Winnenden

Winnenden: Keine Warteschlange für Novavax, viele freie Corona-Impftermine

Novavax
Die ersten Impfungen mit dem neuen Impfstoff sind am Freitag in Winnenden verabreicht worden. © Benjamin Büttner

Mit dem neuen Impfstoff von Novavax haben sich heute Morgen (4.3.) drei Leute spritzen lassen, und für den Abend haben sich neun weitere im Impfstützpunkt an der Linsenhalde 5 in Winnenden angemeldet. Großer Andrang sieht anders aus, wir erinnern uns an die Menschenschlange bis zur Kurve beim Lorinser-Gelände. Wer damals ganz früh gekommen war, wartete zwar stundenlang in der Kälte, kam aber auch dran. Wer später kam oder zu spät, erfuhr eine halbe Stunde nach Impfstart und Verteilung der Nummern, dass die vorhandenen Impfdosen vergeben sind.

Noch anderthalb Wochen bis zur Teil-Impfpflicht 

Tempi passati. Jetzt ist alles supereinfach und geht total schnell. Es gibt genug Impfstoff für Ärzte, Impfstützpunkte und sogar Apotheker, die Impfen anbieten. Außerdem greifen Regel-Lockerungen oder stehen kurz bevor, und die Terminbuchung ist auch ganz bequem geworden. Nur für eine Personengruppe hat die Bundesregierung eine Teil-Impfpflicht erlassen, die ab 16. März gilt. Wer im medizinischen Bereich arbeitet, ob als Arzthelferin, als Physiotherapeut, Krankenpfleger oder Ähnliches, muss zum Stichtag mindestens einmal geimpft sein. Wenn nicht, droht die Kündigung.

„Für diese Leute haben wir die Vormittagstermine reserviert, damit sie auf jeden Fall drankommen“, sagt Gerd Holzwarth, Kreis-Dezernent für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Forst, betraut mit der Sonderaufgabe Impfkampagne und sozusagen der „Impfminister“ des Landkreises. „Aber wir sehen, die Anmeldezahlen seit Mittwoch sind überschaubar“, sagt Gerd Holzwarth. „Als Landkreis werden wir uns überlegen, wie und wann wir uns aus dem Impfen zurückziehen.“ Aber jetzt wird erst mal auch mit Novavax geimpft, nächste Woche bekommt der Landkreis weitere 4000 bis 5000 Impfdosen. Noch gibt es die dezentrale Struktur, und wer sie nutzt, spart weite Wege und Zeit.

Krankenpfleger sah sich selbst bislang nicht in Gefahr

Wie der 36-jährige Krankenpfleger, der aus Schorndorf hergefahren kam. Er hat so lange gewartet, weil er für sich persönlich keine Gefahr ausmachen konnte durch das Coronavirus. „Ich bin weder Impfgegner noch -befürworter, habe als Kind die Impfungen gegen Röteln, Mumps und Masern bekommen und frische die Tetanusimpfung regelmäßig auf.“ Da er in den vergangenen zwei Jahren „viel Kontakt zu Infizierten“, sich aber nie angesteckt hatte, „denke ich, mein Immunsystem ist okay“. Weil er in seinem Beruf bleiben will, lässt er sich nun impfen. In drei Wochen bekommt er die zweite Spritze. Der Termin wird automatisch durch die Buchung des ersten generiert, kann aber noch geändert werden, wenn einem etwas dazwischenkommt. Weitere zwei Wochen später gilt die Grundimmunisierung als abgeschlossen. Etwas verwundert ist der 36-Jährige über den quasi leeren Impfstützpunkt, „ich dachte, es wäre mehr los. Aber vermutlich wollen die, die sich bisher nicht impfen ließen, es auch nicht mit dem anderen Impfstoff tun.“

55-Jähriger hat auf ärztlichen Rat hin auf Novavax gewartet 

Wer weiß, entscheidend ist nun zunächst, dass es eine Alternative zu den mRNA-Impfstoffen gibt. Der zweite Mann an diesem Freitagmorgen hat auf ärztlichen Rat hin und aufgrund seiner eigenen medizinischen Vorgeschichte gewartet und ist nun der erste Novavax-Empfänger. Auch der 55-Jährige aus Kernen will weiterhin seinem Beruf nachgehen, der ihn in verschiedene Krankenhäuser führt und in Kontakt mit älteren oder kranken Menschen bringt. Dass er sich selbst infiziert und aufgrund seiner „Vorgeschichte“ am Virus stirbt, diese Angst hatte er indes nie.

Im Spritzle steckt nun ein anders hergestellter, aber genauso wirksamer Impfstoff. „Der Trägerstoff ist seit Jahren bekannt von der Grippeimpfung“, sagt Gerd Holzwarth, und Jörg Behrens, Leiter der Impfaktionen und Zuständiger für die Dienstpläne, erläutert, dass der Umgang damit auch einfach ist: „Man bekommt aus einem Fläschle zehn Dosen heraus, wenn es angestochen ist, hält es bei Zimmertemperatur sechs Stunden.“ Nicht angestochen und im Kühlschrank verwahrt hält sich Novavax neun Monate und hat damit entscheidende Vorteile gegenüber dem Stoff von Biontech, der sehr stark gekühlt werden und vorsichtig mit Kochsalzlösung gemischt werden musste.

Wer hat Anspruch auf Novavax?

Wer sich das erste Mal gegen Covid-19 impfen lässt und über 18 Jahre alt ist, hat Zugang zu Novavax, ebenso medizinisches Personal oder wer nach dem Stoff von Johnson und Johnson die zweite Spritze mit diesem Stoff möchte. Man könne auch, sagt Gerd Holzwarth, sich mit Johnson zweit- und drittimpfen lassen.

Stützpunkte haben alle Impfstoffe da und versorgen auch weiterhin mit Zweit-, Dritt- und Viertimpfungen

Personen über 70 Jahren empfiehlt die Stiko, nach drei Monaten ihre Boosterung erneut auffrischen zu lassen. An allen Standorten ist eine Terminvereinbarung möglich. Man kann zu den Öffnungszeiten auch ohne Termin vorbeikommen.

Backnang: Montag bis Sonntag, 10-15 Uhr, Technikforum, mit und ohne Termin, Wilhelmstraße 32.

Murrhardt: Samstag und Sonntag, 10-15 Uhr, mit und ohne Termin, Festhalle, Helmut-Götz-Straße 3.

Welzheim: Samstag und Sonntag, 10-15 Uhr, mit und ohne Termin, Postweg 2.

Winnenden: After-Work-Impfen Dienstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 17 bis 18.30 Uhr, ehemaliger Verkaufsraum Autohaus Lorinser, jetzt Paulinenpflege, Linsenhalde 5.

Auch das Kinderimpfzentrum befindet sich in Winnenden: Es ist geöffnet von Montag bis Freitag, 14 bis 17.30 Uhr, im Klinikum Winnenden, Am Jakobsweg 1.

Das Anmeldeformular und freie Termine findet man auf www.rems-murr-kreis.de

Mit dem neuen Impfstoff von Novavax haben sich heute Morgen (4.3.) drei Leute spritzen lassen, und für den Abend haben sich neun weitere im Impfstützpunkt an der Linsenhalde 5 in Winnenden angemeldet. Großer Andrang sieht anders aus, wir erinnern uns an die Menschenschlange bis zur Kurve beim Lorinser-Gelände. Wer damals ganz früh gekommen war, wartete zwar stundenlang in der Kälte, kam aber auch dran. Wer später kam oder zu spät, erfuhr eine halbe Stunde nach Impfstart und Verteilung der

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