Winnenden

Winnenden lockt nächsten Dienstag (15.6.) mit Musik und Imbiss ins Städtle

Stadtmarketingverein
Jonathan Tropea, Timm Hettich und Ann Kristin Fischer haben für „Schlemmen, flanieren und genießen“ Foodtrucks und Straßenmusiker bestellt und bewerben die Sommeraktion (ab 15. Juni alle 14 Tage bis 27. Juli) in den sozialen Medien. © ALEXANDRA PALMIZI

Quirliges Leben herrscht am Donnerstag in der Stadt: Es ist Wochenmarkt, die Sonne scheint und beim Einkaufen wie auch beim Platznehmen vor einem Café, Imbiss oder Restaurant ist kein Schnelltest vorzulegen. „An diesen ersten Hoffnungsschimmer wollen wir mit unserer Sommeraktion anknüpfen“, sagt Timm Hettich, Geschäftsführer des Marketingvereins Attraktives Winnenden (VAW) und Wirtschaftsförderer bei der Stadt. Am Dienstag, 15. Juni, ist der erste von vier Terminen vor den Sommerferien. Von 16 bis 20.30 Uhr werden drei Foodtrucks auf der Marktstraße Station machen. Einer ist vom Berglener „I love Mauldasch“, ein anderer backt im fahrbaren Holzbackofen Flammkuchen und der dritte kommt aus Fellbach, bietet etwas Ausgefallenes mit höheren Preisen, Bowls und Falafel-Burritos zum Beispiel. Ann Kristin Fischer vom VAW beschreibt die Stellplätze, zwei vor der Volksbank, einer schräg gegenüber vor dem ehemaligen „Hardy“.

„Damit wollen wir nicht unseren Gastronomen etwas wegnehmen, sondern einen Anreiz schaffen, überhaupt in die Stadt zu kommen, zu flanieren und vieles neu oder wieder zu entdecken“, versucht Timm Hettich etwaiger Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er glaubt, dass die Stadtbesucher nach der langen Zwangspause durchaus Lust haben, auch mal in der neuen Bar „Amis“ an der unteren Marktstraße einzukehren, ein Eis zu schlecken oder sich am Ende der Tour ein Abendessen schmecken zu lassen.

Den kritischen Tönen begegnet der VAW selbstbewusst

„Die Abstands- und Hygienevorschriften sind noch immer einzuhalten, wir wollen Ansammlungen vermeiden“, sagt Ann Kristin Fischer, und dazu passt die zweite Komponente, dass Musiker unterwegs sein werden, mal hier spielen, mal da. Jonathan Tropea vom Kulturamt hat sie vorgeschlagen, die junge Singer-Songwriterin Jiska alias Jana Binder aus Schwaikheim und ein Bläsertrio bestehend aus Profis von der Musikschule Winnenden. „Mit einer Band wäre das noch schwierig, so lange wir Zuschauer registrieren und zählen müssen“, sagt Tropea.

Warum keine Werbung am Ortseingang?

Solch einen Stimmungsaufheller mit umherwandernden Straßenmusikern hätte sich so manche Einzelhändlerin im Frühjahr gewünscht, als die Einkaufsstimmung durch Bestellen und Abholen an der Ladentür (Click & Collect) auf dem Tiefpunkt war. Bis heute wird auch an Timm Hettich herangetragen, er beziehungsweise der VAW müsse doch an den Ortseingängen Hinweise anbringen, dass man zum Einkaufen kommen soll. „Darauf haben wir verzichtet, weil sich die Bedingungen ständig ändern und auch kompliziert sind. Das bringen Sie nicht in einem Satz unter, den man schnell im Vorbeifahren versteht.“

Sonntags und nachts die Coronaverordnung übersetzt

Hettich und Fischer kennen die kritischen Töne, setzen sich durchaus damit auseinander, müssen sich als kleines Team zusammen mit der Kollegin Birgitta Becerra jedoch auch auf das besinnen, was in der jeweiligen Situation Sinn ergibt und machbar ist. „Wir haben mit unseren Social-Media-Kanälen auf Facebook und Instagram eine sehr große Reichweite. Die hat zum Beispiel Frau Fischer genutzt, um die Beiträge unserer Händler zu teilen. Da waren wir überrascht, wie stark sie eingestiegen sind, ihre Ware fürs Internet im Laden präsentiert oder sogar kleine Modenschauen inszeniert haben.“ Hettich spricht von einem „wichtigen Instrument“, mit dem die Einzelhändler ihre Kunden erreichen und auch an sich binden konnten. Zudem nutzten es die Marketingleute, um die immer wieder geänderten Corona-Verordnungen, nicht selten 50 Seiten feinstes Beamtendeutsch, in verständliches Deutsch und anwendbare Anweisungen zu übersetzen. „Dafür haben wir uns sonntags und auch nachts hingesetzt, damit unsere Mitglieder ganz aktuell informiert sind“, sagt Hettich. „Am nächsten Tag poppten bei uns dennoch viele Rückfragen auf, weil es so viele Einzel- und Sonderfälle gibt.“

Für die Beratung und Begleitung hat der VAW durchaus auch Lob bekommen, von Händlern und auch von Wirtschaftsförderkollegen in anderen Städten. Hettich sagt selbstbewusst, dass im Kreis diese Winnender Marketingarbeit im Internet „am aktuellsten und professionellsten ist“. Auf Facebook hat er immer wieder Posts von Privatleuten oder Händlern entdeckt, die die Winnender Erklärungen weiterverbreiteten mit dem Zusatz: „Das gilt auch in unserer Stadt.“

Hettichs Doppelrolle: Hinderlich oder hilfreich?

Hettich freut sich, dass alle rund 90 Mitglieder dem VAW die Treue halten, nur wer sein Geschäft oder seine Gastronomie aufgegeben hat, ist ausgetreten. Der Verein hat auf drei Monate Mitgliedsbeitrag verzichtet und durch eine Solidaritätsaktion den gebeutelten Branchen weitere beitragsfreie Monate beschert. „Ich habe so viel telefoniert mit den Betrieben wie nie zuvor, und sie haben mir offen und ehrlich mitgeteilt, wie es ihnen geht.“ Dass die ein oder andere Kritik durch den Frust geboren oder befeuert ist, das kann er sich gut vorstellen. „Vor allem, wenn ich zumachen muss und das Geschäft neben mir nicht und die gleichen Artikel verkauft, die ich auch habe.“

Rührt so manche Unzufriedenheit vielleicht auch aus Hettichs Doppelrolle, bei der Stadt und für einen Verein zu arbeiten? Er selbst sieht sie als Vorteil. „Die Kombination ist gerade in der Krise gut. Ich habe einen kurzen Draht zu den Kollegen in den Ämtern und kann frei für die Interessen der Mitglieder agieren.“

Und so kann man zwar sagen, ja, die Stadt hat die Gewerbesteuer abgebucht. Aber sie hat auch auf die Zahlung für Straßencafés (Sondernutzung) verzichtet – und dem Thema „lebendige Innenstadt“ seit Jahrzehnten eine hohe Priorität eingeräumt. Der Gemeinderat hat im Herbst 2020 das Förderprogramm „Rückenwind“ beschlossen, um kreative, mutige und innovative Einzelhandelskonzepte für den Standort zu gewinnen. Es sollte keine „Ohrfeige“ für die bestehenden Geschäfte sein, sondern ihnen ebenfalls zugutekommen. „Je innovativer und vielfältiger der Branchenmix ist, umso attraktiver ist der Gesamtstandort“, sagt Hettich. Drei haben sich bereits für das Programm beworben, das seit Februar 2021 läuft.

„Dazu haben wir weitere Bausteine für eine zukunftsfähige Innenstadt in Planung. Die Maßnahmen werde ich am 22. Juni im Verwaltungsausschuss öffentlich vorstellen“, sagt Hettich.

Quirliges Leben herrscht am Donnerstag in der Stadt: Es ist Wochenmarkt, die Sonne scheint und beim Einkaufen wie auch beim Platznehmen vor einem Café, Imbiss oder Restaurant ist kein Schnelltest vorzulegen. „An diesen ersten Hoffnungsschimmer wollen wir mit unserer Sommeraktion anknüpfen“, sagt Timm Hettich, Geschäftsführer des Marketingvereins Attraktives Winnenden (VAW) und Wirtschaftsförderer bei der Stadt. Am Dienstag, 15. Juni, ist der erste von vier Terminen vor den Sommerferien. Von

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