Winnenden

Winnenden: Kassensturz nach den ersten beiden Tagen "Click & Meet"

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Einkaufsgefühl mit Schnelltest
Spielt sich das neue Einkaufsgefühl mit Schnelltest langsam ein in der Stadt? © ALEXANDRA PALMIZI
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Einkaufsgefühl mit Schnelltest
Domenica Müller. © ZVW / Alexandra Palmizi

Wie das Wetter am Samstag zwischen Wolken und Sonne pendelt, so wechselhaft ist die Stimmung bei Winnender Einzelhändlern. Aufwärtsstimmung bei den einen, verhalten bis mäßig die Frequenz bei anderen. Die Corona-Testpflicht schreckt wohl viele Kunden noch ab.

Die Stadt: Seit langem mal keine Geisterstadt, sondern ein Straßenbild mit Menschen. Alle genießen die neuen „alten“ Freiheiten und die gute Stimmung. Das schon. Allerdings hält sich die Begeisterung bei Tanja Heinz, Filialleiterin vom Wäschefachgeschäft Fischer beim Tor, noch in Grenzen. „Die Kunden wissen nicht, wie und was, viele sind unsicher“, ist ihr Eindruck. Das GGG-Procedere „geimpft, getestet, genesen“ sei ein Hindernis – mehr für die Kunden denn für sie als Händler, die ja inzwischen einigen Kummer in Form von Hin und Her gewöhnt seien. „Wirklich viel Lust, sich testen zu lassen, um ein Paar Unterhosen zu kaufen, haben glaube ich die wenigsten.“ Sie sehne den Tag herbei, an dem die Inzidenz unter 100 landet. „Dann wäre es einfacher.“

Monatelang hatte sie keine Kleiderständer mit Tag- und Nachtwäsche auf der Straße vor ihrem Geschäft stehen. Für den ersten Tag hat sie alles extra hübsch gemacht und besonders schöne Ware ins Schaufenster gehängt. Dazu ein Poster, auf dem steht: „Wir sind wieder für Sie da und haben ständig freie Termine“. Das Versprechen sei nicht übertrieben. „Bei uns war jederzeit an der Tür ein Termin möglich. Habe nicht mal eine Sekunde daran gedacht, dass die Maximalzahl von acht Leuten gleichzeitig im Laden sind.“ Schilder im Laden weisen auf die Regeln hin. Zwar sei toujours etwas los gewesen, aber die Kunden hätten sich verteilt, keiner war angemeldet.

Auch im Haushaltswarengeschäft Häussermann lief alles spontan. Kundenandrang: „Mäßig bis gar nicht“, sagt Stefanie Kienzle. „Wir haben ehrlich gesagt erwartet, dass viele rein wollen, aber unzufrieden sind wir nicht.“ Die Leute seien ja inzwischen an die Theke gewöhnt. „Sie sagen, wofür sie sich interessieren, wir bringen ihnen zwei, drei Sachen zur Auswahl an den Eingang und dann kaufen sie etwas.“ In ihrem Laden laufe demnach eigentlich „Click&Collect“ weiter, der Bedarf, reinzugehen und selbst zu suchen, sei in ihrer Branche nicht stark ausgeprägt. Das Ordnungsamt sei vorbeigekommen, habe sich erkundigt nach der Quadratmeterzahl Ladenfläche und wie viele Kunden sie reinlassen möchten.

Die zehn Körbe am Eingang seien kein einziges Mal zur gleichen Zeit weg gewesen, erlaubt wären bei ihrer Ladenfläche noch viel mehr. „Wir sind vorbereitet auf einen Ansturm, der noch nicht da war“, so Stefanie Kienzle. „Vielen war es zu aufwendig und zu anstrengend mit der Ausfüllerei und der Warteschlange vor dem Testzentrum auf dem Marktplatz.“ Am Vormittag sei es noch halbwegs gegangen, nachmittags sei die Schlange „extrem“ gewesen, so der Eindruck der Geschäftsfrau.

