Winnenden

Winnenden gehen Alternativen aus: Sporthalle wird wieder Flüchtlingsunterkunft

Notunterkunft
Dieses Archivfoto zeigt die Buchenbachhalle im Dezember 2015. Rund 50 junge Männer lebten damals in der Sporthalle. Bald wird sie erneut zur Flüchtlingsunterkunft werden. © Gabriel Habermann

Weil die Stadt Winnenden vom Rems-Murr-Kreis deutlich mehr Flüchtlinge zugewiesen bekommt als erwartet, greift die Verwaltung auf eine altbekannte Notlösung zurück: Die Buchenbachhalle in Birkmannsweiler wird, wie schon 2015, zur Sammelunterkunft für Flüchtlinge umfunktioniert. Bis zu 50 Menschen sollen hier vorübergehend unterkommen, voraussichtlich noch vor Jahresende.

Das haben Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, Sozialamtsleiterin Manuela Voith und Ralf Köder, Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr, unserer Redaktion bei einem Pressegespräch mitgeteilt.

Eine schlechte Nachricht ist die erneute Belegung der Halle insbesondere für Vereine und Schulen: Wenn es vermutlich im November so weit ist, können Unterricht und Training in der Buchenbachhalle auf unbestimmte Zeit nicht mehr stattfinden. Ende vergangener Woche sind laut OB Holzwarth die Betroffenen in Birkmannsweiler über die Pläne informiert worden.

Die Stadtverwaltung selbst habe erst eine Woche zuvor, Anfang September, vom Landratsamt erfahren, dass sie noch einmal 40 Flüchtlinge mehr zugeteilt bekommt, als im August vermeldet. Sozialamtsleiterin Manuela Voith berichtet, sie habe am Freitag, 2. September, eine E-Mail von Steffen Blunck, dem Teamleiter Flüchtlingsmanagement im Rems-Murr-Kreis, bekommen. Im Anhang: die neue Quotenhochrechnung zur Anschlussunterbringung bis Ende September. „Da waren's keine 47 mehr“, sagt Voith, „sondern 87.“ Eine Hiobsbotschaft.

47 Flüchtlinge hätte die Stadt noch untergebracht, für 87 gibt es keinen Platz

Die bereits geplante Erweiterung der Wohnsiedlung in der Albertviller Straße um zwei Wohncontainer zwischen den bestehenden Fertigbauten und der Haselsteinschule reicht jetzt nicht mehr aus. Auch städtische Wohnungen sind nicht mehr verfügbar. Und die geplanten Unterkünfte in der Hofkammerstraße in Birkmannsweiler, auf der Festwiese in Birkmannsweiler und bei der Ruitzenmühle sind zwar in Planung, aber längst nicht umgesetzt.

Oberbürgermeister Holzwarth erklärt: „Wir haben jetzt ein Problem, die 40 unterzubringen, ohne dass wir dafür eingerichtete Gebäude haben – obwohl wir langfristig an dem Thema arbeiten und kurzfristig alle Optionen gezogen haben.“

Bei einer Krisensitzung im Rathaus mit Amtsleiterinnen und Amtsleitern, Bürgermeister Jürgen Haas und Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth in der vergangenen Woche habe sich die Verwaltung deshalb auf die Notlösung Buchenbachhalle verständigt. Schon 2015 war die Sporthalle in Birkmannsweiler über ein halbes Jahr lang als Unterkunft für rund 50 Personen genutzt worden.

Jetzt muss wieder ein Boden besorgt und ausgelegt werden, damit der Hallenboden nicht leidet, es müssen Betten, Schränke und Trennwände beschafft und die notwendige Infrastruktur – Küchenzeilen und Co. – hergestellt werden. Dafür ist dieses Mal die Stadt Winnenden selbst zuständig, nicht der Landkreis, an den die Halle 2015 „nackt vermietet“ worden sei, wie Ralf Köder betont.

Wie rasch die Winnender Verwaltung diese Herausforderung meistert, ist noch ungewiss – und hängt auch davon ab, wie schnell beispielsweise ein Handwerksbetrieb gefunden ist, der den Boden verlegt. Teilweise ist das Inventar schon bestellt. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth geht aktuell von einer Fertigstellung der Interimsunterkunft im November aus.

Warum ausgerechnet die Buchenbachhalle?

Wer dann einziehen wird, steht noch nicht fest: entweder, wie vor sieben Jahren, junge Männer, die in den vergangenen Wochen und Monaten wieder in größerer Zahl übers Mittelmeer nach Europa gekommen sind, oder eben ukrainische Familien, die sich vor Putins Truppen in Sicherheit bringen.

Warum ausgerechnet die Buchenbachhalle wieder zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wird – „ mit allem Weh und Ach für die Schule, für den Sport, für die Vereine“ -, erklärt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth so: „In Birkmannsweiler bestehen, anders als in den anderen Stadtteilen, zwei Hallen. Wenn die kleinere, die Buchenbachhalle, belegt wird, führt das nicht dazu, dass Sport und Kultur zum Erliegen kommen. Es gibt zumindest noch eine Alternative mit der Birkmannsweiler Halle.“

Auch dort müsse aber „der Belegungsplan zusammengeschoben werden“, es werde Einschränkungen geben, für alle, die eine der beiden Hallen nutzen. „Man wird versuchen, den Turniersport als Letztes zu beschneiden. Aber die Nutzer müssen sich alle arrangieren, auch mit der Schule, wobei die am Vormittag vielleicht leichter integrierbar ist.“

Für die Grundschüler bestehe der Nachteil hauptsächlich darin, dass sie nun von der Schule zur Sporthalle „einige Hundert Meter zurücklegen“ müssten.

In Winnenden leben aktuell fast 700 Flüchtlinge, rund 275 aus der Ukraine. Die Zuteilung an die Kommunen erfolgt nach dem Königsteiner Schlüssel – wer mehr Einwohner hat, muss mehr Geflüchtete aufnehmen. Weil aktuell mehr Menschen in Deutschland ankommen als zu Zeiten der Flüchtlingskrise 2015, seien zunächst die Landeserstaufnahmestellen (LEA) „vollgelaufen“, sagt OB Holzwarth dann die Unterkünfte des Landkreises. Dieser müsse jetzt die Kommunen noch stärker in die Pflicht nehmen.

Holzwarth: Der Bund hat besondere Anreize geschaffen, hierherzukommen

Nach Ansicht von Holzwarth gibt es die Probleme bei der Unterbringung auch, weil der Bund mit dem Rechtskreiswechsel für Ukrainer, die hier Anspruch auf Grundsicherung haben, besondere Anreize geschaffen habe, nach Deutschland zu kommen. Hinzu komme ein „deutlich verstärkter Zustrom übers Mittelmeer in den letzten Monaten durch Wettergunst und viele Krisen in Nordafrika und anderswo“.

Weil die Stadt Winnenden vom Rems-Murr-Kreis deutlich mehr Flüchtlinge zugewiesen bekommt als erwartet, greift die Verwaltung auf eine altbekannte Notlösung zurück: Die Buchenbachhalle in Birkmannsweiler wird, wie schon 2015, zur Sammelunterkunft für Flüchtlinge umfunktioniert. Bis zu 50 Menschen sollen hier vorübergehend unterkommen, voraussichtlich noch vor Jahresende.

Das haben Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, Sozialamtsleiterin Manuela Voith und Ralf Köder, Leiter des Amts für

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