Winnenden

"Winnenden liest": Klaus Späth von der Bio-Bäckerei Weber schätzt Hermann Hesse

Klaus Späth
Klaus Späth auf der Garten-Terrasse der Bio-Bäckerei Weber. Dort ist er Geschäftsführer Marketing und Verkauf. © Gabriel Habermann

Bei der Auswahl seines privaten Lesestoffs ist Klaus Späth ähnlich wählerisch wie beruflich bei Lieferanten für die Bäckerei Weber. Dort an der Ringstraße 48 muss alles „bio“ sein, zu Hause in Buoch liest der 59-Jährige am liebsten Romane, die in schöner Sprache geschrieben sind. „Wobei es mir schwerfällt, ein Buch, das mich plagt, abzubrechen“, gibt er zu. Das Durchhalten nennt man dann wohl Nachhaltigkeit.

Klaus Späth ist die dritte Vorleser-Persönlichkeit, die das „Winnenden-liest“-Team für den 8. September eingeladen hat, und er erläutert, welche Autoren seine Gunst haben: Es ist mit weitem Vorsprung Hermann Hesse – „ich lese ihn heute noch gerne, er schöpft das Malerische in der deutschen Sprache wunderbar aus. Ein solch exaktes Ausdrücken von Atmosphäre und Gefühl ist nicht in jeder Sprache möglich“, findet Klaus Späth.

Das Lieblingsbuch ist ein komödiantisches Märchen

Auch Fantasy-Romane wie „Herr der Ringe“ (J. R. R. Tolkien) mag er bis heute, ebenso wie „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams, „die fünf Bände sind große Klasse, voller Sprachwitz, Ironie und Satire“. Da gebührt freilich auch dem Übersetzer aus dem Englischen ein Teil der Lorbeeren.

Auch für den Vorleseabend hat Klaus Späth etwas ausgesucht, das übersetzt ist, und es ist ein modernes, komödiantisches Märchen. „Ich habe es durch Zufall entdeckt, es ist in schöner Sprache geschrieben und hat gesellschaftskritische und satirische Anteile.“ Erstmals erschienen ist es 1973, der aktuelle deutsche Verlag hat seinen Sitz in Stuttgart. Den Titel verraten wir auch bei der 16. Auflage von „Winnenden liest“ erst am Vorleseabend.

In zwei Bands wirkt er in seiner Freizeit mit, beim Lesen tritt er kürzer als früher

Dafür steigen wir etwas tiefer in Klaus Späths Biografie und seine Hobbys ein. Offenbar will er sich von seinen Büchern verzaubern lassen, aber auch etwas zu lachen und für den Geist serviert bekommen. Hat er nach seinem Geschäftsführer-Job bei der Bio-Bäckerei Weber überhaupt Muße, nachmittags oder abends in Romanen zu schmökern? „Nein, das schaffe ich leider nicht mehr. Vor dem Einschlafen schon, aber tagsüber kann ich nur im Urlaub lesen. Früher dagegen war es ausufernd, es konnte sein, dass ich nächtelang gelesen habe.“

Klaus Späth ist in Schwaikheim aufgewachsen und hat das Georg-Büchner-Gymnasium besucht und aufs Lessing-Gymnasium gewechselt, als es aufmachte. „Notenmäßig brachen mir dann aber Englisch und Französisch das Genick, ich habe die Schule mit der Mittleren Reife nach der elften Klasse verlassen.“ Er arbeitete als Briefträger und reiste viel, eine Weile bereitete er eine Bewerbungsmappe für die Kunstakademie vor, „aber das ist im Sande verlaufen“.

Dann verfolgte er „den romantischen Traum, Schreiner zu werden“. Richtig Spaß machte ihm der Beruf nach der Ausbildung aber nicht, „und dann habe ich dummerweise zweimal einen Finger in die Maschine gebracht. Es ging zwar glimpflich aus, aber mit Angst kann man den Beruf vergessen“.

Vom Kollektiv zum hierarchisch geführten Betrieb: „Ein elend langer Prozess“

Weil er „schon immer bioaffin“ gewesen sei, wurde er einer der vielen Quereinsteiger bei der Kollektivbäckerei Weber, wie sie damals noch hieß und organisiert war. „Ich durchlief eine Ausbildung, zwei Tage Backstube, zwei Tage Verkauf.“ Mit der Zeit wurden Verkauf und Vertrieb über Naturkostläden sein Schwerpunkt, und als sich das Kollektiv in einen hierarchisch geführten Betrieb verwandelte, wurde er einer der beiden Geschäftsführer.

„Das war ein elend langer, aber notwendiger Prozess“, sagt Klaus Späth, wobei er den Kollektivgedanken nach wie vor toll findet. „Es schöpft das kreative Potenzial aller aus, verlangt aber auch eine gute Selbsteinschätzung von jedem: Wo kann ich mitreden, wo besser nicht.“ Wenn alle bei allem mitreden, kann der Betrieb keine zügigen Entscheidungen treffen. Und schließlich gibt es noch die Kollegen, die sich in der „kollektiven Hängematte“ schaukeln, sich für gar nichts verantwortlich sehen. „Nur die Gruppe kann so etwas ahnden“, auch das ist lähmend fürs Unternehmen.

Nun ist all das beinahe nostalgische Geschichte, überdeckt vom historischen, noch recht aktuellen Vergrößerungsschritt. Der Bäckerladen befindet sich im Neubau des benachbarten Mehrgenerationenhauses, mit angeschlossenem Café und schönem Garten-Hof. Mit Heiko Pulzer, Sascha Santorineos und weiteren jungen Kollegen im Team ist die Übergabe an die nächste Generation eingefädelt.

In seiner Freizeit macht er gerne Musik

Der Vater zweier erwachsener Kinder aus zwei Partnerschaften macht in seiner Freizeit übrigens auch gerne Musik und spielt als Percussionist sowohl bei der Winnender Band Abraxas (gecoverte Stücke) mit als auch beim Winterbacher Instrumental-Quartett Lunedi (Eigenkompositionen).

Bei der Auswahl seines privaten Lesestoffs ist Klaus Späth ähnlich wählerisch wie beruflich bei Lieferanten für die Bäckerei Weber. Dort an der Ringstraße 48 muss alles „bio“ sein, zu Hause in Buoch liest der 59-Jährige am liebsten Romane, die in schöner Sprache geschrieben sind. „Wobei es mir schwerfällt, ein Buch, das mich plagt, abzubrechen“, gibt er zu. Das Durchhalten nennt man dann wohl Nachhaltigkeit.

Klaus Späth ist die dritte Vorleser-Persönlichkeit, die das

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper