Winnenden

Wiederholungstäterin kommt nach Ladendiebstahl mit Bewährungsstrafe davon

Stealing apple in food store
Diebstahl im Supermarkt. © Adobestock

„Ich hatte kein Geld.“ So begründete eine Angeklagte vor Richterin Isabel Thümmel einen umfangreicheren Ladendiebstahl. Der hat ihr nun eine Verurteilung zu vier Monaten Haft eingebracht.

Minigurken, Suppenfleisch, Tomaten, Minutensteaks, Spargel, Zahnpasta… Waren des täglichen Bedarfs mit einem Gesamtverkaufswert von insgesamt 39,62 Euro befanden sich am 14. Oktober in der Einkaufstasche der Kundin eines Winnender Supermarkts. Sie hatte vor, diese Waren kurz vor 19 Uhr klammheimlich an der Kasse vorbeizuschmuggeln und zur Ablenkung lediglich eine Flasche Mineralwasser aufs Förderband zu legen. Doch der Versuch scheiterte. Der Mann an der Kasse war trotz der vorgerückten Stunde hellwach und forderte sie auf, die Tasche zu öffnen.

 Was dann folgte, war Routine. Die ertappte Diebin wurde ins Marktbüro gebeten, das Winnender Polizeirevier alarmiert. Als von dort ein Beamtenpaar anrückte, sahen sie sich einer „ruhigen, ertappt wirkenden“ Verdächtigen gegenüber, so einer des Duos im Zeugenstand.

Nachdem er die Frau über ihre Rechte belehrt habe, habe sie den Diebstahl auch sofort zugegeben, berichtete er. Sie sei einsichtig und kooperationswillig gewesen, lediglich als man sie fragte, ob sie schon einmal „erkennungsdienstlich“ behandelt worden sei, habe sie zunächst gelogen und dies abgestritten, weil sie sich vor dem anwesenden Personal des Supermarkts, mit dem sie bekannt sei, geschämt habe. Nach dem Verlassen des Ladenlokals habe sie dann aber von sich aus eingeräumt, dass sie bereits wegen ähnlicher Delikte den Behörden bekannt sei. Der Supermarkt erstattete Strafanzeige und im Juli kam es im Waiblinger Amtsgericht zur mündlichen Verhandlung.

Erst in Spielkasino gearbeitet, dann arbeitslos geworden

Der 58-jährigen geschiedenen Angeklagten war es anzusehen, dass sie im Laufe ihres Lebens schon bessere Zeiten erlebt hat. In ihrem Geburtsland Tschechien hatte sie einst den Beruf der Hotelfachfrau erlernt. Als sie 2001 nach Deutschland kam, sei diese Ausbildung aber nicht anerkannt worden, erzähle sie dem Gericht. Sie arbeitete in einem Spielkasino, bis sie krank wurde und vor fünf Jahren einen Herzschrittmacher implantiert bekam. Seitdem sei sie arbeitslos und lebe von Hartz IV, von 400 Euro im Monat.

Auf die Frage der Richterin, ob sie eine Vorstellung habe, wie es in ihrem Leben weitergehen solle, erwiderte sie: „Ich werde versuchen, Arbeit zu suchen.“ Sie habe keine konkreten Vorstellungen, bis vor einem Monat sei sie krankgeschrieben gewesen. Vielleicht könne sie in der Gastronomie, vielleicht in einem Reinigungsunternehmen arbeiten. Corona und Lockdown machten die Arbeitssuche auch nicht leichter.

Aber die Depression, an der sie leide, habe sie im Griff, betonte sie. Sie nehme regelmäßig ihre Tabletten, sei somit eingestellt, und habe einmal im Monat eine Sitzung bei ihrem Psychologen. Zuverlässig habe sie auch die Termine bei ihrem Bewährungshelfer wahrgenommen, sie sei einsichtig und kooperationsbereit gewesen, versicherte dieser in seinem Bericht, den die Richterin verlas. Unter dessen Aufsicht stand sie bis April aufgrund einer Verurteilung wegen Diebstahls aus dem Jahr 2019.

Staatsanwältin fordert fünf Monate Haft ohne Bewährung

Mit einer Bewährungsstrafe dürfe es diesmal nicht getan sein, forderte die Staatsanwältin nach Abschluss der Beweisaufnahme durch das Gericht. Die Angeklagte müsse zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten verurteilt werden. Mit Bewährungsstrafen und Arbeitsauflagen sei sie offensichtlich nicht mehr zu beeindrucken. Sie habe den Diebstahl begangen, als sie noch unter Bewährung stand, es handle sich bei ihr um eine Wiederholungstäterin und sie weise keine günstige Sozialprognose auf, die Voraussetzung dafür sei, eine Freiheitsstrafe auszusetzen.

 Dieser Argumentation schloss sich die Richterin nicht an. Ihrer Ansicht nach war eine Verurteilung zu vier Monaten Haft, zur Übernahme der Verfahrenskosten und zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die innerhalb eines Jahres abzuleisten sind, durchaus tat- und schuldangemessen. Die Freiheitsstrafe werde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, die Angeklagte für diese Zeit der Aufsicht einer Bewährungshelferin unterstellt.

Die Richterin ging davon aus, dass die Angeklagte sich auch ohne Haft das Urteil „als letzte Warnung dienen lässt“. Zudem könne sie sehr wohl eine günstige Prognose vorweisen: sie verfüge über eine Wohnung, ihr Lebensunterhalt sei durch den Bezug von Hartz IV gesichert, sie habe ihre psychische Erkrankung im Griff und lebe in stabilen Verhältnissen, auch im Hinblick darauf, dass sie erst jüngst Großmutter wurde.

Für die Angeklagte spreche, dass sie die hinter ihr liegende Bewährungszeit gut durchgehalten habe, es sei lediglich zu dieser einen Straftat gekommen. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass es sich bei dem Diebesgut um Artikel des täglichen Bedarfs handle, die Summe sei relativ gering und die Waren blieben in dem Geschäft, nachdem die Angeklagte gestellt worden war.

Als Bewährungsauflage wurde sie von der Richterin dazu vergattert, jeden Wohnungswechsel dem Gericht anzuzeigen, zudem sei sie verpflichtet, sich um einen Arbeitsplatz zu bemühen. Zum Beweis dafür müsse sie alle drei Monate dem Gericht ihre Bewerbungen vorlegen, so lange, bis sie einen Arbeitsplatz gefunden hat.

„Ich hatte kein Geld.“ So begründete eine Angeklagte vor Richterin Isabel Thümmel einen umfangreicheren Ladendiebstahl. Der hat ihr nun eine Verurteilung zu vier Monaten Haft eingebracht.

Minigurken, Suppenfleisch, Tomaten, Minutensteaks, Spargel, Zahnpasta… Waren des täglichen Bedarfs mit einem Gesamtverkaufswert von insgesamt 39,62 Euro befanden sich am 14. Oktober in der Einkaufstasche der Kundin eines Winnender Supermarkts. Sie hatte vor, diese Waren kurz vor 19 Uhr klammheimlich

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