zeit Gottesdienste auf dem Spielfeld der Hungerbergschule abhalten wird. Weil die Feiern im Freien sind, werden nicht so viele Besucher kommen wie an früheren Heiligabenden. Die Pfarrer Essich, Krauß und Braungart möchten aber für die Weihnachtsfeiertage einen Gottesdienst per Video aufnehmen und über die Homepage der Kirche zugänglich machen. Den musikalischen Part sollen Kirchenmusikdirektor Gerhard Paulus und vier Altistinnen wahrnehmen.

Katholiken feiern in der Kirche – bei stark begrenzter Personenzahl

Schwieriger wird es in der katholischen Kirche, wo der größte Andrang traditionell bei der Orchestermesse am ersten Weihnachtsfeiertag erlebt wurde. Es wird ganz anders: Kein Orchester spielt, der Kirchenchor ist für einige Zeit stillgelegt, aber Dirigent und Organist Peter Kranefoed wird die Orgel spielen, und wahrscheinlich wird eine Schola von wenigen Sängern vierstimmig singen – allerdings vor einem stark reduzierten Kirchenvolk: 72 Personen dürfen die Borromäuskirche noch besuchen zum Gottesdienst. Wenn es Familien sind, werden es ein bisschen mehr. Aber nur so sind die Abstandsregeln haltbar. Pfarrer Gerald Warmuth hofft nur, dass die Kirche nicht überrannt wird am ersten Weihnachtsfeiertag, und er hat deshalb vorsorglich schon einen zweiten Gottesdienst um 12 Uhr angesetzt, der erste ist um 10.30 Uhr.

Anmeldelisten für Festgottesdienste füllen sich jetzt schon

Für beide Gottesdienste müssen sich die Besucher anmelden. Nur wer auf der Liste der Angemeldeten steht, darf in den Gottesdienst. „Wenn viele Anmeldungen kommen, machen wir eventuell einen weiteren Gottesdienst“, sagt Warmuth. Wahrscheinlich werden die beiden Gottesdienste schon in der nächsten Woche ausgebucht sein.

In früheren Jahren kamen immer sehr viele junge Familien mit Kindern zum Krippenspiel am 24. Dezember nachmittags. Das fällt aus. Ersatz: Die Borromäuskirche ist von 16 bis 18 Uhr für Kinder und Eltern geöffnet an Heiligabend. Weihnachtliche Motive werden in der Kirche verteilt aufgestellt sein, und Besucher können sich ein „Licht von Bethlehem“ mitnehmen, eine brennende Kerze – alles unter Einhaltung der Abstandsregeln.

In Rorate-Feiern Dienstag morgens um 6 Uhr gibt es noch Platz

Traditionell gut besucht ist auch der Gottesdienst in der Heiligen Nacht, die Christmette. Das gemeinsame Essen danach ist in diesem Jahr nicht möglich. Dafür wird es zwei dieser Gottesdienste geben, einen um 22 Uhr, einen um 24 Uhr. Für beide melden sich die Besucher jetzt schon an. Anmeldung über das Pfarrbüro Winnenden 0 71 95/91 91 10 oder per E-Mail stkarlborromaeus.winnenden@drs.de bis 17. Dezember. Besondere Feiern wie der Weihnachtsgottesdienst im Freien in Oppelsbohm am 24. Dezember sind praktisch jetzt schon ausgebucht. Mancher, der gerne in die katholische Kirche möchte, wird an Weihnachten wegen der Abstandsvorschriften keinen Zugang bekommen. Vielleicht nutzt er dann doch die Adventsandachten, zum Beispiel, die Rorate-Feiern, die in der Borromäuskirche immer am Dienstag in aller Herrgottsfrühe um 6 Uhr stattfinden. Sie sollen wunderschön sein – weiß der Redakteur vom Hörensagen. Und es gibt noch Platz. Wie immer ist die katholische Kirche tagsüber geöffnet. Im Advent wird jede Woche ein neues Motiv aus den Visionen des Jesaja Gelegenheit zur Meditation und zum Gebet geben.

Nichts ist normal in diesem Jahr an Weihnachten. Normal wäre, dass einige tausend Menschen wenigstens einmal an den Feiertagen die Kirchen besuchen würden, dass sie zu einer Krippenfeier, einer Orchestermesse, einem Festgottesdienst gingen, dass alle zusammen „Oh du fröhliche ...“ oder „Stille Nacht“ sängen. Das alles geht nicht so, wie es seit Jahrzehnten üblich ist. Die Kirchen haben sich eingestellt auf die neuen Bedingungen der Corona-Pandemie, weichen ins Freie aus, begrenzen Musik und

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