Winnenden

Winnenden: Asylbewerber muss lange ins Jugendgefängnis

Schild
Amtsgericht Waiblingen (Symbolfoto) © Gaby Schneider

Das Waiblinger Jugendschöffengericht hat den 21-Jährigen, der in einem Winnender Asylheim gefährliche Körperverletzung und räuberischen Diebstahl an einem Bewohner begangen hat (wir haben berichtet), jetzt zu drei Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt. Für das Gericht, welches den Verurteilten schon länger kennt, ist es nicht zu tolerieren, wie brutal dieser mit anderen Menschen umgeht.

Dem Opfer fehlen ein Zahn und sein Handy

Der vor seiner Untersuchungshaft in Korb, Waiblingen und Winnenden lebende mazedonische Staatsbürger saß dieses Mal ohne seinen 30-jährigen Onkel auf dem Anklagestuhl. Letzterer war Mittäter, ist aber mittlerweile nach Nordmazedonien abgeschoben worden. Der Neffe brachte schon zweieinhalb Jahre Jugendhaft zu seinem erneuten Prozess mit und bekam diese Strafe um neun Monate aufgestockt.

Vor den Plädoyers und dem Urteil hörte das Gericht noch das Opfer der Tat vom 6. November 2021 in dem Winnender Asylheim an, das aus der Sicht des vorsitzenden Richters Martin Luippold im Gegensatz zur Darstellung des Verurteilten die Wahrheit sagte. Bei dem 23-jährigen Asylbewerber klopften der 21-Jährige und sein Onkel morgens um 4 Uhr an die Zimmertüre, um einen Joint zu kaufen. Er rauche Marihuana, verkaufe aber nichts, sagte das Opfer arabischer Herkunft – und bekam dafür Schläge in seinem Zimmer, wo es nicht mehr nur um einen Joint ging, sondern auch um den Raub seines iPhones im Wert von 800 Euro.

„Da bin ich rausgerannt in die Küche und habe die Flasche geholt“, schilderte der 23-Jährige, wie er mit einer Bierflasche zurückschlug, die bei einem Schlag kaputt ging und die er dann fallen ließ. „Der Onkel hielt mich fest und der Neffe stahl mir mein Handy aus dem Zimmer.“ Später bemerkte das Opfer, dass der Dieb seine Schlüssel verloren hat. Die brachte der Geschädigte dann brav zur Polizei, wo er die beiden Täter auf Fotos wiedererkannte. Sein Handy sah der 23-Jährige nicht mehr wieder, und vor Gericht musste er die Lücke des Schneidezahns zeigen, den ihm der 21-Jährige ausgeschlagen hat. Wenigstens war es nurmehr ein Schneidezahn und nicht zwei, wovon die Anklage ursprünglich ausgegangen war.

Mazedonier beleidigt Polizisten

In das Urteil floss auch eine Strafe für übelste Beleidigungen von Polizeibeamten ein, die bei dem jungen Mazedonier schon fast zum Alltag gehörten. „Deutsche Kartoffel“, sagte Richter Luippold, gehöre zu dessen festem Vokabular. „Nazi“, „Schwuchtel“ und noch viel schlimmere sexistische Beschimpfungen mussten sich Polizisten jedes Mal anhören, wenn sie mit dem jungen Mann zu tun haben mussten.

Als die Staatsanwältin mit der Überlegung, ob dieser junge Mann nicht schon viel früher eingesperrt gehört hätte, auf drei Jahre und drei Monate Haft plädiert hatte, beteuerte der 21-Jährige in seinem Schlusswort, eine Suchttherapie machen zu wollen. Schuld an den Straftaten seien stets der Alkohol und die Drogen gewesen.

An Tankstellen und Bahnhöfen geprügelt

So sah das Richter Luippold nicht ganz. Wie brutal der junge Mann mit anderen Menschen umgehe, bedürfe schon einer tiefgründigeren Betrachtung. Der Staatsanwältin geht bis heute eine ältere Frau nicht aus dem Kopf, die dem Verurteilten einmal zum Opfer gefallen ist. Sie konnte sich nach einer Auseinandersetzung mit dem 21-Jährigen acht Monate lang kein neues Hörgerät kaufen, weil sie kein Geld hatte.

Andere Leute bekamen Faustschläge ins Gesicht, nur weil sie dem 21-Jährigen keine Zigarette abgaben. Einer Schlafenden stahl er im Zug den Rucksack und täuschte hinterher den ehrlichen Finder vor.

Bahnhöfe und Tankstellen waren die Hauptschauplätze für seine teilweise völlig grundlos veranstalteten Prügeleien, wegen derer es immer wieder Gerichtsverhandlungen gab, nach denen der junge Mann mit dem hohen Aggressionspotenzial sich schließlich alle Bewährungschancen verspielt hatte.

Das Waiblinger Jugendschöffengericht hat den 21-Jährigen, der in einem Winnender Asylheim gefährliche Körperverletzung und räuberischen Diebstahl an einem Bewohner begangen hat (wir haben berichtet), jetzt zu drei Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt. Für das Gericht, welches den Verurteilten schon länger kennt, ist es nicht zu tolerieren, wie brutal dieser mit anderen Menschen umgeht.

Dem Opfer fehlen ein Zahn und sein Handy

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