Winnenden

Wildes Verfolgungsrennen auf der B 14 - Motorradfahrer vor dem Amtsgericht

B14 Schild
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Überhöhter Testosteronspiegel und der unverdaute Konsum zu vieler Filme aus der „Fast and Furios“-Reihe führten auf der B 14 zwischen Waiblingen und Winnenden zu einem wilden Verfolgungsrennen, dessen Teilnehmer am Mittwoch, 30. Juni, im Waiblinger Amtsgericht die Ziellinie überquerten.

Ein Zeuge hat keine Lust, vor Gericht zu erscheinen

Die mündliche Verhandlung gegen einen dreißigjährigen Motorradfahrer, der sich wegen einer Anklage der Nötigung im Straßenverkehr zu verantworten hatte, endete zunächst allerdings ohne Urteil. Richter Johannes Weigel musste die Verhandlung auf den Fortsetzungstermin 21. Juli, 15.30 Uhr, vertagen, weil ein Zeuge unentschuldigt ferngeblieben war. Als der Richter ihn während der Verhandlung antelefonierte und fragte, warum er nicht erschienen sei, erklärte der zunächst, dass sein Auto kaputt sei, und auch, dass er einfach nicht vor Gericht erscheinen wolle. Eine teure Unlust, brachte sie ihm doch ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro, ersatzweise drei Tage Haft ein sowie die Übernahme der Kosten, die durch sein Nichterscheinen entstanden sind. Gratis dazu gab es den Hinweis des Richters, wenn er am 21. Juli nicht vor Gericht erscheine, werde es „richtig teuer“ und könne man ihn auch von der Polizei vorführen lassen.

Bereits im Frühjahr war ein erster Versuch des Gerichts gescheitert, den Vorfall aufzuhellen, der sich am 16. September des vergangenen Jahres zwischen Waiblingen und Winnenden abgespielt hatte und der zu der Anklage geführt hatte. Der Zeuge, der diesmal die Verhandlung geschwänzt hatte, war damals noch nicht identifiziert worden, da lediglich seine Telefonnummer bekannt war, die der Angeklagte von ihm am Ort des Geschehens erhalten haben will. Da die Aussagen des Angeklagten sich von der des mutmaßlich Geschädigten und einer unbeteiligten Zeugin allzu sehr unterschieden, wollten weder Gericht noch Angeklagter auf die Darstellung dieses Zeugen verzichten.

Motorradfahrer: Habe mich bedroht gefühlt

Der Angeklagte war am 16. September 2020 gegen 15.30 Uhr mit seinem Motorrad der Marke Kawasaki zwischen Waiblingen und Winnenden in Richtung Backnang unterwegs, mit seiner damals schwangeren Lebensgefährtin als Beifahrerin/Sozia. Nach dem Blitzer und vor der Ausfahrt zum Rastplatz Sörenberg habe er auf der nur sehr schwach befahrenen Bundesstraße beschleunigt, als vor ihm auf der linken Spur ein Pkw auftauchte. Da der Fahrer trotz freier rechter Fahrspur den Weg nicht freigab - „wahrscheinlich war es jemand, der einfach nur Motorradfahrer nicht mag“, so der Angeklagte -, überholte er schließlich auf der rechten Spur und setzte anschließend seine Fahrt mit etwa 120 Stundenkilometern fort.

Daraufhin habe der Pkw ihn verfolgt, sei bis auf wenige Meter hinter ihn herangefahren, so dass er und seine Partnerin sich bedroht fühlten, und habe ihn dann rechts überholt. Während des Überholvorgangs habe ihm der junge Mann, der den Pkw lenkte, den „Stinkefinger“ gezeigt.

Daraufhin habe er sich mit dem Motorrad hinter den Pkw gesetzt und versucht, den Fahrer durch Zeichen zu bewegen, auf den Rastplatz abzubiegen, damit es dort zu einer Aussprache käme. Der Fahrer habe seine Aufforderung allerdings ignoriert. Als der Pkw dann über die Ausfahrt Winnenden die Bundesstraße verließ und an der ersten Ampel auf der rechten Spur anhielt, sei er vor diesen gefahren, habe sein Motorrad quergestellt und die Fahrspur blockiert, sei abgestiegen, zu dem Pkw hingegangen, habe mehrmals an die Scheibe geklopft und den Fahrer aufgefordert, auszusteigen. Dabei hätten sie sich wohl auch gegenseitig beschimpft.

