Winnenden

Winnenden: Mann fällt bei Führerscheinprüfung durch und kauft falsche Papiere

Lenkrad Autofahrer Führerschein
Ein 21-Jähriger hat keinen Führerschein und fährt trotzdem Auto. © Michal Jarmoluk from Pixabay

„Schaffen kann er, alles andere muss er noch lernen“, zitierte Rechtsanwalt Marko Becker den Großvater seines 21-jährigen Mandanten, der sich im Waiblinger Amtsgericht wegen Urkundenfälschung und Fahren ohne Führerschein zu verantworten hatte.

Der Großvater des jungen Mannes spielt in dessen Leben eine zentrale Rolle, war sich der Verteidiger mit der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe einig. So übernahm er auch die Erziehung des Angeklagten und von dessen Bruder, als diese noch im Kindesalter waren. Nun hofft er, dass seine beiden Enkelsöhne einst seinen Betrieb übernehmen und weiterführen. Die Grundlagen dafür sind gelegt: nach dem Hauptschulabschluss hat Rechtsanwalt Beckers Mandant den entsprechenden Beruf gelernt, sich selbstständig gemacht und ist beim Opa untergekommen.

Die Anläufe, die Führerscheinprüfung zu bestehen, waren bisher vergebens

Auf Kriegsfuß steht der Winnender allerdings mit der Führerscheinprüfung. Nach mehreren vergeblichen Anläufen stieß er bei der Recherche im Internet auf eine recht verlockende, vielversprechende Anzeige: ein polnischer Führerschein, ohne Prüfung, ohne großen Aufwand, für 1900 Euro. Als er unter der angegebenen polnischen Kontakttelefonnummer anrief, erhielt er die Auskunft, er solle erst einmal einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren und sich dann in Geduld üben. Schließlich folgte die lange herbeigesehnte Nachricht: Er könne den Führerschein gegen Barzahlung abholen, zusammen mit der Bescheinigung des polnischen Einwohnermeldeamtes, dass er ein halbes Jahr in Polen gelebt habe. Die Dokumente würden für ihn bereitliegen und ihm gegen bar übergeben, entweder in Polen oder in Offenburg, je nachdem, was ihm lieber wäre.

Warum er angeblich in Polen war, konnte er den Polizisten nicht erklären

Er entschied sich für Offenburg, das habe näher gelegen und sei ihm sicherer erschienen. Und den Opa nahm er gleich zur Verstärkung mit, damit der sich selbst einen Eindruck verschaffen konnte, fügte der Verteidiger an.

Richter Armin Blattner konstatierte, der Angeklagte habe sich damit keinen Gefallen getan und mache seine führerscheintechnische Zukunft nicht besser. Denn er hat bereits zwei Eintragungen wegen Fahrens ohne Führerschein im Bundeszentralregister.

Kaum dass er zum stolzen Besitzer des lange ersehnten, aber eben gefälschten „Lappens“ geworden war, geriet der junge Mann mit seinem Daimler im vergangenen Oktober in eine allgemeine Verkehrskontrolle. Als den Beamten der polnische Führerschein spanisch vorkam, erklärte er ihnen, dass er ein halbes Jahr in Polen gelebt habe. Einen nachvollziehbaren Grund, warum, habe der Mann aber nicht angegeben, berichtete einer der Polizisten als Zeuge. Es sei indes allgemein bekannt, dass eine größere Anzahl falscher polnischer Führerscheine im Umlauf sei. Aber da der Führerschein durchaus original wirkte, habe man ihn zunächst nicht einbehalten, sondern zurückgegeben, den jungen Mann weiterfahren lassen und die Führerscheinstelle eingeschaltet, damit man dort der Sache nachgehe. Im Rahmen einer Hausdurchsuchung habe der junge Mann den Führerschein dann bereitwillig herausgegeben, eine eingehende Untersuchung des Landeskriminalamtes ergab dann, dass es sich um eine Fälschung handelte - eine sorgfältige Fälschung, stimmte auch der Richter zu, „sie sah gut aus, nicht mit einem Kartoffelstempel zusammengeschustert“.

Jugendstrafrecht wird angewendet, aber die Geldstrafe ist hoch

In seinem Urteil folgte Blattner nicht der Argumentation des Verteidigers und der Jugendgerichtshilfe, die forderten, in diesem Verfahren auf den Heranwachsenden Jugendstrafrecht anzuwenden. Der Richter verurteile den Täter nach Erwachsenenstrafrecht zu einer Geldstrafe in Höhe von 5200 Euro und der Übernahme der Kosten des Verfahrens. Zusätzlich verhängte er eine einjährige Sperre, während der keine Fahrerlaubnis erteilt werden darf.

Die Anwendung von Jugendstrafrecht wäre nicht vertretbar, so der Richter in seiner Begründung. Weder handle es sich um eine jugendtypische Straftat, noch liege bei jemandem, der ein eigenes Unternehmen mit mehreren Angestellten führt, eine Reifeverzögerung vor. „Irgendwann“, tröstete Blattner, „haben Sie die Möglichkeit, den Führerschein legal zu erwerben. Und dann kriegen Sie das auch hin. Wenn nicht, dann benötigen Sie einen Mitarbeiter, der fahren kann.“

„Schaffen kann er, alles andere muss er noch lernen“, zitierte Rechtsanwalt Marko Becker den Großvater seines 21-jährigen Mandanten, der sich im Waiblinger Amtsgericht wegen Urkundenfälschung und Fahren ohne Führerschein zu verantworten hatte.

Der Großvater des jungen Mannes spielt in dessen Leben eine zentrale Rolle, war sich der Verteidiger mit der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe einig. So übernahm er auch die Erziehung des Angeklagten und von dessen Bruder, als diese noch im

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