Winnenden

Winnenden liest: Klaus Kaiser, Pflegedirektor am ZfP, legt Wert auf Veränderung

Winnenden liest: Klaus Kaiser
Beine hoch, Buch auf: Klaus Kaiser im Lesesessel seines Wohnzimmers. © ALEXANDRA PALMIZI

Klaus Kaiser hat schon enorm vieles ausprobiert in seinem Leben. Judo lernte er als Junge, um die älteren Brüder mal über die Schulter zu werfen. Dann war Schluss mit dem Zoff. Später reizte ihn einfach das Neue, also sprang er mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug, startete mit dem Gleitschirm von einem Berg, tauchte im Meer.

Beruflich hat der 56-Jährige auch schon einige Veränderungen hinter sich, aber die Karriere klingt bilderbuchmäßig: Der Dürener begann als Krankenpfleger, hat insgesamt 20 Jahre in Kliniken gearbeitet, auch psychiatrischen, bis in die Leitungsebenen und das Qualitätsmanagement hinauf. Dann ging er in die Klinik-Verbundzentrale des Landschaftsverbandes Rheinland mit Sitz in Köln, war mit der Fachaufsicht und Innovation in der Pflege für neun psychiatrische und eine orthopädische Klinik betraut. „Das war mir dann aber doch ein zu trockener Job, um ihn bis zur Rente zu machen. Und es war schwierig, Veränderungen im System zu bewirken“, begründet er seinen jüngsten Aufstieg zum Pflegedirektor (und Mitglied der Geschäftsleitung), der ihn 2018 ans Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Klinikum Schloss Winnenden geführt hat.

Als Gastgeber und Mitveranstalter von „Winnenden liest“ schlägt das ZfP stets eine Vorleserin oder einen Vorleser vor, und Klaus Kaiser sagte zu, am 8. September sein Lieblingsbuch vorzustellen. Es stammt von einem der führenden Motivationstrainer Deutschlands. – Auweia, das klingt nach „tschaka-tschaka“ und löst Alarmstimmung aus: Verbreitet da nicht einer Kalenderspruchweisheiten und verlangt einen Haufen Geld dafür? „Tatsächlich ist mir der Mann nicht sympathisch, und er zitiert viele amerikanische Motivationstrainer“, sagt Klaus Kaiser, der ihn schon live erlebt und das Buch mehrfach gelesen hat. „Aber er findet einige gute Metaphern und Parabeln, die Veränderungen bestärken.“

Hilfreich in einer Lebenskrise

Nach einer Lungenembolie stellte Klaus Kaiser sein eigenes Leben auf den Prüfstand, suchte Beratung eines anderen angesehenen deutschen Motivationstrainers, Eugen Simon („schweineteuer!“), und bekam eben jenes Buch geschenkt, das er zunächst querlas. Es gefällt ihm nach wie vor und er ordnet es der positiven Psychologie zu, die für ihn sowohl zur Fachliteratur, aber auch zu seinen Hobbys und zu seiner Leidenschaft zähle, wie er sagt: „Nebenher bin ich auch als ausgebildeter Mediator, Coach und Supervisor in anderen Kliniken tätig.“ Dort wie im Klinikum Schloss Winnenden will er etwas gegen die Überlastung, Erschöpfung, das Ausgepowertsein der Mitarbeiter tun. „Das Gefühl ist real und darf man nicht beschwichtigen“, betont er. Aber jeder Einzelne könne lernen, damit umzugehen. „Dafür müssen aber die Chefärzte und Pflegedienstleiter den Unterschied zwischen Loben, also von oben herab, und Wertschätzen lernen.“ Kurz gefasst: positive Psychologie.

Sein zentrales Anliegen ist, dass sich die Mitarbeiter selbst ermächtigen können, die eigenen Spielräume zu nutzen. „Man muss zulassen, dass sie etwas anderes ausprobieren und zufrieden nach Hause gehen.“ Vor allem die Fachkrankenpfleger will er viel autarker handeln lassen, „ihre Ausbildung und Erfahrung kann man mit der eines Meisters im Handwerk vergleichen, also ist ihre Expertise gewinnbringend fürs ZfP, ich muss sie nicht kontrollieren.“ Probleme im Miteinander sollten verstanden und gelöst und nicht kompliziert umgangen werden. „Mir ist Pragmatismus wichtig.“

Es gibt jetzt sechs Tage im Jahr „Intervision“, bei der einer von seiner Fortbildung erzählt, alle mal Dampf ablassen können oder sonst was besprechen. „Man nennt das kollegiale Beratung. Ich vermittle nur Methoden, wie man Konflikte auf Stationen bewältigt, ich erfahre keine Inhalte.“

Dampf ablassen und entspannen, wie macht Klaus Kaiser das privat? Da gibt es einiges: vier Geschwister oder Mutter in Düren besuchen, sich Zeit für die Patenkinder nehmen, eigene Kinder hat er nicht, eine Kunstausstellung anschauen, in ein klassisches Konzert gehen oder auch mal Techno hören, radfahren in der Umgebung von Weissach – „ich bin ein Generalist, für mich ist es eine Bereicherung, wenn man viel macht.“ Ähnlich sieht es beim Lesen aus, „am liebsten querbeet“. Sehr gerne mochte er Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“, aber er hat sich auch schon Romane von Thomas Mann vorgenommen oder wühlt sich ab und an in einen dicken Wälzer mit den Hauptwerken von Arthur Schopenhauer rein. „Meine Leidenschaft aber gehört mechanischen Armbanduhren“, verrät er zum Schluss des Gesprächs. Darüber liest er Fachjournale und fährt zu Verkaufsbörsen, um sich mit den anderen Experten zu unterhalten.

Klaus Kaiser hat schon enorm vieles ausprobiert in seinem Leben. Judo lernte er als Junge, um die älteren Brüder mal über die Schulter zu werfen. Dann war Schluss mit dem Zoff. Später reizte ihn einfach das Neue, also sprang er mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug, startete mit dem Gleitschirm von einem Berg, tauchte im Meer.

Beruflich hat der 56-Jährige auch schon einige Veränderungen hinter sich, aber die Karriere klingt bilderbuchmäßig: Der Dürener begann als Krankenpfleger, hat

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