Autofahrer: Ich wurde rechts überholt und dann ausgebremst

Der 26-jährige Pkw-Fahrer wiederum berichtete, er sei gerade dabei gewesen, auf der Bundesstraße ein anderes Auto zu überholen, als der Motorradfahrer von hinten auf der linken Spur mit hoher Geschwindigkeit angefahren kam. Da er seinen Überholvorgang nicht abbrach und auch die linke Spur nicht räumte, sei der Zweiradlenker zwischen den beiden Fahrzeugen sehr knapp rechts an ihm vorbeigezogen, habe sich vor ihn gesetzt und abrupt die Geschwindigkeit von etwa 120 auf 80 bis 90 Stundenkilometer verringert, so dass er ebenfalls seine Geschwindigkeit reduzieren musste.

Beim Anhalten soll der Angeklagte gegen die Scheibe geschlagen haben

Wild gestikulierend habe ihn der Zweiradfahrer aufgefordert, in den Rastplatz einzufahren. Als er diese Aufforderung ignorierte, habe sich der Motorradfahrer hinter ihn gesetzt und sei ihm bis nach Winnenden gefolgt, wo der Fahrer sein Fahrzeug blockierte, mit der Faust etwa zehnmal gegen die Scheibe schlug, ihn wüst beschimpfte und versuchte, die Fahrertür aufzureißen. Da das Motorrad nicht nur ihn, sondern auch alle anderen Fahrzeuge auf der Spur blockierte, stiegen zwei Männer aus ihren Autos aus und beruhigten den Motorradfahrer, so dass dieser schließlich weiterfuhr.

Zeugin empfand den Motorradfahrer schon auf der B 14 als aggressiv

Er selbst habe vom Auto aus einer Pkw-Fahrerin, die auf der rechten Spur vorbeigefahren war, signalisiert, sie möge telefonisch die Polizei alarmieren. Dass er dem Motorradfahrer auf der Bundesstraße den Vogel und möglicherweise auch den ausgestreckten Zeigefinger gezeigt habe, räumte er ein. Die Zeugin wiederum versicherte, der Motorradfahrer sei ihr bereits durch seine aggressive Fahrweise unangenehm aufgefallen. Trotz des um diese Zeit starken Verkehrs habe der Fahrer ständig gedrängelt, andere Verkehrsteilnehmer geschnitten, sei zwischen zwei Fahrzeugen „durchgebrochen“ und überholte sogar auf dem Standstreifen.

Das Verkehrssündenregister ist lang, wird der Mann sich ändern?

Mit dem umfangreichen Sündenregister des Angeklagten konfrontiert, der in den vergangenen zehn Jahren ein knappes Dutzend Verkehrsdelikte angesammelt hatte, bat der Verteidiger um Nachsicht für seinen Mandanten. Er sei mittlerweile ein anderer Mensch geworden, werde im September Vater und habe vor, seine Lebensgefährtin zu heiraten. Er sei sogar dabei, sein Motorrad zu verkaufen. Inzwischen bewege er sich in einem völlig anderen Bekanntenkreis und habe seinen Wohnort gewechselt. Mit seiner Lebensgefährtin zusammen habe er eine Wohnung gekauft, doch wenn ihm nun wegen „charakterlicher Ungeeignetheit zur Teilnahme am Verkehr“ der Führerschein entzogen werde, müsse er sich diesen mühsam über eine MPU neu erarbeiten. Dies bringe nicht nur Kosten in Höhe von mindestens 5000 Euro mit sich, sondern bedeute auch, dass er mindestens ein Jahr ohne Führerschein dastehe. Da er den Führerschein aber beruflich benötige, wäre dies für ihn der wirtschaftliche Ruin.

Überhöhter Testosteronspiegel und der unverdaute Konsum zu vieler Filme aus der „Fast and Furios“-Reihe führten auf der B 14 zwischen Waiblingen und Winnenden zu einem wilden Verfolgungsrennen, dessen Teilnehmer am Mittwoch, 30. Juni, im Waiblinger Amtsgericht die Ziellinie überquerten.

Ein Zeuge hat keine Lust, vor Gericht zu erscheinen

Die mündliche Verhandlung gegen einen dreißigjährigen Motorradfahrer, der sich wegen einer Anklage der Nötigung im Straßenverkehr zu

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