Winnenden

Winnenden: Drogenfund im Asylheim, doch Fingerabdrücke entlasten Angeklagten

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Haben eine berauschende Wirkung: Marihuana-Blüten. © Pixabay Creative Commons CC0

Mit einem Freispruch ist im Waiblinger Amtsgericht die mündliche Verhandlung gegen einen 21 Jahre jungen Mann aus Winnenden geendet. Der 2017 geflüchtete Afrikaner, dessen Geburtsland unklar ist und der schwere psychische Probleme hat, war des Drogenhandels und -besitzes beschuldigt worden.

Er ist ins Visier der polizeilichen Ermittlungen geraten, als Kriminalbeamte der Backnanger Ermittlungsgruppe am 4. Februar 2021 bei einem Einsatz im Asylbewerberheim in der Albertviller Straße der strenge Marihuanageruch auffiel, der aus einem Spind im Flur des Obergeschosses kam. Als einer der Beamten daraufhin am Drehgriff des Spindes zog, so berichtete er dem Gericht im Zeugenstand, sei die unverschlossene Tür sofort aufgesprungen, obwohl an dem Spind auch noch ein Vorhängeschloss angebracht war.

Der Spind sei randvoll mit Lebensmitteln und Getränkebehältern gewesen, so der Zeuge. Bei genauem Hinschauen fanden die Polizisten aber auch noch fünfeinhalb Ecstasytabletten mit einem 20- bis 30-prozentigen MDMA-Gehalt sowie 21,64 Gramm Marihuana in Plastikbeuteln verpackt.

Bei einem zweiten Einsatz zehn Tage später, am 14. Februar abends, hörten dieselben Beamten Geräusche aus der Teeküche und rochen erneut Marihuana. Als sie nachschauten, stießen sie auf den nun Angeklagten. Als sie ihn durchsuchten, entdeckten sie bei ihm einen Schlüsselbund mit Schlüsseln, die zu dem verdächtigen Spind passten.

Wo er geboren ist, weiß er nicht

Als der Angeklagte im Gerichtssaal von Richter Armin Blattner befragt wird, bestätigt er zwar das verlesene Geburtsdatum, geklärt sei allerdings nicht, ob er in Sierra Leone oder in Gambia zur Welt gekommen sei. Seine aus Sierra Leone stammenden Eltern hätten ihn jedenfalls in Gambia weggegeben; dort habe man ihn als Sklaven gehalten. Als er zwölf Jahre alt war, sei er fortgegangen. Über den Senegal, Mali, Burkina Faso, Libyen und Italien sei er 2017 nach Deutschland gekommen. Über Bremen, Karlsruhe und Heidelberg gelangte er nach Winnenden.

Hier besucht er eine Schule der Paulinenpflege und befindet sich in der Obhut einer Betreuerin, nachdem bei ihm schwere gesundheitliche Probleme diagnostiziert wurden. Er leide an paranoider Schizophrenie, Angstzuständen und Traumata, sei selbstmordgefährdet, ergänzen seine Betreuerin und die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe.

Psychisch krank und berufsunfähig

Die Krankheitssymptome habe er ursprünglich versucht, mit dem Konsum von Marihuana selbst zu therapieren. Mittlerweile sei er in psychiatrischer Behandlung; seine Krankheiten werden medikamentiert, wodurch sein Zustand stabilisiert werden konnte. Angestrebt werde, ihn nach Abschluss der Schule als ehrenamtlichen Helfer bei der Paulinenpflege unterzubringen. Es sei zwar auszuschließen, dass er jemals einer Berufstätigkeit nachgehe, aber er benötige feste Tagesstrukturen.

Auf die Frage des Gerichts, was es mit dem verdächtigen Spind und dem bei ihm aufgefundenen Schlüsselbund auf sich habe, erklärt er, beides gehöre ihm nicht. Der Spind sei allgemein zugänglich, jeder der Bewohner könne sich daraus bedienen.

Er selbst wohne überhaupt nicht im Asylbewerberheim, sondern sei am 14. Februar dort lediglich zu Besuch gewesen. Als er gesagt habe, dass er etwas trinken wolle, habe man ihm den Schlüssel gegeben und ihn aufgefordert, sich aus dem Spind zu bedienen.

Fremde Fingerabdrücke

Auf Nachfrage des Vertreters der Staatsanwaltschaft erklärt der Richter, laut den vorliegenden Akten würden sich auf den Drogen zwar Fingerabdrücke befinden, diese gehörten allerdings nicht zu dem Angeklagten, sondern zu einem Bewohner des Heims, der in einer anderen Sache verfolgt werde.

Angesichts der Beweislage und der Tatsache, dass der Angeklagte lediglich in der Lage sei, im einstelligen Bereich zu rechnen, was es ihm von vornherein unmöglich mache, gewerbsmäßig mit Drogen zu handeln, stimmen Richter und Staatsanwalt darin überein, dass die vorliegenden Beweise für eine Verurteilung nicht ausreichen.

„Lass die Finger von den Drogen, sonst gibt es immer wieder Probleme und wir sehen uns hier erneut“, gibt ihm der Richter am Ende der Verhandlung noch als guten Rat mit auf den Weg. Stattdessen solle er sich weiter psychiatrisch behandeln lassen.

Mit einem Freispruch ist im Waiblinger Amtsgericht die mündliche Verhandlung gegen einen 21 Jahre jungen Mann aus Winnenden geendet. Der 2017 geflüchtete Afrikaner, dessen Geburtsland unklar ist und der schwere psychische Probleme hat, war des Drogenhandels und -besitzes beschuldigt worden.

Er ist ins Visier der polizeilichen Ermittlungen geraten, als Kriminalbeamte der Backnanger Ermittlungsgruppe am 4. Februar 2021 bei einem Einsatz im Asylbewerberheim in der Albertviller Straße der

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