Vormittags flott, später etwas schleppend

Domenica Müller teilt die Beobachtung der Kollegin: „Vormittags ging es ja ganz flott aufm Marktplatz, später wurde es eher schleppend.“ Einige seien kurz zu ihr in den Laden gekommen, hätten Hallo gesagt und angekündigt, ein andermal zu kommen. „Die Schlange war vielen zu lang.“ Der Kassenabschluss an den ersten zwei Tagen mit „Click&Meet“ stimme sie dennoch zufrieden. „Die Leute wollen jetzt kaufen, sie haben so lange nichts kaufen können.“ Hinzu komme das Zwischenmenschliche: Alle hätten sich monatelang nicht oder allenfalls auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt getroffen. „Man merkt die Freude, sich wieder Hallo zu sagen und dass sie die Kleidung wieder anprobieren können.“

Selbst durchstöbern habe eben eine andere Qualität als „sich was bringen lassen“. Die meisten Kunden seien bereit, einen Test zu machen. Was sie total überrascht habe: „Ein paar Unbelehrbare wollten reinkommen ohne Nachweis und sind beleidigt abgezogen.“ Ihnen muss offensichtlich komplett entgangen sein, dass man einen negativen Schnelltest vorweisen können sollte. Einer habe zu seiner Frau gesagt: „Komm, mir ganged weiter.“ Sie habe sich dann gefragt: „Ja, wo will der jetzt hin? Woanders ist es doch auch so.“

Zum Checken der „Passierscheine“ hat sie vorne am Eingang einen Tisch quergestellt als Stopper. Dann geht eine ihrer Mitarbeiterinnen zum Kunden und lässt sich den Nachweis zeigen. Formulare liegen bereit, um Namen und Telefonnummer zu notieren. Viele seien mit der App vom Kreisimpfzentrum gekommen oder hätten ihre negativen Testergebnisse auf Papier oder den Impfpass vorgezeigt, die Luca-App sei ihr nicht untergekommen. Die Resonanz auf die Anmeldungen sei verhalten. Drei Kunden seien am Samstag mit Termin gekommen, zwei am Freitag. „Der Samstag ist schleppend, weil die Leute Lebensmittel einkaufen.“ Aufwärtsstimmung? „Ja, auf jeden Fall. Man spürt, die Leute freuen sich aufs Bummeln und Schlendern.“

Das Einkaufen läuft im Spielwarengeschäft Wiedmann ruhig wieder an. „Wir freuen uns, dass viele unserer treuen Kunden das Angebot trotz der Hürden annehmen und zu uns kommen. Die Schnelltestzentrumsdichte ist hier mit Sicherheit sehr hilfreich“, sagt Geschäftsführer Matthias Wiedmann. Ein Chaos aus Kaufwilligen, die weder getestet noch geimpft sind und auch keinen Nachweis einer Genesung vorzeigen, bleibt aus. Er und sein Team tun, was gefordert wird. „Wir fühlen uns aber mit den vielen Einschränkungen selbst nicht wohl, da wir die Kunden lieber ohne Einlasskontrollen reinlassen möchten.“ Hinter die Aufwärtsstimmung setzt er noch ein gewisses Fragezeichen. „Ich denke, sie kommt nach dem Aussetzen der Bundesnotbremse. Wenn auch die Gastronomie und alle anderen Bereiche wieder öffnen können.“ Die Kunden genießen die Auswahl und seien froh um die Möglichkeit, im Städtle einkaufen zu können und alles zu finden. „Bei uns ist etwas zwiegespalten. Auf der einen Seite ist jede Lockerung toll. Nach einem Jahr Pandemie ist es für uns aber nicht nachvollziehbar, weshalb wir immer noch mit Maßnahmen und Einschränkungen gegängelt werden, während andere Bereiche des Einzelhandels deutlich leichter und mit weniger bis gar keinen Einschränkungen öffnen dürfen“, spricht er die Ungleichbehandlung zwischen Discountern und Supermärkten auf der einen Seite und dem stationären Einzelhandel auf der anderen Seite an. „Wir hoffen auf einen schnellen und stabilen Wert unter 100.“

 

Wie das Wetter am Samstag zwischen Wolken und Sonne pendelt, so wechselhaft ist die Stimmung bei Winnender Einzelhändlern. Aufwärtsstimmung bei den einen, verhalten bis mäßig die Frequenz bei anderen. Die Corona-Testpflicht schreckt wohl viele Kunden noch ab.

Die Stadt: Seit langem mal keine Geisterstadt, sondern ein Straßenbild mit Menschen. Alle genießen die neuen „alten“ Freiheiten und die gute Stimmung. Das schon. Allerdings hält sich die Begeisterung bei Tanja Heinz,

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